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Der Israelit · 1890-05-01 · Heft 34 (1.5.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 34 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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600 uns noch recht lange in Kraft nnd Gesundheit erhalten mögen, unserem Heimgegangenen Chefredakteur. dem Herrn Dr. L e h m a n n gegenüber geäußert. Red. des „Jsr. u. Jesch.") Vom Rhein, 27. April. Unter den Antisemiten, die cs jetzt ans eine parlamentarische Vertretung in der Stärke von fünf Mann gebracht haben, herrscht eine rührende Einigkeit. Zu der Wahl des Herrn Pickenbach in Gießen bringt das Organ der rheinisch-westfälischen Antisemiten, die nnter der Führung des Dr. König stehen, folgende Betrachtung: In Gießen hat der antisemitische Kandidat W. Pickenbüch aus Berlin, ein Mann des Dr. Böckel, mit großer Mehrheit über den fortschrittlichen Candidaten gesiegt. Trotz unserer antisemitischen Richtung bedauern wir diesen Sieg, der unserer Sache mehr schaden als nützen wird, da Pickenbach nach einem vom Professor E. Stengel in Marburg berausgegebenen Flugblatt sich einer Handlung schuldig gemacht hat, die wir nur als Wucher bezeichnen können. Ein solcher Manu gehört nicht in den deutschen Reichstag und am allerwenigsten als Vertreter unserer Partei. Nach unserer Auffassung ist ein deutscher Wucherer und Halsabschneider noch weit verächtlicher als ein jüdischer; daß Dr. Böckel sich einen solchen Menschen ausgesucht hat, um ihm ein Reichstagsmandat in die Hand zu spielen, ist wieder ein Beweis für die von uns schon längst vertretene Ansicht, daß dieser Mann trotz seiner Begabung und agitatorischen, sogar reformatorischen Kraft ein Unglück für unsere Bewegung ist. (Nun Gottlobl so mancher der anderen Herren von der Partei ist auch gerade nicht dazu angethan, der Bewegung zu besonderen Ehren zu verhelfen. Red. des „Israelit und Jeschurun.")! Berlin, 20. April. Von verschiedenen Seiten erfahren wir, daß der Reichskanzler General von Caprivi wiederholt Gelegenheit genommen habe, seiner unbedingten Abneigung gegen die antisemitische Bewegung unzweideutigen Ausdruck zu geben. Bei der soldatischen Geradheit und Offenheit, welche den neuen Ministerpräsidenten kennzeichnet, war dies kaum anders zu erwarten, und aus diesem Grunde verdienen auch die mannigfachen Mittheilungen aus dem Vorleben des Reichskanzlers, welche in jüngster Zeit in die Oeffentlichkeit gedrungen sind und Schilderungen seiner Vorurtheilslosigkeit enthalten, volles Vertrauen. Gnesen, im April. Mit tiefinnigem Bedauern, sieht unsere Gemeinde dem ersten Tag des Monats Mai entgegen, wo unser allverchrter Herr Rabbiner Dr. Eh reu selb, Gnesen verläßt, um dem Rufe als Oberrabbiner in Prag Folge zu leisten. Nicht können wir, alle seine vorzüglichen Leistungen, während seiner elfjährigen segensreichen Thätigkeit Hierselbst an dieser Stelle schildern. Weiß ja ein jeder, was Herr Dr. Ehrenfeld, der von seinem hohen Berufe ganz und gar durchdrungen ist, gewirkt. Doch dies ist es nicht allein, was jetzt unser tiefstes Innere bewegt. Herr Dr. E. hat sich auch durch seine Milde, Herzensgüte und durch seine bewunderungswürdige Selbstlosigkeit, durch seinen überaus scharfen Blick die Herzen aller derer, die ihn kennen zu lernen das Glück gehabt haben, erworben. Wir können daher die Prager Gemeinde zu der von ihr getroffenen Wahl nur beglückwünschen. — Bereits am Sonnabend P. Schminih hielt der Herr Rabbiner Dr. E. seine Abschiedsrede, zu der sich die ganze, etwa 400 Mitglieder zählende Gemeinde versammelte, um zum letzten Male die so weisen Worte aus dem Munde ihres lieben Seelsorgers von der heil. Stätte aus zu vernehmen. Anknüpfend an den Vers der Haphtara roiii in» ips’ ’D mpDJi gab Herr Dr. E. in kurzen, markigen Zügen einen Ucberblick über seine Amtsthätigkeit, empfahl dann der Gemeindevertretung, die Institutionen, besonders die Schechita in ihrer jetzigen Anordnung auch weiterhin im Auge zu behalten, besonders aber die von ihm nach langen Anstrengungen ins Leben gerufene Religionsschule zu erhalten und zu fördern, nahm alsdann in tiefbewegten Gefühlen von der gleichfalls zu Thränen gerührten Gemeinde in schwungvollen Worten Abschied. Seine Predigt war von ungemein großer Wirkung, jeder erkannte jetzt erst recht, was unsere Gemeinde in ihm verliert. Seit diesem Tage werden ihm von allen Seilen Ovationen entgegengebracht. Die Gemeinde selbst ließ Herrn Dr. E. durch ihre Vertreter unter Leitung des Herrn Stadtrath Wollenberg einen prächtigen, silbernen Tafelaufsatz mit herrlicher Widmung überreichen, „als Zeichen tiefer Dankbarkeit und zu steter Erinnerung". Die jüdischen Schüler des königl. Gymnasiums, welche in ihm ihren lieben Religionslehrer verlieren, bekundeten ihren Dank durch Ueberreichung eines kostbaren Geschenkes. Erhebend war die Feier, welche die Religionsschule ihrem Begründer und Leiter zu Ehren am letzten Sonnabende veranstaltete. Einer Ansprache einer Schülerin, die im Namen der Schüler und Schülerinnen der Religionsschule einen Silberpokal überreichte, folgten Ansprachen, seitens der an dieser Schule wirkenden Lehrer, Herrn Katz nnd Pincus und der gleichfalls

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