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Der Israelit · 1890-04-24 · Heft 32 (24.4.1890) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 32 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
– (sequence 23)
Language
German
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579 punkte aus übte er rTJ und machte keinen Unterschied, ob reich oder arm, ob Jude oder Nichtjude ihm nahetc, er war allen Menschen ein hingebender Menschenfreund. Insbesondere aber bat er seine Zeitung benutzt, sic zu einem Sammelplatz für alle edlen Bestrebungen zu machen. Mit großer Liebe nahm er sich in erster Reihe unserer armen hungernden Brüder inPalästina an und suchte unausgesetzt für sie Gaben zu sammeln, um es ihnen zu ermöglichen dem Thorastudium obliegen zu können und sie einem nützlichen Lebensbcruse znznführen. Auch stand er mit Anderen seit vielen Jahren an der Spitze des Eomitö für die Angelegenheiten Palästinas. Die Pekidim und Amarkalim in Amsterdam haben mich darum mit dem Auftrag beehrt, in ihrem Namen dem Verklärten an dieser Ställe den herzinnigsten Dank nachzurufen für seine treue, vielseitige, unermüdliche und so schätzenswerthe Mitarbeit zum Wohle der 7^n£" piN "J>\ Lange Jahre hat er seinen weisen Rath in den Dienst dieses hl. Werkes gestellt und es wesentlich gefördert. Möge der gütige Vater ihm reichlich dafür lohnen und ihn aufnehmen in seiner hl. Wohnung und weilen lassen im Kreise aller Edlen, Frommen und Reinen schauend die göttliche Herrlichkeit. Mit so vielen, vielen Armen, Leidenden und Hilfesuchenden beklagen aber auch seinen Hintritt gar viele Gemeinden, denen er allezeit ein thäliger, opferbereiter Wohlthätcr und Berather für die heiligsten Interessen ihres Gemeinwesens gewesen. Mir ist es darum zur Pflicht gemacht worden von Seiten meiner Gemeinde, der isr. Religionsgesellschast in Darmstadt, innige Worte tiefen Dankes an seiner Bahre auszusprechen für die vielfachen großen und wesentlichen Dienste, die er schon vor mehr denn 20 Jahren ihr .geleistet. Am kommenden Sabbat werden cs 26 Jahre, da hat er den Weiheakt an unserem ersten kleinen Gottesyause vollzogen, seit jener Zeit hat er oft bei uns geweilt und uns ermuthigr, und heute nun sehen wir seine irdischen Reste und beweinen den großen unersetzlichen Verlust, den wir, den seine Gemeinde, das Judenthum, den die Menschheit durch sein Scheiden erlitten; wir können es kaum fassen, daß Or. L. uns verlassen könne, der noch Mitten in der besten Schaffenskraft stand und sich mit noch vielen Plänen getragen und noch so Vieles zu Stande zu bringen gehofft. Gebrochen ist die herrliche Rose, die Blätter liegen am Boden - ihr Duft aber bleibt unvergänglich. Sein Wesen umschwebt uns: was er geschaffen, stirbt nicht, es lebt weiter, es lebt fort. Wir bewahren ihm ein ewiges, treues, dankbares Andenken und das Wort, das er vor 26 Jahren der Gemeinde zugerufen hat: Hütet Euch vor dem fremden, unheiligen Feuer, erwärmt Euch am hl. Feuer der 717D, dem m tt'N, seid gewissenhafte Juden, brave Menschen, das soll in unserem Herzen reine bleibende Stätte haben und uns ewig erinnern an unseren Freund, Berather und Wohlthätcr. Und nun mein theuerer Genosse, mein edler Freund, ich nehme ^Abschied von Dir und rufe schmerzerschüttert: TIN ’7 7L es ist mir leid , bitter weh, um Deine Trennung von uns, Du warst mir Freund und Lehrer, so treu und gut wie ein Vater! Zieh' hin in Frieden! Dein Vorbild soll uns vorschweben und ermuntern im schweren Beruf, Dein