Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-04-24 · Heft 32 (24.4.1890) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 32 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448055--29892-2477644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

*>»»-««! ^ZWWMWWW 577 hatten aber vergesien, daß der E^lf nur das Ziel sei, dem wir zuzustreben, dieses Ziel aber nur durch die Pflege des DEK zu erreichen sei, lEEdr m^m EENE lehrt ja das Prophetenwort — durch Wahrheit zum Frieden, ohne Wahrheit gibt es keinen wahren und dauernden Frieden. Diese Wahrheit ist uns n&^npn min, das Gotteswort, aber nicht als blose Lehre und Bekenntniß, sondern auch als Anerkenntnis; durch Erfüllung der msJD—also mSDl min! Darauf hat Dr. Lehmann unermüdlich hingewiesen und dafür in beredter Weise mit den Waffen des Geistes seine Mitbrüder zu gewinnen gesucht. Ja wenn im Judenthum es nur auf das Glaubensbe kenntniß ankäme, Geliebte, dann würde das Judenthmn bald in sich zerfallen; denn das Bekenntniß “riN '"i l?N“)L5r es gibt ein Gott, das theilen Biele mit uns, das ist nimmer unser wahres Kennzeichen, das ist nur unser Kampsesrus. Das charakteristische Merkmal jüdischen Lebens, jüd. Denkens, jüd. Ringens ist das, was dem ycsJ' nachfolgt: 'Ul “PU1? ^03 EN EBEN!! In diesem Gedanken gipfelte das Streben Lehmanns zur Thorafahne Israel wieder zu rufen und durch die Thora das alte, fromme jüdische Leben wieder in Eours zu bringen, daß wir uns nicht zu fürchte» haben, wir würden der Lächerlichkeit preisgegeben, wenn wir wieder die miJC üben, wiederum z. B. mit den ETD /_i über die Straße gingen, wieder eine EDID beziehen, wieder mit Lust und Liebe, mit Hingebung und Treue praktisches Judcnthum übten. - Brüder, daß Biele, Biele dem wieder sich zuwandten, das hat Dr. Lehmann Allen voran bewirkt. Und durch welche Mittel? Hat er etwa nur dem gewöhnlichen Bolke gelehrt, du mußt gedankenlos pP'EE lege», tut mußt E'L'll tragen, E'LE essen, Erhalten? Nein! so nicht, er hat den göttlichen Gesetzen auch Geist einzuhauchen oder vielmetzr den Geist aus dem Gottcswort herauszulesen verstattden und ihn in das Volk hineinzutragen gewußt. Es hat eine Zeit gegeben, in der die Schöpfer der Reform ihre ganze Kunst darin suchten, dem Bolke das Gottesbuch aus den Händen zu nehmen, damit es ja ein mit 7 Siegeln verschlossenes Buch bleibe! Der Verklärte aber hat im besten Sinne des Wortes myci rrnn wieder populär gemacht und gezeigt, wie man gebildet und gelehrt, wie man mit wissenschaftlichen Materien sich beschäftigen könne, und dennoch sein kann, ein wahrer und gewissenhafter, gesetzestreuer Jude. Dies hat er im „Israelit" mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften des Geistes und der Seele glänzend dargethan. Der „Israelit" ist in Bezug darauf eine Fundgrube, er birgt einen unendlich großen Rcichthum jüd. Wissens und jüd. Wahrheit. Freilich war Dr. Lehmann es nicht allein, namentlich tut Anfänge nicht, der dort auftrat. Sein Lehrer stand ihm vielfach zur Seite. Aber mit den Jahren ist sein Einfluß gewachsen und die Altforderungen wurden größer. Lehmann ist nicht zurückgeblieben und nicht erlahmt. Es ist keine Kleinigkeit 30 oder 31 Jahre der Chesredacteur eines Blattes zu sein und in jeder Weise, in den letzten Jahren sogar zweimal in der Woche, die Weltkanzel zu betreten, um aufzurufen, zu belehren, zu ermahnen, zu sammeln und zu vertheidigen alle Gesetzestreuen! Er hat das gesetzestreue Judenthum neu belebt und gestärkt und seine Stellung gesichert. Das ist keine Uebertreibung. Und ach, er scheidet von uns, der treue Wächter, der rettende Engel! Wer wird, wer