Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 34 (1.5.1890)
- Date
- 1890-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448057--29915-2477669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
598 wir daraus schließen, daß Ahrons Schweigen nicht eine stumme Resignation bedeutete, sondern aus der inneren Ruhe und Befriedigung floß, die ihm aus der treuen Erfüllung seines Priesterberufs erblühte. Gottes Schcchina läßt sich bei keinem Menschen nieder, der ill rvüajn rv6sy, in lässiger Trübseligkeit dahinstarrt, sondern nur da, wo die Freude an der von Gott gebotenen Pflicht .1120 b& nnoü' ihre Schwingen regt. Wenn Gott, der die Herzen kennt, Sein Wort an Ahron richtet, so muß es Ahron zuvor schon gelungen sein nicht nur den Schmerz zu überwinden, sondern ihn geradezu in heitere Freude umzuwandcln. Die göttliche Anerkennung dieser freudigen Regung in der eben noch von Schmerz durchzuckten Priesterbrust und die Mahnung sie nicht zu trüben vermittelst künstlicher Steigerung, durch die Anwendung äußerer berauschender Mittel, das war der Lohn für den Seelenadel und die Eharactergröße, die der erste Hohepriester bei den Leichen seiner beiden Söhne mo nrw pn« bewährte. Der beste Commentar unserer Thora ist — das tägliche Leben. rrrn nm by ioiy bin ]’n rfrnn ona 3"n. Erst wenn inan selber an den Prüfungen strauchelt, die unsere leuchtenden Vorbilder so glänzend bestanden, geht einem eine Ahnung von ihrer ganzen Größe auf. In den jüngsten, trüben Tagen hatten wir wie noch nie Veranlassung uns in die Seelcnstimmung zu vertiefen, welche nach dem Tode seiner Söhne, der treuen Mitarbeiter im Dienste des Heiligthums, Ahron als Vater und Hohepriester erfüllen mochte. Wie schwer es ist, die Thräne, den Seufzer zu unterdrücken, jeder Tag, jede Stunde ist dessen Zeuge. Was Moschch seinem Bruder \n 'w mo nrw pnN zugerufen, galt nicht nur Ahron. im la-in m 'n Dieses Wort hat Gott geboten, um cs für alle Zeit weiterzusagen; cs hat somit auch seine volle Anwendung n"r6si imoi ujvix mo nns nach dem Tode unseres unersetzlichen Führers und Meisters. Und wenn uns auch bei jedem Schritt, bei jedem Zug der Feder, die Lücke und Leere entgegenstarrt, die sein Scheiden überall empfinden läßt, jetzt wie damals bleibt die Losung: ’anpa mpa. Gottes heilige Sache zählt um so sicherer auf die ihr Nahestehenden, je weiter die Bresche klafft, die der Tod uns geschlagen. Wir reichen daher im Geiste allen Genossen die Hand mit der innigen Bitte, vereint mit uns weiter und weiterzufördern, was der große Heimgegangene begründet und aufgcbaut aber leider nicht vollendet hat. Wir bitten zunächst die Leser und Mitarbeiter dieser Blätter uns auch für die Folge zur Seite zu stehen, damit wir vereint das geistige Erbe weiter erhalten und verwalten, wie cs uns unser Lehrer und Führer übergeben hat. Wie wir uns für alle Zeit gelobten, treu dem leuchtenden Beispiele des Begründers dieser Blätter, iu seinem Sinn fort und fort zu kämpfen für die höchsten Güter Israels und der Menschheit, so bitten wir auch die zahlreichen Freunde und Genossen, denen der „Israelit" und „Jeschurun" ein treuer, vieljähriger Hausfreund geworden ist, ihm diese Freundschaft zu erhalten, um des großen Mannes willen, dessen Geist darin weiter walten soll. Es werden viele Hände erforderlich sein, um die eine zu ersetzen, der jetzt die Feder entsunken ist. Es wird der Liebe und Begeisterung vieler Herzen bedürfen, um Ersatz für die hochaufflammende Gottes- und Menschenliebe des einen Herzens zu schaffen, das nun nicht mehr schlägt. Aber die düstere Trauer darf uns nicht kleinmüthig das Heiligthum preisgeben lassen, das seine Thatkraft mit Gottes Hilfe gegründet. vvp prnrm ptn. Wir wollen fest bleiben und uns gegenseitig zur Festigkeit anspornen für die Anliegen unseres Volkes. Wir haben es an dem Beispiel des Verblichenen erfahren, was treue, zielbcwußte Festigkeit erreichen kann. Dieses Beispiel sott uns nicht umsonst fast vier Deceuien vorangeleuchtet haben. Hand in Hand, Schulter an Schulter wollen wir, wie bisher, den religiösen Abfall, die Halbheit, die Lauheit und Gleichgiltigkeit bekämpfen, und auch für die Zukunft den Handschuh aufnchmen, den jüdische und unjüdische Feinde unserem Heiligthume hinwerfen. Aber wie unsere Väter, als sie das verfallene Heiligthum wieder aufrichteten, mit der einen Hand das Schwert gegen die Zwitterjuden ihrer Zeit und mit der anderen die Mauerkelle für das zu errichtende Tempelheiligthum führten, so soll auch unser Kampf dem friedlichen Ausbau gelten, in dessen Dienst die Sehnsucht unseres Lebens und Wirkens aufgeht. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so haben die Kämpfe innerhalb der heutigen Judenheit ihren Höhepunkt längst überschritten. Gott allein weiß den Antheil zu würdigen, welchen der Kampf, den der Verblichene an dieser Stelle so mannhaft gekämpft hat, an dieser Errungenschaft hat. Wir sehen das Wirken der vollendeten Wackeren nur in seiner Gesammtheit. Gott allein aber kennt jede Phase, jeden Tag in dem Leben der ihm ganz Geweihten