Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-04-24 · Heft 32 (24.4.1890) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 32 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448055--29891-2477643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

^T.v ''WWPPYFA--1 »y* - J; .. .-'^vy-jv »h," ^.-v^!1--‘ »ui / 576 Wahrheit werde. So gehe er nun dahin, unser großer, wackerer, getreuester Führer mit seinen nunmehr geschlossenen Händen. “I^n* 1U2^ icns wir dürfen erwarten, daß er uns ein warmer itPl’ p'bD fein werde, daß er vor Gottes Thron, vor dem er nun erscheint, ri&ypDl n^’ßn erheben werde, any* tO w6rui löy nN '"! tm n1? '2, daß Gott sein Volk nicht verlaßen, nicht vereinsamen laßen mögen, daß das “ij ’D UN mim niKD in seinem Geiste, in seinem Sinne weiter hochgehalten werde, daß es nie und nimmer verlösche in unseren Kreisen und in allen wahrhaft jüdischen Kreisen, -puo 'i uv 'rn npt> 'n jru 'i. VII. Dr. Mrrr. Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft, Darmstadt. Hochansehnl. Trauerversammlung! Es gilt jetzt, Abschied zu nehmen, von dem edlen, großen Mann, der, solange er als Rabbiner wirkte, in dieser Stadt hat gelebt, der 36 Jahre lang unerschrocken und unermüdlich eintrat für die heiligsten Interessen des Judenthums, für die heiligsten Güter der Menschheit. Vergegenwärtigen wir uns, liebe Brüder, wie es in unseren Kreisen aussah, als Dr. Lehmann vor 36 Jahren als Jüngling die Hochschule verließ, um hier in Mainz sein .min tmiN aufzuschlagen, sein bescheidenes Amt als Gotteslehrer anzutreten, vergegenwärtigen wir uns, — unsere Kinder haben ja davon keine Ahnung mehr — welcher religiöser Verfall und welche Verfahrenheit sich damals innerhalb des Judenthums breit gemacht hatte. — Lehmann war gesessen zu den Füßen großer Männer — uns ist das seltene Glück beschieden, den Lehrer, den edlen, theueren, in unserer Mitte zu haben, der ihm Leitstern geworden für sein thatenreiches Leben. Wenn wir heute an der Bahre dieses großen Mannes, dieses ganzen BDn dieses edlen Menschen weinen, wie mutz das Herz des Mannes bluten, der in ihm sich verjüngt sah, der das hinausricf, der das der Welt mittheilte, was der große Lehrer im stillen Freundeskreis gehegt, gepflegt und gelehrt hat. Mit welchem Stolz aber auch muß der greise Lehrer, den Gott uns bis zu 100 Jahren erhalten möge, mit welchem Stolze muß er erfüllt sein, den Nachruf eines seiner ersten Schüler cntgegenzunehmen. Welchen Stolz muß ihn erfüllen, sich sagen zu dürfen, das ist eine der Früchte, die ich gezeitigt, einer derer, die ich gelehrt, die ich begeistert, die ich hingeführt zu der Stätte, die nbj/D rby ist. Es hat vor 36 Jahren, m. Br. viele brave, wackere D’Din ’TC^n gegeben, es standen damals Viele an der Spitze, die jetzt fast alle heimgegangen sind, um in der Nähe des All-Vaters zu weilen. — Als der junge Lehmann in den Kreis seiner engeren Freunde trat, fand er in religiöser Beziehung eine Zerfahrenheit im Judenthum vor, die tief-traurig war, die einen jungen Mann fast verzweifeln ließ an der Gesundung und ihn kaum der Hoffnung Raum geben ließ, daß es je wieder besser werden könnte. Tenn viele, ja die meisten der bedeutenden Männer und hervorragenden jüd. Gelehrten, die es ehrlich mit dem Judenthum meinten, verstanden es nicht, das erlösende Wort hineinzutragen in die Hütten und Häuser, es hineinzutragen in die Herzen, das Wort, das die wankenden Brüder festigen und für das ewige, göttliche Gesetz, für nttmpn min, wieder