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Der Israelit · 1890-05-01 · Heft 34 (1.5.1890) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 34 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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■,yi>,s.-ll-.wvi^* wuyu. 614 feiten Größen des Antisemitismus, welche sich in die Erbschaft Georg Schönerer's theilen wollten, die Wahrheit zu sagen. * In seiner großen Rede bei der „Schönen Schäferin" in der Gumpendorferstraße sagte sich der Reichsrathsabgeordnete Dr. Robert Pattai von der deutschnationalen Partei los, kennzeichnete sie als das, was sie ist, als eine unpatriotische Fraktion des Antisemitismus, und forderte das Blatt des Herrn Vergani auf, sich loszutrennen von den „Preußenheuchlern" und dem „Hohenzollernthum", uw den Antisemitismus vor unwiderbringlichem Schäden zu bewahren. Die Rede Dr. Pattai's entfesselte einen Sturm der Entrüstung bei den deutschnationalen Hetzern. Bei der „Schönen Schäferin" wurde von dem „Bezirksverein Mariahilf" eine Versammlung einberufen, welche dem Abgeordneten des Bezirkes ihr Mißfallen aüsdrücken sollte. Allein Dr. Pattai war selbst einst Meister in der Kunst, Versammlungen zu arrangiren, und er zeigte bei dieser Gelegenheit, daß er es auch versteht, Versammlungen zn sprengen. Statt eines Mißtrauensvotums erhielt er ein einstimmiges Vertrauensvotum, statt daß die Mitglieder des politischen „Bezirksvereins Martahilf" bei der „Schönen Schäferin" im großen Saale über den „Verrath des Renegaten" berathen hätten, bejubelten die Anhänger Pattai's bei Freibier ihren siegreichen Führer, und die Deutschnationalen saßen mit verbissenem Grimm im Extrazimmer der „Schönen Schäferin" und schwuren Pattai und seinen Anhängern blutige Rache für diesen Ueberfall, für diese unerwartete Ueberraschung. Und die Rache blieb nicht allzulange aus. Die Versammlung wurde geschlossen und die Anhänger Pattai's wollten sich aus dem Saale entfernen. Da kam eS noch im Gange der Restauration zwischen den beiden gegnerischen Parteien zu ernsten Reibereien, die sich auf der Gasse fortsetzten und zu Ohrfeigen, Schlägereien und — Messerstichen führten. In den folgenden Lagen begann die Preßkampagne gegen Dr. Pattai, und das „Deutsche Vvlksblatt" übertraf sich selbst an Beschimpfungen und Unwahrheiten, die Dr. Pattai zwangen, gegen daS Blatt klagbar aufzutreten. Vergebens waren die Bemühungen der Parteigenossen Dr. Pattai's, diesen Prozeß zu verhindern, alle Mittel wurden in Anwendung gebracht, um den Beleidigten zur Zurüöhiehung der Klage zu bewegen, Dr. Pseudner und Dr. Lueger machten alle Anstrengungen, den Streit beizulegen, es war vergebens, und selbst mit einer demüthigen Abbitte wollte sich Dr. Pattai nicht begnügen. Unterdessen hatte sich nämlich in der Redaktion des „Deutschen Volksblatt" ein charakteristischer Zersetzungsprozeß vollzogen; die meisten Mitarbeiter verließen das Bureau des Herrn Vergani und auch der Verfasser jener Artikel, die den Gegenstand der Anklage bilden, Herr Hron, sah sich genöthigt, aus der Redaktion auszutreten und hätte schon längst Wien den Rücken gekehrt, um sich in Bulgarien ein neues Heim zu suchen, wenn er nicht noch vorher eine Arreststrafe, die in Folge des Ehrenbeleidigungsprozesses Tiller über ihn verhängt worden war, hätte abbüßen müssen. Als alle Versöhnungsversuche fehlgeschlagen hatten, entschloß sich endlich Herr Vergani, den Prozeß energischer zu betreiben. Er suchte' für seine angeklagten, ehemaligen Redakteure einen Venheidiger; er konnte in Wien keinen finden. Dr. Berger, Dr. Hößlinger, Dr. Klinger, und wie sie alle die antisemitischen Advokaten heißen mögen, lehnten es ab, in diesem Prozesse die Angekagten zu vertreten, und schon hatte die Adookatenkammer sich genöthigt gesehen, in der Person des Dr. Reitzes denr „Volksblatt" ein Ex ollo-Vertreter zu bestellen, als es endlich Herrn Vergani gelang, in Dr. Karl Kummer aus Graz sich einen Anwalt zu verschaffen, der sich in diesem Sensationsprozesse wenigstens seine ersten Sporen verdienen will. Und nun wurde der Prozeß von beiden Seiten mit großer Energie in Angriff genommen. Zweiundsechszig Zeugen werden von Dr. Pattai und Herrn Vergani ins Treffen geführt^ die dunkle Geschichte des Antisemitismus in Wien soll in dem Gerichtssaale aufgerollt werden und die Geschworenen sollen dann Samstag darüber entscheiden, ob Pattai Recht hat oder Vergani. Denn nicht um das Schicksal der beiden Angeklagten handelt es sich in diesem Prozeß, sondern um die Führerschaft, um die Erbschaft Schönerer's, der selbst mit Pattai und Vergani gleichmäßig verfeindet, Auskunft darüber geben soll, wer von den Beiden der richtige Antisemit ist. Wie immer dieser Prozeß ausgeht, uns kann es kalt lassen, denn wir wissen, daß bei den Mitgliedern dieser Partei mehr als je das Sprichwort zum Wahrworte wird: „Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus." P a l ä st i n a. Jerusalem. Dieser Tage hatten wir zu unserer größten Freude zwei Tage anhaltenden Regen, so daß für unser Land ein gesegnetes Jahr in Aussicht steht. Der Preis des Wassers, der in letzter Zeit für die Armen fast unerschwinglich war, ist bereits im Fallen begriffen. Durch den in An-

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