Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 34 (1.5.1890)
- Date
- 1890-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Jtyg Israelit«*Ieschurnn. Zeitschrift M Förderuilg iild. Gekltes und jüd. fcbens i» laus, Gemeinde und Kchale. Kentral'-Hrgan für das ortfiodo.re Iudentlium. Begründet von Di'. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 1. Mai 5650 (1890). Leitender Artikel. tos Ulltz dm Tode! Mainz, 29. April. Nach dem Tode, der vom Gottesfcuer verzehrten Priesterjüuglinge, richtete Moscheh an seinen Bruder die Worte: 'aipa -id&6 'n nm iwx N'n imn Dyn hi ’>d i>yi tsnpN. „Das ist es, was Gott gesprochen hat, um es weiterznsagen, durch die mir Nahestehenden will ich geheiligt und Angesichts des ganzen Volkes will ich verherrlicht werden." priN dti daraufhin schwieg Ahron. Die gewöhnliche Erklärung dieser Worte ist, wie D"2^n zur Stelle anmerkt, mit Schwierigkeiten verbunden, webhalb derselbe einen anderen Sinn in dieser Stelle findet, als den gewöhnlichen, von Rasch! überlieferten. Nicht Nadab und Abihu, sondern Ahron und alle zum Hohenpriesterthum Berufene sind diejenigen, welche als die Gott Nähergetretenen hier bezeichnet sind. Sie darf keine Trauer von ihrer Pflicht abziehen, ihnen darf keine Thräne den Blick trüben, und kein Weh, das sonst Menschen zu Boden zieht, darf ihnen die Freude an dem hohen Ziel ihres Lebens beeinträchtigen. Der ganze jüdische Priesterberuf gipfelt in der nuznpn mny, in der concreten Verwirklichung der auf die Gottesnähe gerichteten Opferhandlungen. Vor dieser Gottesnähe weicht alles Weh, wird selbst der herbste Schmerz in heitere Freude umgewandelt. Kein Trauender überschreitet die Schwelle des Gottesheiligthums, an seiner Pforte hat der Priester, welcher die Gottesnähe seinem Volke zu verwirklichen berufen ist, alles Leid und jedes Weh abgelegt. Das ist die Heiligung, die Gott von dem ihm nahe Stehenden fordert. Das ist der Sinn des Verbots, welches speziell dem Hohenpriester, selbst beim Tode der theuersten Angehörigen, das Verlassen des Tempelheiligthums untersagt, und die sonst überall vorgeschriebenen äußeren Abzeichen der Trauer als eine Entweihung des Gottesheiligthums verbietet. *6 r“U2i yns* nb wan n« — rrw» hun jnani Av tmpo ns ah'i Bnpcn — rns» Indem aber das Verlassen des Gottesheiligthums wegen persönlicher Trauer eine Entweihung desselben genannt wird, ist damit zugleich gesagt, isnpN ’mpa, daß der Priester, dem der Schmerz im Busen wühlt und dennoch seinen durch die Gottesuähe geweihten Posten im Heiligthume nicht verläßt, daß diese Weh und Tod überwindende Treue in der That eine Heiligung Gottes bedeutet, welche sich Angesichts des ganzen Volkes vollzieht. Denn sie legt der großen Gesammtheit das Bewußtsein nahe und macht ihr die Wahrheit zum unverlierbaren Eigenthum, die noch heute jeden Trauernden vor die Gemeinde hintreten und ihn Trost und Erhebung in dem Kadisch-Gebet, d. h. in der Thatsache finden läßt, daß vor der Höhe und Heiligkeit des Gottesgedankens jede Einzeltrauer und aller persönliche Schmerz gemildert, ja gänzlich verdrängt werde. pnx Qvri. Angesichts dieser Heiligung Gottes, die den Schmerz und jede Aeußerung desselben als Opfer fordert, unterdrückt der seiner Söhne beraubte Vater Thräne und Klage und findet die Ruhe wieder in der Nähe Gottes, in dessen Dienst er steht, ivy nrnw Erp ijw noi inp’rw by ~qw bip .p «in» ntns i? mowr mann Durch dieses schweigende Ertragen eines so herben Schlages hat Ahron sich in dem ganzen Adel seiner sittlichen Vollendung bewährt. Indem aber unmittelbar darauf ein göttliches, ausschließlich Ahron mitgetheiltes Verbot folgt, so dürfen