Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1890)
- Date
- 1890-04-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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554 hole es hier, ich will ihn halten, ich will in seinen Wegen wandeln. Schwer haben wir gesündigt, daß er uns so früh entrissen wurde, aber geloben wir hier an seiner Bahre, nicht mehr fortzufahren auf dem sündhaften Wege, besser zu werden und den wahren Fortschritt in der Rückkehr zu Gott zu suchen. Und wie Joseph sich in entscheidenden Augenblicken stets die Gestalt seines greisen Vaters vergegenwärtigte, werde ich bei allen, was ich in Zukunft thun werde, fragen: Wie würde mein theurer Vater dies ausgeführt haben: Dein holdes Antlitz soll mir vorschweben immer und ewig, und hoffe ich auf Deine Gnade o Gott. Jenseits des Grabes gibt es ja ein Wiedersehen'. II. Dr. IMS KkhwSN«, zweiter und jüngster Sohn des Verblichenen, Mitarbeiter unseres Blattes. ’D □'ix p iran o ipun no. „Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest und der Erdensohn, daß Du Dich seiner annimmst? Nicht dir, theurer Vater, rufe ich diese Worte zu, du gehörst nicht mehr zu den Menschen, du schwebst schon, ein verklärter Geist, in den himmlischen Höhen, erhaben über alle irdischen Dinge. Hast du doch schon während deiner Lebzeiten dich bestrebt, über die kleinlichen Verhältnisse des menschlichen Eigennutzes zu steigen und dir einen Charakter herausznbllden von solcher Reinheit und Idealität, wie ihn zu besitzen, es dir gelungen ist. Wie der Geist des Edelmuthes wandeltest du auf den Gefilden der Erde. Du wolltest der Menschheit im Großen dienen dadurch, daß du das auserwählte Volk Gottes zu dem Ziele und zu dem Zwecke hinzuführen suchtest, der ihm von Urbeginn bestimmt war, zu dem Dienste unseres, des einzigen, des ewigen, des wahren Gottes. Tie Weisen sagen, daß Israel die Säule der Welt sei; das orthodoxe Judenthum stützt die Welt, als der Hauptrepräsentant des echt religiösen Sinnes. Nur der Glaube kann wahrhaft glücklich machen, nehmt die Religion fort und Ihr habt den Nihilismus, brechet diese Säule der Welt, und sie stürzt in das Nichts zusammen. Diese Säule zu befestigen war der Inhalt deines Daseins, der Urquell deiner Handlungen war die Liebe, die Liebe zu Gott und zu den Menschen. Tu hast es bewiesen und vorbildlich dargethan, daß eines der höchsten Gebote unseres Gottes „Nächstenliebe" heißt, du hast cs gezeigt, daß unsere Religion eine Religion der Liebe ist. Ta war kein Hilfsbedürftiger, der sich an dich wandte, ohne daß du ihm nicht mit aller Kraft beigestanden. Ob arm, ob reich, vornehm oder gering, die Sache des Bittenden war die deine, du setztest Alles für sie ein. Und wenn sich einmal Jemand vergeffen hatte und deine Liebe mit Undank lohnte, was thatest du dann? Du vergaltst es ihm durch gedoppelte Liebe! Oft hast du es gesagt: „Er muß doch noch cinsehen, wie gut ich es mit ihm meine!" Darum gab es Keinen, der dich kannte und dessen Herz dir nicht freundlich entgegen schlug. Deshalb auch weinen sie Alle um dich, nah' und fern, deshalb mischen sich die Thränen der Fremden jetzt mit des Himmels Regen, deshalb widerhallt die Luft von den Seufzern derer, die dir nicht nahegestanden, die deine Güte, deinen Edelmuth, deine Liebe nur aus der Ferne sehen konnten. O Gott, wenn s i e jammern, wenn die Fremden wehklagen, was sollen wir thun, was wir beginnen, wir, deine Kinder? Wir, für die dein treues Herz so glühend empfand, die du geliebt mit so unendlicher Liebe, wir, die du erzogen mit einer Aufopferung, einer Hingabe und Selbstverleugnung, wie sie beispiellos ist, wir, denen du stets bestrebt warst, nur Freude zu bereiten? Und nun gehst du dahin und läßest aus uns lasten die ganze, ungeheure Schuld der Dankbarkeit und wir können dir Nichts abtragen, dir Nichts vergelten, können dir nie, nie mehr irgend etwas Gutes thun. Ach, jubelte ich, wenn ich dir irgend ein Vergnügen machen konnte, wie fragte ich mich bei Allem, was ich thun wollte: was wird wohl mein geliebter Pater dazu sagen? Das erst stempelte mir Etwas zum Glücke, daß du dich darüber freutest, das war für mich Wonne, was dir gefiel, und was du nicht guthießest, konnte auch mir nicht mehr gefallen. Nun kann kein Stempel der Freude mehr aufgedrückt werden, da du dich nicht mit uns freuest. Da du nicht mehr bei uns bist, gibt es auch für uns kein wahres Glück, keine innige Freude mehr, sie ist mit dir vorweggenommen, mit dir sinkt Alles in das Grab. Und weitn mein Blick in die öde und traurige Zukunft sieht, da faßt mich Verzweiflung an, da ruft die gepreßte Seele aus: ’jro*y ns1? ’Ttf ''TN „Gott, Gott, warum hast Du mich verlassen?" Warum hast du mir den Kern meines Lebens geraubt, warum die Krone meines Daseins zerschmettert, warum mit allen Wurzeln mich herausgerissen aus den Sonnengefilden dieser Erde? Aber was sind wir Menschen, was dürfen wir fordern, was fragen oder bitten? D"IN p Iran ’D rra U“!psn Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest und der Erdensohn, daß Du Dich seiner annimmst? Es war bestimmt in Deinem weisen Plane, wonach Du die Welt regierst, daß er abberufen werden mutzte in den Himmel, Dein Herrschergebot befahl, und Du konntest keine Rücksicht nehmen auf das Elend und den namenlosen Schmerz derer denen dieses Kleinod hinweggenommen wurde. Vater, heißgeliebter Vater, ich muß jetzt Abschied nehmen von dir; ich will es thun mit den Worten, die du vor