unerschrockenes Wesen uns begeistern für Wahrheit, Recht, Gottesfurcht und Menschenliebe, bis daß der Tod auch uus von dieser Erde erlöst. .N''m Snu N3i men VIII. Dr. goriniitz. Rabbiner der isr. Gemeinde, Frankfurt a. M. Geehrte Trauerversammlung! Dhir auf einige Augenblicke gestatten Sie mir das Wort an dieser Bahre, au der Bahre des Mannes, dem auch ich das Glück hatte, im Leben nahezustehen. Wir haben nicht lange erst, am letzten Feste, das Wort der heiligen Schrift vernommen. cmriNG “Vi njns Vinn Q’prNn yD’i — Auch heute, auch hier sprechen wir: „Es zog fort ein Engel des Herrn, ein Sendbote Gottes, der treu und ehrlich seine Sendung auffafste und erfüllte; er zog fort von uns, er ging von uns, er, der die Bahn öffnete, der den Weg zu ebnen durch 3 Jahrzehnte berufen und geübt war vor dem Lager- Israels. Nach dem was wir heute über den herrlichen entschwundenen Mann gehört haben, ist dieser Sendbote nicht verschwunden, er geht weiter im Geist, so wie ihn das Bild, welches uns von ihm entworfen worden ist, hat zusammengefaßt in großen Zügen. Die alten Lehrer sagen: Wem man min Tin nachspricht, dessen Lippen öffnen sich gleichsam neu zum Wort auch im Grabe. Der Unterschied, das erklärte einst ein geistreicher Rabbi, zwischen dem Leben des Gerechten nach dem Tode und dem Leben des frommen gerechten Lehrers vor dem Tode bestehe im Ganzen mir einzig und allein darin, daß, während im Leben er als Sendbote cinhergeht vor dem Lager Israels, er nach dem Tode, wenn man in seinem Geiste weiterlebt und wandelt, mit geht und mit lebt. Er kann fortleben; aber der Lebende muß ihni vorangehen. □mnND Ihm, der gewohnt war im Leben voranzugehen, ihm, geehrte Versammlung, können jetzt wir zum Weiterwandeln auf Erden verhelfen. Lassen Sie mich, trauernde Versammlung, Ihnen in einem Wort erzählen, welchen Eindruck es auf mich in meiner Kindheit gemacht, als in fernem Lande ich zum ersten Male die Probenummer des Israelit in die Hände bekam. Wir waren Kinder, aber schon hatten wir den Ernst der Zeit erkannt, schon traten uns entgegen die Vertreter der stürmischen Richtung mit ihren Organen in der Hand und man hatte es gewagt, uns zu sagen: Ein gebildeter Mensch, der kann doch unmöglich ein guter Jude sein. Und wenn Ihr fromm sein wollt, Ihr Kinder, dann müßt Ihr verzichten auf alle Errungenschaften der Wissenschaft, der Bildung. Da kam in unsere Mitte zündend und begeistertes Leben weckend der „Israelit". Man mußte ein Kind sein mit der ganzen Schlichtheit und Treue des kindlichen Herzens, um diese Wirkung nach zu empfinden, die das allen verständliche Wort, der zu Herzen gehende ron des „Israelit" damals auf uns übte. Gerade das, trauernde Versammlung, war einer seiner Hauptzüge: Die Kraft, das Verständniß, zum Herzen des Volkes und besonders der Jugend zu reden, das nnn t£Ql Honig und Milch, Süßigkeit, Gefälligkeit der Form verbunden mit der kräftigen Nahrung des jugendlichen Alters, war ihm unter die Zunge gelegt. Aber die Zunge geführt hat ihm nicht die Lieblichkeit und nicht die Volksthümlichkeit in seinem Wesen, und in seiner Sprache —- by t6di konnte er sagen. Er wußte sehr wohl, wie weit er zu gehen habe, wie weit er den Neigungen des Volkes entgegenzukommen habe, wie weit er sie wecken durfte und wo er Einhalt zu thun hatte. Das Wort Gottes war auf seine Zunge by das Wort Gottes beherrschte seine Zunge, seine Sprache. Die Lehre des Herrn war die Gebieterin sie war die Führerin,

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