Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 33 (28.4.1890)
- Date
- 1890-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M gg. XXXt Jahrgang. Kmclit... Jcschurnn. Zeitslhüst zur FöldttW D. Geistes Md jiid. Kedeus in Aus. GeNtlude LUd Klhllie. Kentrak-Hrgan für das orlhodore Iudentlium. Begründet von I>r. Lehmann in Mainz. Montag, de« 28. April 5650 (1890). Leitende Artikel. Sprüche der Wäter. Viertes Buch. XXII. Fortgesetzt von Liepman Philip Prins. Frankfurt a. M., 24. April. Von der Redaction dieser Blätter ist mir der ehrenvolle Auftrag zu Theil geworden, die Fortsetzung der nux 'pis-Erklärungen, welche der unvergeßliche Dr. Lehmann V'sj in so wunderbarer Weise seinen Lesern darbot, zu übernehmen. Wenn man auch hierbei mein Wissen, sowie meine Fähigkeit, vor Kreise zu treten, welche berechtigt sind, große Anforderungen zu stellen, überschätzt hat, so wage ich es dennoch, dem an mich ergangenen Rufe zu folgen, in dem hohen Bewußtsein, an einem Blatte Mitarbeiten zu dürfen, welches schon so viel Gutes und Großes gestiftet hat. Auch glaube ich das Andenken des Begründers dieser Zeitschrift in keiner anderen Weise besser ehren zu können, als wenn ich mit den Erklärungen der nnx yve in seinem Sinne fortsahre. Zuvor gestatte man mir jedoch eine kleine Einleitung. Unsere Weisen behaupten, daß in der in Paraschath Ki Thobo enthaltenen Drohung ’bn fe dj airo *wn roD fei unter Anderem auch die nrp» D’pnsn der Tod der Frommen enthalten sei. (Vergl. uoi nnj/’)- Ein großer Lehrer in Israel wurde gefragt, wieso man gerade ein derartiges Unglück aus der erwähnten nfep deuten könne. Die Antwort ist folgende: Die fortschreitende Kultur, der nie rastende Geist und die nimmer ruhende Thätigkeit der Menschen lassen auch in religiöser Hinsicht stets neue Fragen entstehen, deren Entscheidung oft nicht direct aus der uns überlieferten schriftlichen und mündlichen Lehre ersichtlich ist und zu welchem Zwecke es daher einer großen Gelehrsamkeit, einer tiefgehenden Weisheit und Menschenkenntniß bedarf, um deren Beantwortung aus derselben zu folgern. Bei jeder neuen Erfindung, die irgendwie in das practische Leben eingriff, wurden auch an den Begründer dieser Blätter hierdurch neu entstandene religiöse Anfragen gerichtet; wie oft war ich zugegen, als man sich von ihm die inneren Gründe des Verbots der Eisenbahnfahrt am Sabbat erklären ließ. Als das Telephon seine Drathnetze über Deutschland zog, kamen Hunderte von Anfragen an ihn, ob das Sprechen in die Ferne durch den Draht am Sabbat zu verbieten sei. Me gleitete er dann mit sicherem Steuer über das unabsehbare Meer des Talmud dahin, benutzte, verglich und erwog die ona rwrw minw nno, die Methoden und Systeme, durch die unsere heilige Thora erklärt wird, um die ino>6 nfen den Lehrsatz der Wahrheit gemäß auszuforschen. Und daß solche D’pns, und speziell in unserem Falle, solch ein Frommer und Gelehrter wie Dr. Lehmann unS entrissen wurde, das ist eben eine 3ira 'b *wx hdd; ein Schlag ist es, daß so vieles, was Dr. Lehmann noch im Stande gewesen wäre, zu schreiben, ungeschrieben blieb. Auch die Erklärungen zu den Sprüchen der Väter waren ihm weiterzuführen nicht vergönnt, und es ist doch so überaus nothwendig, gerade in unserer Zeit darzuthun, daß die bieltausendjährige jüdische Sittenlehre, zu welcher die Pirke Aboth so Vieles beitragen, hinter der Gesittung Andersgläubiger nicht zurücksteht. Wird es mir gelingen, die geschätzten Leser dieses Blattes zu befriedigen? Auch auf diese Frage können wir die Antwort aus dem unerschöpflichen Born unserer heiligen Literatur schöpfen. Im Traktat Beza (38 a.) wird uns erzählt, daß Rabbi Abba, bevor er seinen Vortrag begann, den Himmel anflehte,