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Der Israelit · 1890-04-28 · Heft 33 (28.4.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 33 (28.4.1890)
Date
1890-04-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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582 auf daß seine Worte ein williges Ohr finden mögen. Als er hierauf eine Entscheidung über eine Halachah traf — rvty 'v'nn — da lachte man ihn aus. Warum, sprach er, lacht Ihr, habe ich etwa Eure Mäntel genommen und mich durch Bekleidung mit Gewändern, die mir nicht passen, lächerlich gemacht? Da antwortete ihm Rabbi Osia: Nicht Deine Kleidung, Dein Gebet hat es bewirkt, daß man Dich verlachte. Derjenige, der die Wahrheit zu erforschen sucht und sie Andern mittheilen will, muß sich von allen Einflüssen frei machen und selbst der Himmel kann ihm für den Fall, daß er etwas Unrichtiges lehrt, seine Bitte, bei seinen Zuhörern ein geneigtes Ohr zu finden, nicht gewähren. Will man ein Gebet vor Beginn feines Vortrages und Studiums emporsenden, so bete man wie Rabbi Chanina ben Dosa: ro^n "o*ia *?ibon Es möge des Heiligsten Wille sein, daß ich bei der Entscheidung wichtiger Fragen nicht strauchle. Rabbi Chanina fügte auch noch hinzu: Auf daß sich meine Genossen nicht über mich freuen. Dieser Zusatz erscheint uns nicht recht verständlich. Ist es denn denkbar, daß die Genossen eines so großen Mannes wie Rabbi Chanina ben Dosa, die doch auch bedeutende Leute waren, sich freuen sollten, wenn ihr Freund nicht die richtige Halacha verkündet? Doch der Wunsch Rabbi Chanina ben Dosa's wird uns durch einen anderen Vorgang, der uns im Tractat Baba Bathra (133 a) berichtet wird, klar werden. Dort wird uns erzählt, daß in dem Augenblick, als Rabbi Acha ben Abia im Begriffe stand, einen Rechtsspruch zu fällen, der mit der Mehrheit der Ansichten unserer Weisen nicht im Einklänge stand, Rabba zu ihm kam, ihn davon überzeugte, daß er sich im Jrrthum befinde und ihn so zu Rab bas großer Freude vor dem Ausspruch eines falschen Urtheils bewahrte. In diesem Sinne ist der Wunsch Rabbi Chanina's aufzufassen: Nicht will ich meinen Genossen die Freude bereiten, daß sie sagen können: es ist uns gelungen, Rabbi Chanina von seinen Jrrthümern zu überzeugen und ihn auf den rechten Weg zu führen, sondern der Allgütige möge mich so erleuchten, daß ich stets sofort das Richtige treffe. — So möge auch den Schreiber dieser Aufsätze der Allmächtige begnaden, daß es ihm gelinge, den echten Geist unserer heiligen Thora zum Verständniß der geehrten Leser zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Die Befreiung der Theologen vom Militärdienste. Wie den verehrlichen Lesern wohl aus den politischen Zeitungen bekannt sein dürfte, gelangte vor Kurzem im deutschen Reichstage ein Antrag zur Annahme, nach dem die katholischen Theologen auf ihren Wunsch bis zum siebenten Militärdienstpflichtjahre vom Dienste befreit und dann der Reserve überwiesen werden. Der vom Centrum gestellte Antrag wollte ursprünglich den Theologen aller Confessionen diese Vergünstigung gewähren, und der Centrumsführer Dr. Windthorst erklärte ausdrücklich, derselbe beziehe sich sowohl auf die Katholiken, als auf die Protestanten und Israeliten. In zweiter Lesung nahm der Reichstag den Antrag unverändert an; aber infolge des patriotischen Entrüstungssturmes der protestantischen Theologen gegen die ihnen „aufgezwungene" Wohlthat wurde er in dritter Lesung auf die katholischen Theologen beschränkt. In der vom Reichstage angenommenen Fassung wurde der Antrag auch vom Bundesrathe bestätigt und damit zum Reichsgesetz erhoben. Es ist bedauerlich, daß durch den „Patriotismus" der Protestanten auch die Israeliten der ihnen zugedachten Wohlthat verlustig gingen. Wir möchten nun die berufenen Vertreter der Interessen des Judenthums, die Rabbiner, auf die Erwägung aufmerksam machen, ob es sich nicht empfehlen würde, in einer Petition an den Reichstag die Ausdehnung der erwähnten Vergünstigung auch auf die jüdischen Theologen zu beantragen. — Wir verhehlen uns nicht, daß wir bei diesem unserem Vorschläge auf mannigfache Schwierigkeiten stoßen werden. Vor allem wird man uns — nicht mit Unrecht — entgegenhalten, daß es bei uns einen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien, wie er bei den Katholiken besteht, nicht gibt, daß namentlich die Beobachtung der Sabbatruhe uud der Speisegesetze, die vom Militärdienste leider so schwer beeinträchtigt wird, für alle Israeliten in gleicher Weise geboten ist. Wenn wir jedoch in Erwägung ziehen, daß der Rabbiner dazu berufen ist, einst der Gemeinde die Bedeutung unserer Religionsgesetze vor Augen zu führen und für die Beobachtung derselben Sorge zu tragen, so werden wir einsehen, daß es für ihn von größtem Nachtheile ist, wenn er selbst während eines ganzen Jahres dazu gezwungen ist, viele der wichtigsten Vorschriften unserer Religion außer Acht zu lassen. Uebrigens wäre auch der Grund, den Windthorst für die Befreiung der Theologen vom Militärdienst ansührte, nämlich, daß der Seelsorger ‘ „nicht dazu da sei, Wunden zu schlagen, sondern

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