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Der Israelit · 1890-04-21 · Heft 31 (21.4.1890) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 31 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Extra- BeilageM^rZlües„IsraeliEL„Ieschurun Stenographischer Bericht der an der Bahre Dr. Lehman n s gehaltenen Reden. I. gm ©stnt lcl|inann, der älteste Sohn des Verblichenen und langjähriger Mitarbeiter am „Israelit", eröffnete die Reihen der Trauerreden mit folgenden Worten: Mein geliebter, theurer Vater! So ist es denn wirklich umfK, daß ich Deine weisen Worte nicht mehr hören darf? Dnrs ich Dich in wichtigen Angelegenheiten nicht mehr nin Rath fragen? Wirst Ttl Deine Hände nicht mehr segnend ans mein Haupt legen? Tn gnter Vater! bist Du wirklich sortgenoinmen von mir? Ich kann es nicht fassen, nicht tragen, ich möchte weinen, weinen, bis das; das Herz mir bricht! W e e h r t e D r a n e r V e r s a m m l n n g! Was mein dahingegangencr Vater für das Indeitlhuin geleistet, besonders für das gesetzeStrene, das ist nicht meine Anigabe hier zu schildern. ES ist auch nicht meine Aufgabe, seine umfassende Thätigkeit in (Gemeinde, in Schule, in Bezug ans Wohlthätigkeit uttb aitdere hohe Dinge darzulegen. Sein Wirken wird der Geschichte angehören. Er wird nicht vergessen werden, so lange Juden ans dem Erdboden leben. Ter Name vr. Lehmann wird immer bekaitnt sein. WaS ich hier sagen will, ist nur das, was er uns ^gewesen ist, seiner Familie, meiner theueren Mutter, meinen geliebten Geschwistern und mir. Ihr, meine Thenren, Ihr habt ihn gekannt ans seinen Reden von der .stanzcl, Ihr habt ihn gekannt aus seinen Vorträgen im Lehrhanse, Ihr werdet ihn ewig kennen, ans seinen Werken, ans seinen Schriften. Uns aber war es vergönnt mit ihm tagtäglich UMZllgehen, und selbst im intimsten Verkehr in ihm den bedeutenden Mann zil erkennen, die herrlichen Worte, die er mir bei Tisch und ans Spaziergängen mitgetheilt, sie werden immer in mir nachklingcn; so manche wundervolle Thoracrklärnngen, so manche geistsprnhende Auslegung dunkler Stellen, ans seinem Munde ich werde sie nie vergessen, niemals. D, wie war uns so wohl in seiner Nähe, wie war die Freud e, wenn er sie mit uns theilte, erste eine Rechte, wie wurde der Schmerz gelindert, wenn wir ihn an seiner Brustausweinen konnten. Er war kein Gatte und Vater im gewöhnlichen Sin ne, der glaubte seiner Pflicht zu genügen, wenn er die Familie ernährt, das engste und edelste Frenndschaftsverhältnih, getrageit von einer idealen Liebe, verband ihn mit den Gliedern seiner Familie und der regste Ideenaustausch, der keine Frage und kein Gebiet unberührt lätzt, fand fortwährend zwischen ihm und seinen Söhnen statt. Und weil wir einen solchen Vater, weil meine Mutter einen solchen Gatten verloren, darum weine ich, desthalb klage ich, darum zerraufe ich mein Haar in bitterstem Schmerze! Unsere Weisen fragen, warum wurde Joseph, der Vicekönig von Egypten, früher weggcnommen, als alle seine Brüder? Warum mutzte er früher sterben? Und sie antworten darauf: Die Geschäfte der Regierung haben ihn so früh dahin gerafft. Ja, .stönig sein ist schwer. Und auch dieser Geistesfürst in Israel dieser \j2 bli* p"i dieser “rnj* 12' dieser Leyrer der ganzen Dispora, auch ihn haben die Geschäfte, die geistigen Anstrengungen anfgeriebeu, auch er, auf den ich von großen Männern den Spruch anwcndeu hörte NTTi NIE1? pn* ,J mutzte in seinem blühenden Alter ins Grab sinken. Mit braunem Lockenhanpr, das kaum von einigen Silbersäden durchzogen, mutz er in die Gruft steigen. Die Junge, von welcher so herrliche Reden geströmt sind, die Zunge, die so wunderbar zu sprechen verstand, sie mutz jetzt den Staub küssen. Die Hand, die so grotzarlig geschrieben, sie ist erschlafft, sie wird nicht mehr schreiben. Wie einst Joseph von seinein Vater beschworen wurde, seine Gebeine nicht in Egypten zu begraben, sondern in dem Lande seiner Sehnsucht, in Palästina, so har auch mein thencrer Vater mir einen Schwur anfgetragen, kurz vor seinem Scheiden, der auch auf das heilige Land Bezug hat: „Bitte, lieber Dscar, vergiß nicht . . ., versprich mir die Sammlungen für das heil. Land genau in der Weife fortzusetzen, wie ich sie leitete, und da sagte ich: „Papa, ich verspreche es Dir" und da hat er gesagt: „Sprich mir nach" und ich sprach ihm nach : „Ich verspreche cs Dir?22 '22??22 b?2' 'V2j. *) Und dieser Schwur, den er mir anfgetragen, ich wieder- *) Im Sinne des edlen Verstorbenen und in unserm eignen werdeil wir vor wie nach die Sammlungen für die Armen d. h. Landes und andere wohlthätige Zwecke fortsetzen, und richten an unsere geehrte Leserwelt die ergebenste Bitte in der Einsendung von Spenden nicht nachzulassen. Alle Zionsfreunde werden hierdurch Herrn Dr. Lehmann p"Lf ein ihn am meisten ehrendes Denkmal fetzen. Tie Redaction des „Jsr. und Iefch."

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