Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1890)
- Date
- 1890-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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629 ermahnt: in ihrem begonnenen Wege fortzufahren, unbekümmert, wenn sie auch Hemmnisse zu überwinden genöthigt sein sollte. Wir wollen aber der Hoffnung nicht entsagen, daß auch in der Fremde Einzelne, deren Herz für min und hny warm schlägt, sich bestreben werden die hiesige Rabbinercommission in ihrem Unternehmen kräftig zu unterstützen und ihr hilfreich die Hand zu bieten, um so dieser Commission ihre so schwere und verantwortungsvolle Aufgabe dadurch zu erleichtern, daß sie ihr oder den einzelnen Mitgliedern derselben amtlich oder privatim solche Männer anempfehlen, die den Ansprüchen der hies. Gemeinde voll und ganz entsprechen können. Nim 'n nb&'i ivao r« 't dj;ö Frankreich. Paris. Monatsbericht (Februar) der „All. Jsr. Univ." (Israeliten der asiatischen Türkei.) Eine Correspondenz aus Conftantinopol vom 12. Februar meldet, daß von den 26 im Prozeß von Bagdad verwickelten Personen, 12 zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt, und die 14 übrigen freigesprochen wurden. Es werden wahrscheinlich Schritte gethan zu Gunsten der Verurteilten, die ihre Unschuld behaupten. Anbei die letzten Mittheilungen, welche das Central-Comit« über die dortige Stimmung in Folge der neuester Vorgänge erhalten; dieselben sind vom 3. Februar datirt. Die Vorgänge der letzten Monate werden noch lange Spuren bei der Bevölkerung znrücklassen. Die Mohamedaner sind wohl in etwas beruhigt, aber es scheint als könnten sie sich noch nicht recht an den Gedanken gewöhnen, daß der Jude ein Anrecht habe auf den Schutz des Sultans und der Gesetze. Im nämlichen Augenblick, wo die Israeliten theilnehmen an dem Empfang des neuen Vali und im offenen Serail, wurden sie beschimpft und mißhandelt, und die Zöglinge der Alliancefchule, die dem Empfange anwohnten, wären der Gewalttätigkeit ausgefetzt gewesen, wenn der Director nicht die Vorsicht gebraucht hätte, sie unter den Schutz von Gendarmen zu stellen. Herr Somekh schreibt uns: Der Name der Alliance ist seit lange in Bagdad bekannt, aber jetzt erst, nach der tatkräftigen Hilfe, die Sie der Gemeinde während der kürzlich durchlebten schweren Zeit geleistet, ist dieser Name populär geworden. Sie finden einen warmen und rührenden Beweis dafür in dem Brief einer Frau namens Khasma, die Ihnen 300 Frcs. als immerwährenden Beitrag zusendet, um ihren Namen mit dem Weit der Alliance zu verbinden. Wenn Sie sich Rechenschaft geben von der Unwissenheit, in welcher man die Frauen in Bagdad erhält, bezüglich alles dessen, was außer ihrer Wirtschaft und dem engen Kreise ihrer Beziehungen geschieht, werden Sie in dem Vorgehen der Frau Khasma ein wahres Wunder erblicken. Es ist richtig, daß Madame K. keine gewöhnliche Frau ist, besonders für Bagdad, wo sie eine blühende Industrie gegründet hat,;die mehreren Hunderten von jüd. Frauen und Mädchen als Broterwerb dient. Diese Industrie besteht darin, auf Ealicot, mit den Fasern einer gelben sehr seidigen Pflanze, die aus Indien kommt, allerhand Gegenstände zu sticken, wie Decken, Gardinen, :c. Mme. Khasma beschäftigt 500 jüdische Arbeiterinnen, die sie mit einer seltenen Tüchtigkeit und Sachkenntniß leitet. Sie ist übrigens in Bagdad die einzige Frau, die sich dem Handel widmet; sie ist sehr fromm und sehr wohltätig. (Israeliten Persiens.) Herr Somekh von Bagdad, der vom Central-Comit« den Auftrag erhalten hatte, den Gemeinden Persiens, in welchen die Cholera gewüthet, Unterstützungen zukommen zu lassen, schreibt an das Central-Comit«: Die Briefe, die ich aus Jspahan erhielt, loben einstimmig die Humanität des Kronprinzen von Persien; ihm ist es zu danken, daß die Israeliten einer Metzelei entgingen, die sonst unvermeidlich schien; aber sein Schutz kann sie nicht jeden Augenblick vor der Barbarei der Verfolgung bewahren. Der Fanatismus ist sehr groß in Persien, und einmal erregt, vermag ihn keine menschliche Kraft zu hemmen, kein Verbrechen ihn abzuschrecken. In den Unruhen, die neulich in Jspahan ausgebrochen sind, wurde ein Jude auf öffentlichem Markt mit einer seltenen Grausamkeit umgebracht, sein Leib alsdann mit Petroleum getränkt und von der Menge in Brand gesteckt. Mehrere andere Juden wurden schwer verletzt, und einige darunter erlagen ihren Wunden. Frauen wurden entehrt, eine große Anzahl Häuser geplündert und sogar zerstört. Die Verfolgungen dauern noch fort, doch tragen sic nicht mehr denselben heftigen Charakter; zwar wagen es die Juden nicht, sich auf den Straßen zu zeigen, oder sich in den Synagogen zum Gebet zu versammeln. Die Mohamedaner weigern sich, ihnen Brot zu verkaufen oder thun dies zu unglaublichen Preisen, und da das Bäckerhandwerk den Juden untersagt ist, sind sie gezwungen, sich zu fügen oder Hungers zu sterben. Diese Zustände dauern nun bereits fünf Monate. Wie sehr mögen darunter unsere armen Glaubensgenossen zu Jspahan inmitten einer