Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-04-28 · Heft 33 (28.4.1890) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 33 (28.4.1890)
Date
1890-04-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448056--29903-2477656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mp* < i*'• r I. * i w.ypsM>anjy^g>y■11 58 7 Afrika. Johannisburg, Transval, Ende März. Es ist erfreulich wie die jüdische Journalistik sich nach und nach über den ganzen Erdboden verbreitet. Auch hier erscheint seit Kurzem eine Zeitung unter dem Titel „Der Afrikaner Israelit", welcher in jüdischen Lettern und deutscher Sprache seinen Lesern alle die das Judenthum interessirenden Fragen zu berichten versucht. Wir wünschen dem Blatte das beste Gedeihen. Feuilleton. W a t 1 u n g e «. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Denke Dir nur," sagte Bella zu Max, „mir hat geträumt, ich wäre vor der Kunsthandlung an: Graben gestanden und da wäre jener ^evr, der den Papa da neulich vor den Pferden weggerissen hat, vorübergcgangen — ich habe mich so gefreut, als ich ihn gesehen habe, daß ich ihm nachlanfen wollte, um ihm nochmals zu danken — als ich darauf erwachte, war ich ganz enttäuscht." „Geschieht Dir recht," neckte Max, „wenn Du fremden Herren nachlaufen willst." „O, Max, wie kannst Du nur so reden. Jenen Herrn möchte ich so gern noch einmal treffen — bedenke nur —" „Bella hat recht," sagte Bärwald ernst, „auch ich wünschte sehnlichst demjenigen nochmals zu begegnen, der mich vielleicht vor dem schrecklichsten Tode gerettet hat. Aber ich würde ihn nicht erkennen, auch wenn ich ihm begegnen würde, ich erinnere mich nicht, ihn gesehen zu haben." „Ich würde ihn unter Tausenden wiedererkennen," fiel Bella lebhaft ein, „wenn ich ihn nur wieder ireffen würde." „War es noch ein junger Mann'?" fragte Max. „Ein noch sehr junger, vielleicht jünger als Du, denn er hat noch gar kein Bart. Aber er ist größer als Du, vielleicht um einen halben Kopf — und weißt Du, was für Augen er hat'?" „Ja, wie könnte ich das wissen?" „Genau solche Augen wie Mama hat er, aber ganz genau solche — und auch einen ähnlichen Mund wie Mama hat er und eben solche weiße Zähne." „Mir scheint," sagte Bärwald lächelnd, „Deine Phantasie ist bei Deiner Schilderung mit'im Spiel. Du fühlst Dich dem jungen Manne verpflichtet, darum leihest Du ihm die thenersten Züge." Sie schüttelte lebhaft den Kopf. „Nein, nein,? Papa, meine Phantasie hat dabei gar nichts mitzuj sprechen, ich habe ihn aber sehr genau angesehen."! „Aber wie hast Du seine Zähne sehen können?! hast Du denn mit ihm gesprochen?" „Das nicht, aber er hat sich furchtbar an-; strengen müssen, darum hat er die Zähne zusam- ' mengebissen und die Lippen dabei auseinanderge-! zogen — und nachher war er so matt, er hat sich i kaum aufrecht halten können — gegen das Haus j hat er sich gelehnt und war ganz weiß im Gesicht." „Ich wollte, ich wäre an seiner Stelle ge-! wesen", sagte Max. - „Weßhalb?" j „Weil Du beständig an ihn denkst, dann wür-! dest Du an mich beständig denken." . „Ich denke auch so sehr viel an Dich." j „Das mußt Du wohl, weil ich so viel hier bin." i „Nein, auch sehr oft, wenn Du nicht hier bist, I weil Du so lieb gegen Papa bist und Papa so- | viel hilfst." | Er erröthete, ihr warmer Ton that ihm im! Herzen wohl, aber er begann sofort wieder sie zu i necken. „Daß Du an mich zuweilen denkst, auch j wenn ich nicht hier bin, das freut mich außeror- ( deutlich, aber an den Andern darfst Du nicht so i oft denken, Bella, sonst würde ich eifersüchtig auf! ihn werden."! Mit einer unnachahmlichen stolzen Anmuth i warf sie das Köpfchen zurück. „Wie könntest Du - Dir erlauben, eifersüchtig zu werden?" i „Na, warum denn nicht," lachte Max, „ich bin - doch Dein Cousin." i „Da bist Du was Rechtes. Otto und Paul! und Salomon sind auch meine Cousins." i „Aber die sind nicht hier. Ich bin der ein-! zige Deiner Cousins, der hier ist. Und dann weißt! Du's ja, sobald ich Doctor bin wirst Du meine! Braut und dann heirathe ich Dich."! „Du bist ein abscheulicher Mensch", rief sie glühendroth werdend, „ich werde niemals Deine I Braut werden, hörst Du?" j „Ich höre es wohl," lachte er, „Du hast mir's l doch laut genug in die Ohren geschrien. Aber ich j denke, Du besinnst Dich noch eines bessern. Nicht j wahr, liebe Tante, Du glaubst es auch, daß Bella - meine Braut wird?" Frau Bärwald zuckte lächelnd die Achseln.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.