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Der Israelit · 1890-04-28 · Heft 33 (28.4.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 33 (28.4.1890)
Date
1890-04-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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vrrttimsiiiimW'- '.v&v ■ ^^■uiiiM^i|j^ipfi^g,ytT^i^^i.||i!j j ^-•.*i. > j ■ •■ >^'"i ■ 586 dach welchem dann die einzelnen Gemeinden ihr etwaiges Statut zu verfassen hätten. Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten hat nun ein solches Normalstatut verfaßt, hat bereits vor längerer Zeit dasselbe zur Begutachtung an die einzelnen Cultusgemeinden gesendet und zur definitiven Beschlußfassung die Vorstände der Cultusgemeinden Böhmens zu einer Berathuug auf den vorgestrigen Tag eingeladen, bei welcher eine große Reihe von Tultusgemeinden vertreten war, während gegen 33 Gemeinden ihre Zustimmung zu den fassenden Beschlüssen brieflich erklärt hatten. Bei der Constituirung dieser Versammlung wurde Herr Sigmund Mauthner als Obmann, Herr Ludwig Moser, Cultusvorsteher in Karlsbad, und Herr I. Bergmann Cultusvorsteher in Neubidschow als dessen Stellvertreter, und Herr JUDr. Sp,tz, Cultusvorstcher in Brüx als Schriftführer gewählt. Herr Dr. Friedrich Tuschens erörterte das Wesen des vorliegenden Normalstatutes, insbesondere die Frage, von welchem Standpunkte aus ein Normalstatut überhaupt, insbesondere aber im vorliegenden Falle zu verfassen sei. Das Statut wurde dann von dem Referenten Herrn JUDr. Julius Brandeis paragraphenweise verlesen, wobei sich insbesondere bezüglich der Stellung des Rabbiners in der Gemeinde eine längere Debatte entspann. Es wurden sodann mehre Amendements angenommen und das Statut selbst wurde hierauf eiuhellig genehmigt, und die Vorlegung desselben an das Kultusministerium nach erfolgter Sanctioniruug des genannten Gesetzes beschlossen. Herr Mohr, Vertreter der Cultusgemeinde aus Falkenau, dankte dann unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung dem Obmanne und der Vereinsleitung für die bisherige erfolgreiche Action in dieser Angelegenheit. Preßburg, 25. März. Der hiesige königliche Gerichtshof hat vor kurzer Zeit den Rabbiner von Magyarfalu (Ungareiden) Namens Winter, weil derselbe ein Wiener Brautpaar (der Bräutigam war ein ungarischer Staatsbürger, welcher in Oesterreich vom katholischen zum israelitischen Glauben übertrat) unter Nichtbeachtung der für das Aufgebot bestehenden Vorschriften getraut hatte, des Verbrechens gegen den Familienstand schuldig erkannt und ihn zu einer sechsmonatlichen Kerkerstrafe verurtheilt. Gleichzeitig sprach der hiesige Gerichtshof auch die Ungiltigkeit der betreffenden Ehe aus. Die königliche Tafel hat nun laut herabgelangter Meldung das obcitirte Urtheil vollständig casstrt und unter Anberaumung einer neuerlichen Schlußverhandlung die Einholung des Gutachtens seitens der Pester Rabbinatsschule angeordnet. Italien. Florenz. Die jüdische Gemeinde in Florenz hat einen Deutschen, den Dr. Margulies, zu ihrem Rabbiner gewählt. Derselbe war früher Rabbiner in Weilburg. Allefsandria Vor wenigen Tagen verschied der langjährige Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Aqui, Professor Rabbiner Ottolenghi. Derselbe war Lehrer beinahe der ganzen Gemeinde, die ihm ebenso wie alle Einwohner der Stadt große Verehrung zollte. Bei einer Jnspectton erhielt der Verstorbene eine Regierungsmedaille für seine musterhafte Leitung der Gemeindeschulen. Der Bürgermeister der Stadt, Cav. Moise Ottolenghi, ist ein Verwandter des Rabbiners und verdankt die Judenschaft ihm den neuen Tempel und ein vorzüglich eingerichtetes Krankenhaus. E n g l a u d. London, 18. April. Anläßlich der bevorstehenden Rabbinerwahl bildete sich eine Reform anstrebende Partei, die namentlich im westlichen Stadttheile Ausdehnung zu gewinnen droht, besonders da ein einflußreicher Mann, Mr. Louis Davidson an der Spitze der Bewegung steht. Hauptsächlich wird Seitens dieser Partei dahin gestrebt, die Macht des zu erwählenden Chief Rabbi's zu degradiren und den Gemeinden größere Religionsfreiheit zu sichern, auch will man es ermöglichen die hier bestehende Reformgemeinde, welche viele reiche Mitglieder zählt, in den Verband der United Synagogue aufzunehmen. Um dlesen Anstrebungen entgegenzutreten, constituirte sich gestern Abend im Great Eastern Hotel eine orthodoxe Versammlung, die energischen Protest gegen alle derartigen Reformeiurichtnngeu erheben und eine, hoffentlich mit vielen Unterschriften versehene Petition an den Council der United Synagogue einreichen wird. London. Den seit dem Tode des Chief-Rabbi Dr. N. Adler in den englisch-jüdischen Ztgn. sich kundgebenden Bestrebungen einiger Heißsporne der Reform nach einer zeitgemäßen Abänderung des öffentlichen Gottesdienstes trat Rev. Herr Dr. H. Adler in seiner am 1. Tage Peßach in der Bayswater-Syonagoge gehaltenen Predigt in entschiedener Weise entgegen und warnte mit eindringlichen Worten vor derartigen Reformen, die nur dazu geeignet wären den Frieden der Gemeinde zu stören. Viele jüdische Gemeinden Deutschlands, sagte Redner, bieten ein abschreckendes Beispiel, für welche die vor 50 Jahren eingeführten Reformen die schlimmsten Folgen hatten.

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