Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 32 (24.4.1890)
- Date
- 1890-04-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. (>tfc BrilllgeM^32i>es„Israeli^L„IeschurM^ Stenographischer Bericht der an der Bahre Dr. Lehman n s y'^r gehaltenen Reden V. Dr. Katfetd, Rabbiner der isr. (Reform-) Gemeinde, Mainz. In Trauer Versammelte! Im Aufträge des verehrlichen Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde, als deren geistlicher Führer ich hier erschienen bin, um einem thenern Manne die letzte Ehre zu erweisen, und dem Drange meines Herzens folgend, .will ich an dieser Stätte des Friedens, hier, wo mpn nriD1? TOy pQp das Thal der Betrüblich ein Thor zu seliger Hoffnung wird, der tiefempfundenen Rede eines hochverehrten Lehrers, welcher den Heimgang seines lieben Schülers beklagt hat, einen kurzen, schlichten Scheidegrutz anreihen. Ich will dem Ausdruck geben, was uns alle ohne Unterschied, soweit auch die religiösen Anschauungen auseinandergehen, schmerzlich bewegt. Von jeher ist es ein bezeichnendes Merkmal jüdischer Gelehrsamkeit gewesen, dem Zuge echter Wissenschaft zu folgen und wahres Verdienst selbstlos anzuerkennen. So hat einst R. Josua der Stellung des R. Gamliel volle Gerechtigkeit widerfahren lassen und den hohen Zielen gemeinschaftlichen Strebens sein Wirken nicht entzogen. Auch ich will diesem alten Grundsätze nicht untreu werden und hier zur Ehre des Todten und zur Lehre den Ueberlebenden dasjenige hervorheben, was uns geeint hat in den Werken jüdischen Glaubens und jüdischer Liebe, was uns verbunden hat zu Werken reinen Menschenthums. In dieser altehrwürdigen Gemeinde Mainz, auf diesem klassischen Boden, diesem tsmp DD“1N, auf dem wir stehen, hier, wo schon bei Urbeginn des deutschen Geschichtslebens ein jüdisches Gemeinwesen sich ordnete, wo von der Leuchte der Verbannten, dem n^un "UND, das Licht über das ganze Abendland sich ergoß, wo Dichter in den Klängen Zions das Lob des Höchsten begeistert verkündeten, hier, wo der Boden getränkt ist mit dem Blute der Märtyrer, benetzt mit Thränen, die Leid und Elend erpreßt hatten, hier in unserm Mainz wirkt der Friede erhaltend und belebend,^ schlingt das Band der Eintracht sich um alle Bekenner jüd. Glaubens, ja um alle Menschen. Und fragen wir, worin liegt der Grund dieses Friedens, woher quillt die beglückende Eintracht, die erhalt und aufbaut, der es zu danken ist, daß in der israelitischen Gemeinde die heiligen Institutionen neu erstanden sind, gepflegt und gefördert werden, so müssen wir uns sagen, daß in den Führern allen — und gewiß auch in dem Verklärten! — der Gedanke lebte, treu zu erfüllen das Wort des königlichen Sängers (Ps. 133, 1) rütf D’yj ilöl D'D HD rm IN' DJ DTIN „Wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder — und das gilt doch zuerst für die Amtsbrüder, welche Anderen Lehrer, Vorbild und Muster sein sollen — friedlich nebeneinander weilen!" Ja, ich gedenke gern des friedlichen und freundschaftlichen Verkehrs, der mich während meiner zehnjährigen Amtsthätigkeit als Rabbiner dieser Gemeinde mit dem Entschlafenen verband, seines leutseligen und heiteren Wesens, seines Interesses für alle rein menschlichen und wiffenschaftlichen Bestrebungen/ In unserem Verkehr — das darf ich hier bezeugen — ist niemals hervorgetreten, was die Menschen trennt, sondern zum Segen der Gemeinde betont und gepflegt worden, was sie eint und verbindet. Und einig waren wir, wenn es galt, den Frieden der Gemeinde zu erhalten, für Israels Sicherheit und Ehre mannhaft cinzutreten und Liebeswerke zu üben. Unsere Alten haben uns in Anlehnung an den für diese Woche bestimmten Thoraabschnitt berichtet, daß einst bei Mose Zweifel aufstiegen, wer eigentlich zu dem hohen Dienste im Heiligthum berufen sei, er oder sein Bruder Ahron. Diese Zweifel legten sich bald, — sie fühlten, sie erfuhren es, daß sie beide berufen und erwählt seien zu den Werken des Glaubens und der Liebe: jeder auf seinem Posten zu stehen, fest und unerschütterlich. — So hat auch der Verstorbene ein gleiches Ziel mit mir angestrebt: das alte ehrwürdige Erbe der Väter, das Judenthum, zu erhalten, zu schützen, zu heben. O, die Himmelsstimme, die einstmals über dem Streit der Meinungen ertönte, um den Gelehrten den Weg zur Vereinigung zu zeigen, das?lp rn welches rief: p D"ll DVUn ’*m uni Un (jer. Sota III). „Diese sowie jene Lehren sind Worte des lebendigen Gottes" haben auch wir gehört, hat auch der Verklärte, der meinen Bestrebungen, sofern sie seinem Sinne entsprachen, gern die volle Anerkennung widerfahren ließ und in welchem dahingeht ein würdiges Mitglied einer hochgeachteten Mainzer Familie, welche von jeher wetteiferte in allen religiösen und bürgerlichen Tugenden, ein hingebender Gatte, ein treuer Vater, ein edler, hilfreicher, guter Mensch, ein unermüdlicher Lehrer Israels, vernommen. Ja, diese Stimme hat jederzeit in uns gelebt und uns das höchste Gut einer Gemeinde, den Frieden und die Eintracht zu erhalten gelehrt. Wir schätzten ferner an dem Verstorbenen den Mannesmuth, die Unerschrockenheit, den Eifer, mit welchen er in unseren Tagen, da man aus dem Arsenale der Vorurtheile die Waffen zum Haß hervorgeholt hat gegen die Feinde aufgetreten ist. Muß nicht Jeder, der Herz hat für Wahrheit und Recht, Liebe hat zur Sache Israels und der Menschheit, bekennen, daß dieser Kampf unerschrocken und unermüdlich geführt wurde? Wohl weiß ich, daß sein Herz sehr betrübt war, wenn Menschen der Mahnung des Propheten vergessen konnten (Mal. 2, 10): U7D7 “IHN 3N N'pn 'Dl 1TIN3 “1JDJ J?HD 1JN"0 "HIN 7N „Haben wir nicht alle einen Vater, hat nicht ein Gott uns geschaffen, warum sollen wir lieblos handeln einer gegen den andern!" — aber ich weiß auch, daß er, wie jeder von uns, die Zuversicht nicht verlor, die hervorleuchtet aus den heiligen Urkunden (Jes. 8, 10) o Dip’ N7i *m nzn ism nsy *.sy UDy „Mögen sie des Rathes pflegen gegen uns, Reden wider uns Hallen, die schlimmsten und gehässigsten, ihr