begeistern könnte. Meine Brüder! Man hat einst gefragt und fragt noch: Was hat das Judenthum der Welt geliefert? Die Römer waren groß auf dem Gebiete der Politik, die Griechen hatten erleuchtete Denker und Künstler, zu deren Schöpfungen wir heute noch voll Bewunderung aufblicken und die germani-, sehen Völker zeichneten sich durch andere Fähigkeiten aus' die großen Erfindungen insbesondere auf dem Gebiete der Naturwissenschaft wurden von dieser Nation gemacht und ist letztere von ihr zur hohen Blüthe gebracht worden. Was hat man aber dem Judenthume zu verdanken? Rabbiner Dr. Lehmann hat in seinem Blatte, das er gegründet, licht und klar aller Welt die Antwort gegeben. In dieser Zeitschrift hat er seit 30 Jahren mit außerordentlicher Schärfe, mit seltener Hingabe und heiligem Eifer, mit großem Fleiße, mit offenem ManneSmuth und hinreißender Ueberzeugungskraft, mit einer Liebe und Treue, die alte Fahne der min entfaltet, und sie nicht nur seinen gesinnungstreuen Brüdern, er hat sie allen jüdischen Menschen vorangetragen, die Fahne, auf der geschrieben steht: 'ui nttfD QtsmttfN minn nNTi und weithinschallend gerufen: Das ist unsere That, das unsere Leistung, das ist unsere Errungenschaft, die Thora, die uns vom Sinai geleitet durch die Wüste, durch die Länder, durch die Zeiten, die Thora, die der ganzen Welt Tugend und Gesittung gelehrt, die die Menschheit erleuchtet und erwärmt hat für alles Gute, Wahre und Schöne. — Diese alte Thora, die unsere Ahnen empfingen, ist uns aus der Hand entnommen worden, sie muß wieder zu Ehren gebracht, wieder hochgehalten werden. Die Thora hatte sich flüchten, die Träger derselben hatten sich in die abgelegensten Räume zurückziehen müssen — in einer unserer Nachbarstädte war es soweit gekommen, daß die, welche unbehelligt NIE.} lernen wollten, sich auf die Speicher begeben mußten — und diese Thora, die ganze, nicht nur das ö Büchergesetz oder die 24 Bücher der hl. Schrift, sondern das ganze schriftliche und mündliche Gesetz, rief und schrieb Lehmann, muß wieder zu Ehren kommen. Auf diesem Boden muffen wir wieder die in Stücke gegangene Einheit und Einigkeit erstreben, und uns sammeln. n2 dpn mm war einst nicht nur unser Licht, das war die Sonne, die mit ihren tausend Strahlen die Welt beglückt und veredelt hat. Das war seine Parole, sein Kampfesruf. Wir reden an dieser Stätte des Friedens nichts von den schweren Kämpfen und Unbilden, die ihm und seinen Gesinnungsgenossen auferlegt waren, aber daß es ihnen gelungen ist, der ganzen Thora wieder eine Achtung gebietende Stellung zu erobern, all' überall im großen deutschen Vaterland, nein — draußen in allen Welttheilen, das ist mit eines seiner hohen, unsterblichen Verdienste. Als die Reformfluth hochging, da trat der junge Lehmann in die Bresche, da hat sich Lehmann auf den Wall gestellt und gerufen: 'ui nnDW *mprn mrim -mein?y. Auf die Mauern, auf die Schanzen! und hat für das Wort Gottes und dessen Erfüllung gekämpft und gestritten. Heute hat dieser Kampf ausgetobt, jetzt haben unsere Forderungen endlich Anerkennung gefunden und geschieden strebt jede Richtung ihren Zielen nach. Jetzt können wir friedlich neben einander leben. Aber damals hat man den Männern, die an der Spitze des gesetzestreuen Judenthums standen, den Vorwurf gemacht, daß sie das heiligste und edelste Gut der Menschheit nicht beachteten, den Frieden, die Eintracht zu Grabe trugen, die diesen schweren Vorwurf erhoben,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.