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Der Israelit · 1890-04-24 · Heft 32 (24.4.1890) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 32 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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574 Plan wird zerstört, ihr Wort nicht erfüllt, denn mit uns ist Gott!" Und, meine trauernden Brüder, mit uns wird Gott sein, wenn wir den Glauben bewahren und die Liebe nicht verlernen. Diese Liebe, ich meine die wohlthätige Menschenliebe, leuchtete hell hervor aus dem Charakter des Verstorbenen und sie vermag zur Nachahmung anzuregen. Wir wissen DHDD >7DU1 EEL'"2 B’JDm ü HEINE L" EEE'D (Ieb. 79 a), daß Israel an drei Tugenden erkannt werden soll, an der Barmherzigkeit, an züchtiger Biederkeit und an seinen wohlthätige» Werken. Unsere Weisen haben uns ein treffliches Wort in dieser Beziehung überliefert. Wir müssen diesem Worte voranschicken, daß das Gebot bestreuen Liebesdienstes mit dem Lichte verglichen ist (Mischle 6, 23) TIN mim niSD “U '2 und in der Thal ist das wahre Wohlthun, das Allen ohne Unterschied gilt, ein Licht, das in Gemüth und Haus dringt, die Herzen und Wohnungen erleuchtet. Tie Erwähnung eines solchen Lichtes finden wir in einer Midraschstelle: sMidr. r. Bereschit sect. 20) imiro UN nunD mm 1NBE TNE En 7L'. In dem Thoraeremplare des R. Meir sei das Wort TN in der Schristftelle st. B. Mos. 3, 21) Ctm'?'! Tiy m:m . . . mit Alef und nicht mit Ajin geschrieben gewesen, Gott habe demnach die ersten Menschen nicht mit Kleidern von Fellen bekleidet, sondern mit dem Gewände des Lichts, mit jenen lichtvollen Tugenden, die den Menschen erst zum Menschen machen, mü jenem Lichte, das wir Mizwa, im engern Sinne Wohlthun nennen. In der Thora dieses R. Meir stand auch geschrieben, das Licht der ewig strahlenden Tugenden des Wohlthuns und der Menschenliebe zu pflegen und zu verbreiteu. Ich brauche zur Bestätigung dessen nur zu erwähnen, dast der Verstorbene aus eigenen Kräften Gutes gcthan und Andere zum Wohlthun angeregt hat, dast er mit Mühe und unter Tpfern Kranke besucht, Arme unterstützt, in engern und weirern Kreisen Gaben seiner Milde ausgestreut, dast er die Gefangenen ermahnt und getröstet, Schmerzen gemindert und Weh gelindert hat jeder Zeit. Das, in Trauer Versammelte, darf uns allen aus seinem Wesen und Charakter bleiben, in dieser Liebe sind wir alle einig. O sehet, von Ferne, von dem kleinen Zahlbach schauen die Reste vergangener Herrlichkeit zu uns herüber, die Ruinen eines einstigen mächtigen Kulturlebens. Da geht vor unfern Augen die Welt des klassischen Alterthums auf, vor unserer Leele ersteht das Länder umfassende, Welt bezwingende, Gesetze vorschreibende Rom und wir erinnern uns, dast diese Macht uns hinausgetriebcu hat in alle Welt, hinausgestoßen in Schmach und Elend. Gott hat uns geschützt und erhalten. Dort ist der Tod und hier ist das Leben — und wenn wir auch einen lieben Mann dem Erdenschoße übergeben, wir wissen, dast das Werk des Friedens in unserem Mainz, die Liebe, welche uns alle eint, ihn überdauern und in Israel, für welches er lebte und wirkte, ewig bleiben werden. Und nun, Tu theurer Entschlafener, Dl7t£G V ziehe hin in Frieden, Gott der Herr gebe Dir in seiner Gnade Ruhe und Seligkeit. Amen! VI. Dr. Dt tuet. Rabb. der isr. Religionsgesellschaft, Frankfurt a. M. E’Eti'H Di’2 vn. Und es war am 8. Tage. Hierzu bemerken unsere Weisen: N7N E'N 'H"> "112NIL' OpE 72 