kann ihn ersetzen? Wer wird wie er Wankende festigen, Zweifelnde belehren und das Volk begeistern für ENTl min? C wie oft und wie nachhaltig hat er die Ankläger zum Schweigen gebracht, und dieser Mund ist nun verstummt. Ich erinnere mich noch des Eindrucks aus meiner Kindheit, den die ersten Nummern des Blattes hervorgerufen, als er den Kampf mit den Matadoren, die im Judenthum das große Wort geführt, aufgenommen, die sich besonders darin gefallen hatten, um von den Alten, den Finsterlingen, den Rückschrittsmännern, von den ungebildeten Rabbinen zu reden! — Wohl hat es früher schon ein jüd. Blatt gegeben, das in gleichem Sinne gewirkt, es ist aber niemals populär geworden, es war in einem zu hohen Ton geschrieben. L. besaß in meisterhafter Weise die Gabe zum Bolke zu reden, und dieses griff mit Freuden zu den Blättern, aber auch in gleichem Maße begrüßten die Führer sein Unternehmen. Die Führer waren verzweifelt an der Aufgabe, sie hatten keinen Muth mehr, sie hatten sich als verlorene Posten angesehen - welchen Ausdruck Lehmann oft gebrauchte — und auch sie hatte der „Israelit" mit neuem Muth und Begeisterung erfüllt, sie begrüßten ihn als Fahne, als Erkennungszeichen, als einigendes Band. Tie Massen waren irre geworden, wußten nicht mehr was wahr sei und was falsch, weil man dem Bolke von der anderen Seite zurief: E"n e’p?n nzn Meine Brüder! Wenn Schamai und Hillel streiten über ein Gesetz, über eine Verordnung, wenn über die Art und Weise der Ausübung einer E'LE die Weisen oft verschiedener Meinung sind, wenn der Eine das Gegentheil von dem sagt, was der Andere will, ja da gilt und nur da gilt der Satz unserer Weisen zu Recht: B'p%xn:n Pn E”E weil die Streitenden auf dem gleichen gesetzlichen Boden standen, von gleichen Grundsätzen ausgingcn, das gleiche Ziel verfolgten, den Streitenden das ganze unaetheilte schriftliche und mündliche Gesetz mit allen Eonsequenzen gottgeofsenbart, wahr, heilig und verbindlich war. Dem Bolke das klar zu machen und sie vor Jrrrhum und Täuschung zu betvahren, die Lehren der Weisen wieder zur Aufklärung des Volkes zu verbreiten, das erkannte Lebmann als seine schönste, aber auch heiligste Aufgabe. Er hat sie erfüllt und dafür Jünger geworben und in diesem Sinne Gemeinden gegründet. Daß Letzteres nothwendig geworden, hat er und seine Mitkämpfer oft und tief beklagt und darin ein Unglück, ein ungeheueres Unglück erblickt, daß innerhalb der Judenheit eilt solcher Riß eingetreten ist. Aber dieser Riß konnte nach seiner tiefen Ueberzeugung nur geheilt werden durch den Ruf: PEBE „Geht eueren besonderen Weg!" Es war das gleiche Wort, das Gott au Abraham gerichtet: "“‘r und er hatte es aufgenontmen und seinen gesetzestreucn Brüdern, die in äußerster Roihlage in ihren engeren Kreisen ihren religiösen Pflichten nicht mehr leben konnten, aufs Neue eingeschärft: „Geht euere eigene Wege, bildet selchst euere Lehrer und Führer ans, richtet eigene religiöse Institutionen ein, baue: eigene, dem Gesetze und geheiligten Herkommen entsprechende Gotteshäuser und Schulen, seid opferfreudig, zaget nicht, sorget nicht, der kleine Kreis wird wachsen und die Zeit wird kommen, wo die großen Gemeinden das wieder anerkennen und sich anschließeit werden. Nun meine Brüder! Manches ist schon zur Wahrheit geworden. Damals hat man unsere Forderungen verlacht und hat die Männer, die unerschrockenen Mulhes sich zu dieser Parole bekannten, stigmatisirt. Lehmann war einer derer, die in den vordersten Reihen dafür kämpften und diese Forderungen zur Geltung und endlich zur Anerkennung gebracht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.