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Der Israelit · 1890-05-01 · Heft 34 (1.5.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 34 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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[:• WWigiyjt-» i.^r.'W'!£ 601 an ihr thätigen Frau Bär. Herr Dr. Ehrenfeld dankte in tiefbewegten Worten und gab seiner Hoffnung, das; die Religiousschulc auch in Zukunft bestehen und unterstützt werden würde, lebhaften Ausdruck. Auch der Frau Dr. Ehrenfeld, die durch ihre zahlreichen Vorzüge einer allgemeinen Beliebtheit und Hochachtung sich erfreut, wurden vielfache Zeichen von Anhänglichkeit und Ehrerbietung gezollt. Es würde weit den Rahmen unserer Zeilen überschreiten, wollten wir alledem, was uns bewegt, Ausdruck verleihen. Nur noch wenige Tage, und unser thcurer Rabbiner verläßt uns, um das hochwichtige Amt eines Seelcnhirten in der israelitischen Gemeinde zu Prag anzutreteu. Wir sind überzeugt, Herr Dr. E. wird bei seinem religiösen Grundsätzen, bei seinem bescheidenen und einnehmenden Wesen, bei seiner Intelligenz sich mit Leichtigkeit die Herzen eines jeden in seiner neuen Gemeinde erobern. Uns aber wird die Trennung von ihm um so schwerer, als wir daran zweifeln, einen gleichwerthigen Ersatz für ihn zu finden. Möge es dem Herrn Dr. E. beschiedcu sein, noch recht viele Jahre seines heiligen Amtes zu walten, zum Segen und zum Heile seiner Mitmenschen! Grätz, 17. April. Zur Annahme des Geschenks von 60.000 Mark, welches Herr Rudolf Masse seiner Vaterstadt zur Erbauung eines allgemeinen städtischen Krankenhauses gemacht hat, ist die kaiserliche Genehmigung nunmehr erfolgt, so daß der Bau desselben demnächst in Angriff genommen werden kann. Das Krankenhaus, dessen Verwaltung die Stadtbehörden übernehmen, wird zuur Andenken an den Vater des Herrn Rudolf Moste, welcher dreißig Jahre als praktischer Arzt in Grätz gewirkt hat, den Namen „Dr. Mosse- Krankenhaus" führen. Der Bau erfolgt nach Plänen, welche der als Fachmann ausgezeichnete Verwaltungs-Direktor des städtischen Krankenhauses in Moabit, Herr Merke, entworfen hat. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie», 23. April. Heber Plünderungen in Wagstadt berichten Augenzeugen jetzt Details: Das einstöckige Haus des Getreidehändlers Eisler gleiche nahezu einer Ruine und sei vollständig unbewohnbar geworden; Thüren und Fenster seien demolirt, die Fußböden aufgerissen, die Möbel in Stücke zerschlagen, alles Bewegliche sei weggeschleppt, das Getreide und Mehl verstreut, sämmtliche Hausthiere, die Pferde, die Kühe und selbst der Haushund seien erschlagen. Eisler, welcher ein Vermögen von 2000 fl. besessen habe, wäre dadurch zum Bettler geworden. Aehnlich sei in dem ebenerdigen Lokale der Firma Marcus gehaust worden, jedoch sei hier' der Schaden geringer. Frankreich. Paris, 28. April. Das Ableben Ihres Chefredakteurs, des Herrn Dr. M. Leh m a n n b-x, hatin den jüdischen Kreisen hier die tiefste Theilnahmc hervorgerufen. Sein Tod Dam nteny D'pna nve läßt eine immense Lücke, welche auszufüllen die Kräfte vieler 'Jioni erfordert und nicht so leicht gelingen wird. Einem Jeden derselben obliegt nun die Pflicht, sein Scherflein zum Weiterbau des von dem großen Verblichenen gegründeten und gepflegten Werkes beizutragen *i"D3. Zweck dieser Zeilen ist nun Ihnen von Heutigem an, von Z. z. Z. von hier Originalberichte zu ertheilen. Besteht auch politisch eine Scheidemauer zwischen j beiden großen Reichen, so dürften doch manche Mittheilungen ans der Seinestadt über Judcnthnm und die Judcnheit den Lesern des „Israelit" nicht unwillkommen sein. 2-,',-, mwa vrt* Ich beginne mit einer freudigen Nachricht. — Der Antisemitismus Frankreich erlitt gestern eine glänzende Niederlage. Drumont, der berüchtigte Verfasser antisemischer Flugschriften und Schmähbücher, unterlag bei den gestrigen Gemeinderathswahlen hier und zwar in ganz eclatanter Weise. Von 7000 Wählern des von ihm bewohnten Stadtbezirkes erhielt derselbe nur 613 Stimmen. Ein Marquis de Mores eng liirt mit Drumont und Parteigänger von Boulanger, konnte es trotz seines Einflusses, Reichthums und großen Anstrengungen nur bis 925 Stimmen bringen in einem Wahlkreise von 7500 Wählern. In einein andern Stadtbezirke erreichte ein anderer Antisemit 94, sage 94 Stimmen, bei mehr als 5000 Wählern. Das ist nun Alles, was die Antisemiten, trotz einer zügellos geführten Campagne eiectorale bei den 2Va Millionen Einwohnern von Paris ausrichten konnten. Mau ersieht daraus, daß auf Frankreichs gesegneten Boden diese exotische Wucherpflanze kein Gedeihen findet. Wenn Ihnen erwünscht, werde nächstens Einiges über interne ^-Angelegenheiten berichten.*) Un vieil ami de l’Israelit. *) Es wird uns sehr freuen Ihre Berichte zu erhalten. Red.

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