ms Wo in der heiligen Schrift der Ausdruck TV! vorkommt, bedeutet dies ein Unglück. Im vorigen Wochenabschuitte heißt es: Np "iyiE 7DN nnSEl □’E’ njn&7 iNBn Entfernt Euch nicht vottl Heiligthume 7 Tage. Moscheh sagte zu Aharon und seinen Kindern: O22 y\r N7L' -y D’E’ njDfc' rn7'2N notf halte Schiwoh, ehe Euch das Unglück trifft, gleich wieGott gleichsam Schiwo gehalten, ehe er die Sündfluth brachte. Hy'2L' n2"pn 7ELS' -pt£' ny2tr7 evi tenjp 7i2En hn n'eh n?e' iy ni7’3N d’E’ piNH by rn 7iEE.T ’ci D'C'n. Wenn ein einzelner Mensch, meint die Weisheit unserer Weisen, aus den Kreisen des irdischen Daseins hinausgeht, so beginnt die wahrhaft wehmüthige Trauer um den Verlust des Dahingeschiedenen erst mit dem Tage an dem die traurige Thatsache sich vollzieht. Rur die vollendete traurige Thatsache, dast ein theures Menschenleben dahingegaugeu, vermag die wahrhafte Trauer zu wecken und die folgenden 7 Tage zu wahrhaft betrübenden ni72N •'E" zu gestalten. Wenn aber der Verlust ein Verlust der Gesammtheit ist, wenn der Gesammthcit ein Verlust bevorsteht, der sie in allen Gliedern aufs schmerzlichste trifft, wenn der Gesammtheit 7“2En 'E droht, dann ist schon die Vorahnung eines solchen bevorstehenden, traurigen Ereignisses, so wahrhaft erschütternd, dast die tiefste Trauer in die Gemüther einkehrt, noch ehe die traurige Thatsache sich vollzieht.?si7NT 7y vn PiEEn ’ei d'eti nyEE’7 ’m Gott hält gleichsam Schiwoh noch ehe das Unglück kommt. Dasselbe gilt auch in Bezug auf einzelne Männer' die in geistiger und sittlicher Beziehung das unschätzbare Eigenthum ihrer Mitwelt waren. Wenn Männer, wie Radab und Abihu dem Leben entrissen werden, deren Wirken und Streben sich weit über die stillen Räume des Einzellebens hinausstreckte und in deren Dasein das Wohl ihrer Mitwelt lag, wenn solche Männer ans dem Leben scheiden, dann sind die m7’2N 'E' nynttf bereits angebrochen, noch ehe die traurige Thatsache sich vollzieht, dann wirkt schon die Ahnung und das Vorgefühl, daß ein solch allgemeiner Verlust im Anzuge ist lies ergreifend und erschütternd ein, und wenn das AUertraurigste sich vollzieht, dann wird nicht mit dem Todestage der erste Tag der Trauer gezählt, sondern E'Eu7n DV2 ’m, ach, es ist schon der 8. Tag dem 7. Tage ni7'2N bereits vorangegangen sind. Einen solchen ähnlichen traurigen Fall, meine trauernden Brüder, haben wir auch heute zu beklagen. TEKTI Qi’2 ’m Wenn in unserer Zeit, in der die wahrhaften 2'p'lL Q’E2n ’TE7m so spärlich zu finden find, und der Mann so selten ist, der ein offenes, freies Wort für die Wahrheit zu sprechen und für die Erhaltung derselben seine ganze Thatkraft einzusetzen wagt, ein Mann, wie Rabbiner Tr. L. dahingeht, der durch die Rechtschaffenheit seines Charakters, durch die Biederkeit seiner Gesinnung, durch die Reinheit und Güte seines Herzens, durch die Erleuchtung seines Geistes unter Allen sich ausgezeichnet, der als E2n T’Dpn, als Schüler der altjüdischen Weisheit dagestanden, und das Verständnitz hatte, für das eigentlich Rechte und Wahre mit allen Kräften und aller Energie einzutreten, wenn, trauernde Brüder, in solcher Zeit ein solcher Mann dahingeht, dann ist der Verlust so groß, so unersetzlich groß, daß schon die Vorahnung, das Vorgefühl eines solch traurigen Ereignisses mächtig ergreifend und tieferschütternd einwirken muß. Und wenn das Allertraurigste sich vollzieht und ein solch

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