Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 34 (1.5.1890)
- Date
- 1890-05-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Ztz-eite Beilage zu M 34 des „Israelit ' & „Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Mainz, 27. April. Herr Dr. Löwenthal in Paris, der durch mehrmonatlichen Aufenthalt in Argentinien mit den agrikulturellen und gesundheitliche!^ Verhältnissen jenes Landes auf's Genaueste vertraut ist, warnt in einer Zuschrift an die „Vossische Ztg." vor einem Agenten, der nach Europa gekommen ist, um für die Auswanderung nach Argentinien Propaganda zu machen. In einem längeren Schreiben, welches uns ans Buenos-Ayres zugeht, wird die gleiche Warnung ausgesprochen, mit dem Hinzufügen, daß dieser Agent, Namens Sonn , es vorwiegend aus unsere Glaubensgenossen abgesehen hat, bei europäischen Wohlthäteru Spenden sammeln und angeblich damit russische Juden nach Argentinien befördern und dort ansiedeln, sowie die bereits Ansässigen unterstützen will. Es ist dringend geboten, auf diesen Sonn und seinen Begleiter, (inen gewissen Lubel, welche sich gegenwärtig in Paris befinden und nach Deutschland zu kommen beabsichtigen, ein wachsames Auge zu haben und zu verhindern, daß ihr unheilvolles Beginnen auch nur die allergeringste Unterstützung findet. Berlin, 24. April. Die „N. sr. Presse" schreibt: Die hiesige Staatsanwaltschaft leitete gegen den kürzlich in Gießen gewählten antisemitischen Reichstags-Abgeordneten Pickenbach das Strafverfahren wegen Wuchers ein. Die Zeugenvernehmungen sind in vollem Gange. Frankfurt a. M., 25. April. Eine ungewöhnlich zahlreiche Menschen- und Wagenmenge folgte heute früh dem Sarge des Herrn Jacques Dreyfus-Jeidels. Der Verstorbene kam vor 22 Jahren von Basel hierher und gründete das Bankhaus Dreyfus-Jeidels, das sich einen Weltruf geschaffen hat und seit Kurzem unter der Firma I. Dreyfus u. Cie. in eine Commanditgesellschaft überging. Die Herzengüte und Menschenliebe des Verblichenen waren allgemein bekannt, und durch seine milde Hand wurden viele Thronen getrocknet. Auf dem Friedhofe widmete Herr Rabbiner Dr. Horovitz dem Geschiedenen einen warmen Nachruf, indem er dessen gemeinnütziges Wirken und schönes inniges Familienleben besonders hervorhob. Namens der israelitischen Waisenanstalt, deren Mitbegründer und thätiger Förderer Herr Dreyfus war, sprach Herr Dr. Werner Worte ehrenden Andenkens. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Der am 18. d. M. hier verstorbene Privatier Herr Anton S ch e y sen. hat an 300,000 fl. in gemeinsamer Notenrente zu wohlthätigem Zwecke testamentarisch gespendet. In Folgendem nennen wir die Bestimmung der namhaftesten Beträge dieses Legates: Stipendien-Stiftungen für zehn arme Studenten 70,000 fl., Stipendien für zwei talentirte junge Maler 15,000 fl., beide Stiftungen für Bedürftige ohne Unterschied der Confession, dem Asylhause für verwahrloste Kinder 10,000 fl., zur Unterstützung entlassener Sträflinge und ihrer unschuldigen Familien 10,000 fl., für skrophulöse Kinder zur Sommerfrische 10,000 fl., dem Spital der Barmherzigen Brüder 5000 fl., ferner dem israel. Spitale in Währing 60,000 fl., der israelitischen Waisenanstalt, dem israelitischen Taubstummen- und dem israelitischen Blinden-Jnstitute je 20,000 fl. Wien, 15. April. In der Brigittenau kam es anläßlich einer gewöhnlichen Rauferei zu antisemitischen Excessen, wobei eine jüdische Branntweinschänke mit Steinen bombardirt wurde. Vom Rathhause aus wurde der gelenkskranke Gemeinderath Läger unter den Rusen „Nieder mit den Juden" von einer größeren Menge heimbegleitet. Wien, 24. April. Heute begann vor dem Schwurgerichte der Ehrenbeleidigungsprozeß gegen Karl Hron und Heinrich Hierhammer, ehemalige Redakteure des „Deutschen Volksblatt", in welchem Dr. Robert Pattai als Privatankläger gegen seine ehemaligen Freunde und Gesinnungsgenossen erscheint. Der Antisemit Dr. Robert Pattai wurde zu Ende des vergangenen Jahres von dem hiesigen antisemitischen Hetzblatte, das von Herrn Ernst Vergani hcrausgegeben wird, in einer Weise angegriffen, wie dies eben nur die antisemitische Presse Wiens zu thnn im Stande ist: Beschimpfungen, Schmähungen und Verleumdungen brachte das Blatt des Herrn Ernst Vergani gegen den Herrn Dr. Robert Pattai vor, weil derselbe es gewagt hatte, die Haltung des „Deutschen Volksblatt" für eine unpatriotische zu erklären und jenen aufgebla-