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Der Israelit · 1890-04-24 · Heft 32 (24.4.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 32 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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561 Der Feier entsprechende, von Hr. Dr. Schiffer sorgfältig ausgewählte und mit großer Mühe eingeübte Gedichte wurden von den besten Schülern und Schülerinnen recht gefühl- und verständuißvoll unter großem Beifall der Zuhörer vorgetragen. Darauf sprach Herr Dr. Schiffer den Eltern der Zöglinge innigen Dank für die treue Mitwirkung bei Anbau des Weinberges unseres Gottes mit der Bitte ans, auch ferner ihre Kinder zum fleißigen Schulbesuch und zum Bethätigen des hier Erlernten im Haus anzuhalten. — Am Schluffe wurden die Zeugnisse ausgctheilt. Möge die Glaubenssaat der Gesetzesbürgcn, unserer Kinder, zum Weltenheile gedeihen! idn. Ratibor, 13. April. Der Vorstand, die Schulkommiffion und das Rabbinat der hiesigen israelitischen Gemeinde versenden ein Circular, welches eine Reorganisation des jüdischen Religionsunterrichtes ankündigt. Danach soll neben dem offiziellen Unterricht in Geschichte, Literatur und Religionslehre an den höheren Anstalten ein besonderer hebräischer Unterricht am Sonntag Vormittag für die Gymnasiasten und Realprogymnasiasten bis zur Untersekunda sowie für die Schülerinnen der beiden höheren Töchterschulen begründet werden. Der Unterricht wird in verschiedenen Knaben und Mädchenabtheilungen im Realprogymnasium und zwar vom Rabbinner, den Lehrern und einer staatlich geprüften Lehrerin ertheilt und erstreckt sich vorläufig auf hebräisch Lesen, hebr. Gramatik, Gebete und Pentateuch. Die Ertheilung des Unterrichtes ist unentgeltlich; Ostern findet alljährlich eine öffentliche Prüfung statt. Ferner kündigt das Circular die Einführung von Jugendgotte sdiensten am Sabbat Nachmittag an. Herr Rabbiner Dr. Blumenthal wird die Primaner und Obersekundaner zu Privatzirke ln auf seinem Zimmer einmal in der Woche vereinigen und vor den der Schule entwachsenen jungen Damen geschichtliche und religiöse Vorträge belehrenden Charakters in der Synagoge am Sonnabend Nachmittag halten. Das Cirkular schließt mit der Hoffnung, daß mit der Ausführung dieser Beschlüsse das erstrebenswerthe Ziel angebahnt werden würde, eine mit religiösem Wissen und moderner Bildung ausgerüstete Jugeud einst in das Leben zu entlassen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 9. April. Der Pöbel hat gestern in Lercheufeld und Ottakring das Recht mit Füßen getreten. In ganz Wien herrscht das Gefühl der tiefsten Beschämung, nicht allein über die That, sondern auch über die ernsten Fehler, durch welche es möglich geworden ist, daß die Hauptstadt des Reiches durch Raub und Brandstiftung befleckt wurde. Die Plünderung von Kaufleuten, deren einziges Verbrechen darin besteht, daß sie dürftige Juden sind, konnte von der Polizei nicht verhindert werden, sie mußte dulden, daß Läden erbrochen, Fenster zertrümmert, Frauen verwundet wurden. Die Plünderung ist leider eine Spezialität von Wien geworden. Die Kutscher der Pferdebahn strikten, und in Hernals wurden die Läden der Juden demolirt. Die Maurer führen ein Lohnkampf, und in Lerchenfeld werden die Juden beraubt. Es ist auch kein Zufall, daß jede soziale Bewegung in Wien diese widrigen Erscheinungen herbeiführt. Einst war das Volk in Wien bis in die untersten Schichten durch seine fröhliche Gutmüthigkeit und seine Liebeswürdigkeit berühmt. Diese Aendcrung hat der Antisemitismus verschuldet. Mau klage nicht die Noth an, welche auch früher in Wien nicht fremd war und leider überall in Europa eine Stätte findet. Die Ursache dieser geistigen Verrohung liegt im Antisemitismus, dessen offene und heimliche Protectoren, dessen laute und stille Führer die einzigen und wahren Urheber der Plünderungen sind. Die elenden Verführten, die gestern der Leidenschaft nach fremdem Besitz gehorcht haben, werden im Kerker schmachten, aber die wahren Brandstifter, welche täglich in den Vereinen Hetzen und schüren, welche den Glauben verbreiten, das Reich werde von den Juden ausgesaugt, die jeden Juden als Betrüger schildern, welche das Verhältniß zwischen den Classen der Gesellschaft vergiften, die verständlich genug deu Raub als gerechte Sühne für erlittenes Unrecht schildern, diese wahren und im moralischen Sinne einzigen Schuldigen werden frei umhergehen, heuchlerisch die Augen verdrehen und ihr frevelhaftes Werk fortsetzen. Täglich hört das Volk, der Jude verdanke jeden Gulden dem Schwindel, es fehle dem Juden jede sittliche Ucberzeugung; der Jude sei unablässig bemüht, sein Vermögen durch unerlaubte Mittel zu vermehren und es müsse eine Stunde der Rache schlagen. Solche Worte und Andeutungen fallen wie brennender Zunder ins Gemüth, und in Zeiten der Erregung wird der Versuch gemacht, die Vertheilung der Güter in den Läden der Juden zu erproben. Die Schnapsschänker, welche sich vor der Plünderung retten wollten, schrieben au ihre Gewölbethür: Christlicher Brannntweiuladeu! Diese naive Erklärung läßt den bodenlosen Abgrund erkennen, welcher durch den Antisemitismus entstanden ist. Man rechnet

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