Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-05-05 · Heft 35 (5.5.1890) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 35 (5.5.1890)
Date
1890-05-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448058--29946-2477701
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

628 gehen ab. Der Staatsanwalt hatte 6 Jahre Festung beantragt. Blotzheim (Ober-Elsaß.) Am $>i-un rot? a*iy verschied unser Rabbiner, Samson Spiegel, in hohem Alter. Unsere Gemeinde, die früher zu den blühendsten des Elsaß gehörte und noch 'unter unsrem früheren Rabbiner, Herr Drcysus, dem jetzigen Rabbiner vouZabern, eine große —mnn hatte, ist inzwischen sehr zusammengcschmolzen und besteht nur noch ans! 14 Familien, so daß cs wohl der letzte Rabbiner von Blotzheim ist, den wir zu Grabe getragen haben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. April. Der Ehrenbeleidigungsprozeß des schwarzgelben antisemitischen Abgeordneten Pattai gegen das dcntschnationale antisemitische „Volksblatt" bot mancherlei Sensationelles. Ans der Zeugenaussage des gewesenen Abgeordneten Prinzen Liechtenstein ging hervor, daß der Prinz mit den Antisemiten in enger Berührung gestanden hat. Schönerer und Vcrgani sind ihrer Zengenpflicht nicht nachgekonnnen. Der angeklagte Artikelschrciber Horn beklagt sich darüber, daß ihn die Deutschnationalcn, welche ihn falsch informirt hätten, im Stiche gelassen haben; von ihnen gelte: „Wir Deutschen fürchten Gott und den Gerichtssaal." Von seinem Chefredakteur Vergant sagt Horn, daß dieser ihn feige im Stiche gelassen habe; Vergant verdiene den Pranger; gestraft zu werden verdiene ich, weil ich ihm geglaubt habe. Gemcinderath Hamburger erzählte, das; Vergani, als eine Deputation des gemeinderäthlichen Bürgerclubs gegen die nnöfterreichische Haltung des „Volksblattes" renionstrirte, erwidert habe: „Wie den Katholiken der Papst ist uns Bismarck das Höchste." Der Antrag Horn's auf zwangsweise Vorführung Vcrgani's^ der angeblich erkrankt sein soll, wurde voni Gerichte abgelchnt. Horn sagte, er zweifle nur an dem, was die Dcutschnationalen sagen, an dem, was der Kläger Pattai sage, zweifle er nach diesem Prozesse nicht mehr. Die Redakteure Horn und Hierhammer wurden einstimmig für schuldig gesprochen und Horn zu 100 fl., Hierhammer zu 50 fl. Geldstrafe, das „Volksblatt" zum Cantionsverlnst von 200 fl. verurtheilt. Der Kläger Pattai hatte schließlich selbst Geldstrafe beantragt. Pä-pa, 11. April. Vier Wochen sind bereits vorüber, seit der nunmehrige Rabbiner der Frankfurter Religionsgescltschaft Herr Dr. Breuer uns verließ, und soniit der hies. Rabbinatspoften vacant wurde. Es bedarf kaum eines näheren Commentars, daß es für eine so große Gemeinde, wie die hiesige — sie zählt circa 1000 Mitglieder — dringende, unverschiebbare Nothwendigkeit ist: sich ein reltgiöses-geistliches Oberhaupt baldmöglichst zn erwählen , das berufen sei, alle Zweige unserer jüdischen Institutionen zu überwachen; der es verstehe, unsere Gemeinde in der Gesammtheit und im Einzelnen auf dem rechten Weg zu lenken und zu führen; mit einem Worte einen Mann erwähle, der die Fähigkeit und den Ernst besitzt, alte, echt jüd. Religiösität, jüdischen Sinn und Geist auf Basis des überlieferten Judenthums in unserer Mitte stets rege zu halten. — Das Bcdürfniß eines Rabbiners machte sich schon jetzt merklich fühlbar in den maßgebenden Kreisen unserer Gemeinde; so daß von der Gcmeinderepräsentanz bereits eine sogenannte Rabbinercommission erwählt wurde, deren heiligste Aufgabe nunmehr sei: nach Vermögen und Können die Rabbinerfrage je früher zu lösen zur Befriedigung der ganzen Gemeinde. Dem allerdings lobenswerthen Bestreben entsprechend, sind in der erwähnten Rabbinercommission alle Stände unserer Gemeinde vertreten, und sie zählt demnach zu ihren Mitgliedern: tüchtige Aerzte, Advokaten rc. 2C. An der Spitze der Commission steht, der durch seine Energie für jüdische Interessen auch in weiteren Kreisen bekannte, verdienstvolle Gemeindepräses, Herr Adolf Löwenftein. Wir erwähnen noch die Herren: I. M. Strauß, Jacob Schreiber, I. L. Marton, Mandel Steiner rc. Wenn wir nochmals betonen, daß in der Rabbinercommission alle Stände unserer Gemeinde vertreten sind, so ist selbstverständlich auch damit die Anforderung, welche an den zu erwählenden Rabbiner gestellt wird, angedeutet. Wahrhafte D'j^N rwr, Kenntniß der rabbinischen Literatur: v'pOwi o"tff müssen den hiesigen Rabbiner zieren; er soll ein intelligenter Mann sein, und tüchtige deutsche Kanzelberedtsamkeit wird gefordert. Indem aber unsere Stadt eine ungarische ist, soll er auch diesen Verhältnissen Rechnung tragen können. Diese Wahlcommission hat bei dieser Gelegenheit von einer Concursausschreibung abgesehen, und wir billigen auch diese ihre Ansicht; denn — wenn wir namentlich unsere speziellen Lokalinteressen in Betracht ziehen, könnte eine Concurs leicht Folgen nach sich ziehen, die für uns nicht angenehm wären. — Ihren Rabbiner will sie auf privatem Wege erküren und wir wünschen von Herzensgrund: ihr edles und heiliges Streben möge vom besten Erfolge gekrönt werden. Auch von dieser Stelle sei die Rabbinercommission nachdrücklichst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.