Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 32 (24.4.1890)
- Date
- 1890-04-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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559 Mitteln oder aus denen einer Aktiengesellschaft bestreiten würde, wahrlich, wir hätten dieserhalb nicht einmal einen Tropfen Tinte verschwendet. Hier aber handelt es sich um eine Anstalt, die von zwei israel. Gesellschaften reich dotirt ist, von Gesellschaften, deren Einnahmen von den Mitgliederbeiträgen edler, wohlthätiger Glaubensgenossen aus dem weiten Erdenrund herrühren, welche in der guten Absicht, ihr Scherflein zur Besserstellung und Erhebung ihrer armen und bedrängten Glaubensbrüder im Orient ihre Beiträge diesen Gesellschaften in dem guten Glauben anvertrauen, daß diese auch zu diesem Zwecke in gerechter Weise verwendet werden und nicht dazu, die Industrie-Erzeugnisse derart zu verbilligen, daß die selbstständigen Handwerker bei diesen Preisen nicht mehr exiftiren können. Wir glauben nicht zuviel zu sagen, wenn wir behaupten, daß auch nicht ein Einziger dieser Tausenden von Mitgliedern es billigt, daß man ihr Geld für die Erziehung der Jugend in einer Weise verwendet, durch die ältere Männer mit ihren Frauen und Kindern dem Hungertode entgegengeführt werden. Daß die technische Schule, deren Wichtigkeit für die Heranwachsende Jugend wir nicht verkennen, aufgegeben werde, verlangen wir nicht; was wir fordern, ist, daß man mit dem in derselben eingeführten Schleudersystem breche, langsam und vorsichtig, entsprechend den vorhandenen Mitteln mit der Ausbildung der Handwcrkslehrlinge vorangehe, daß man, wie man zu sagen pflegt, lebe und leben lasse. Ebenso liegt es uns ganz ferne, der „All. isr." und der „Angl. Jew. Assoc.", deren einflußreiche, großartige und segensreiche Wirksamkeit wir voll und ganz anerkennen und deren Bestrebungen wir stets unterstützten, irgendwie schaden zu wollen; unsere an dieselben gerichteten Mahnworte bezwecken weiter nichts, als daß sie den einmal begangenen Fehler des Direktors Behar baldmöglichst wieder gut machen. Bei ihren großen und guten Verbindungen in allen Ländern der Erde kann es diesen Gesellschaften nicht schwer fallen, die Erzeugnisse der genannten Anstalt für den Export nutzbar zu machen. Wir bedauern, daß wir den Namen des Herrn Behar nennen mußten, dem wir übrigens keine böse Absicht, sondern nur übergroßen Eifer zum Vorwurfe machen, und geben uns der Erwartung fhin, unfern geehrten Lesern bald die freudige Mittheilung machen zu können, daß man unseren gerechten Forderungen und Rathschlägen nachgekommen ist.!d'^vt »jtna ronpi -frn Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 23. April. Gestern Nachmittag 6 Uhr fand in der Synagoge der isr. Religionsgesellschaft der bereits in voriger Nummer von uns angezeigte Trauergottesdienst (nson) für Herrn Rabbiner Dr. Lehmann y'xr statt. Voll Wehmuth und tiefinniger Trauer betraten wir das schwarz drapirte und in allen seinen Räumen von Mitgliedern der Religionsgesellschast (Männern und Frauen), der Religionsgemeinde, nichtjüdischen Mitbürgern und Fremden und Verehrern des Verstorbenen aus den Nachbarstädten gefüllte Gotteshaus, um von der Stätte, wo wir so oft den geistreichen und begeisternden Worten unseres Rabbiners, wty p’ irror, seinen ernsten Ermahnungen und liebevollen Ermunterungen gelauscht, einen Nachruf über sein Leben und Wirken zu vernehmen. Die beiden Redner, die Herren Dr. Sänger, Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft, Bingen, einer der ältesten Schüler des Dahingeschiedenen und langjähriger treuer Mitarbeiter am „Israelit" und Rabbiner Dr. I. M. B o nd i, Wien, Neffe vr. Lehmanns y% waren durch ihre persönlichen Beziehungen zu dem Verstorbenen in der Lage, nicht nur von vr. Lehmanns großer Wirksamkeit für das Gesammtjudenthum, sondern auch von seinen bedeutenden Leistungen in der Religionsgesellschast ein treues Bild zu geben, und dieser Ausgabe wurden beide Herren in einer Weise gerecht, welche ihres tiefsten Eindrucks nicht verfehlte. Man merkte es den Rednern an, daß ihre tiefempfundenen Worte der Begeisterung und der Trauer das Resultat ihrer eignen Anschauungen und eignen Erlebnissen und sie sich auch bewußt waren, vor einer Zuhörerschaft zu sprechen, die competent ist, diese Worte auf ihren wahren Grund zu prüfen und zu beurtheilen, weil auch sie das von den Rednern Geschilderte miterlebt und mitangesehen hat. Und wahrlich, die Herren vvr. Sänger und Bondi haben nicht zu viel gesagt; sie haben mit ihren Reden den Mitgliedern der Religionsgesellschaft, welche von dem überaus großen und schmerzlichen Verlust ihres Rabbiners durchdrungen sind, aus dem Herzen gesprochen; das bezeugten die Thränen, die so reichlich stoffen, davon gaben der Ernst und die Trauer der Anwesenden Kunde. Wir versagen uns, die Reden der beiden Herren Rabbinen auch nur im Auszuge zu geben, weil