Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1890)
- Date
- 1890-04-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448054--29859-2477610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXI. Jahrgang. Beilage zu M 31 -w „Israelit " & „Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correfpondenzeu. Deutschland. Berlin. Der außerordentliche Professor der Geschichte an der Friedrich Wilhelms-Universität, Herr Dr. Breslau, ist nach Straßburg als ordentlicher Professor berufen worden, nachdem er schon öfters von der hiesigen Fakultät zur ordentlichen Professur vorgeschlagen war und seine Ernennung aus konfessionellen Rücksichten auf Widerstand gestoßen war. Professor Breslau wurde im Jahre 1877 zum außerordentlichen Professor ernannt. Besonders werthvoll sind seine Mitarbeiten an den Monum historiae germanicae, an der Allgemeinen deutschen Biographie und an den von dem Herrn Dr. Jastrow geleiteten Jahresberichten der Geschichtswissenschaften. In jüngster Zeit hat er sich durch seine Arbeiten in der vor einigen Jahren gegründeten Commission zur Geschichte der Juden hervorgcthan. — Diese Ernennung ist die beste Antwort auf die Aeußerung des Hofpredigers Stöcker in der letzten Lantagsdebatte, daß ein Jude nicht Geschichte in Preußen Vorträgen dürfe. Cölu Dem Rechensschaftsbericht des Vereines des jüdischen Lehrer-Seminars in Rheinland zu Cöln für 1888, das 22. Jahr seines Bestehens, entnehmen wir: Seit unserer vorjährigen Berichterstattung sind mehrere Zöglinge nach vollendeter Ausbildung entlassen worden und haben mit Ausnahme eines derselben, dessen Gesundheitszustand dieUebernahme eines Amtes noch nicht gestattete, als Religions- und Elementarlehrer Verwendung gefunden. Es ist selbstverständlich, daß von vollendeter Ausbildung hier nur in dem Siune die Rede sein könne, daß die Entlassenen die Fähigkeit besitzen und auch das begeisterte Streben in ihnen erweckt wurde, zunächst die Pflichten ihres Amtes gewissenhaft zu erfüllen, sich aber auch aus Liebe zu ihrem Berufe selbstthätig fortzubilden, und vor allem die ihnen anvertraute Jugend zu glaubenssinnigen Gott und Menschen wohlgefälligen Juden heranzubilden, und in diesem Sinne auch auf die Erwachsenen einzuwirken. Die Berichte, welche uns über dieses Streben und überhaupt über die Führung und Wirksamkeit der aus unserer Anstalt hervorgegangenen Lehrer zugehen, lauten fast ausnahmslos erfreulich und ermuthigen auch uns zu fortgesetztem Streben in der bisherigen Richtung. — Das ehrende Vertrauen, welches unserer Anstalt als einer Pflege- und Pflanzstätte altjüdischer Glaubenswissenschaft und treuer Pflichterfüllung von nah und fern entgegengebracht wird, hat sich auch im verflossenen Jahre durch die ihr zugewandten frommen Stiftungen für das Seelenheil theurer Heimgegangenen in erfreulicher Weise zu erkennen gegeben. — Mögen andere zahlreiche Edelgesinnte und Reichbegüterte in Israel diesem Beispiele folgen, indem sie sich hienieden ein ehrendes, bleibendes Andenken stiften und das Verdienst mit hinübernehmen in das ewige Jenseits. — “inDD 'xh nnn ntpy Im verflossenen Jahre war es uns wiederum vergönnt, 11 Aspiranten die Pforten unserer Anstalt zu eröffnen, so daß diese jetzt von 27 Zöglingen besucht wird. Indem wir allen unseren Freunden und Vereinsmitgliedern den schuldigen Tribut unseres innigsten Dankes darbringen, müssen wir ihnen zugleich die dringende Bitte ans Herz legen, uns durch ihren Einfluß neue Gönner und reichere Mittel zuzuführen, damit wir unsere hochheilige Aufgabe immer vollständiger lösen können. Neumark (Weftpreußen), im Nissan. Die letzten Tage des Freudenmonats Adar haben über unsere Gemeinde tiefe Trauer gebracht, denn einer der besten Menschen unter der Sonne hat uns für immer verlassen. 'n Henschke, ein Mann von der tiefsten aufrichtigsten und ungeheuchelsten Frömmigkeit, voller Menschenliebe, ein Vater der Waisen, ein Verather und Helfer der Wittwen und aller Unglücklichen in unserer Gemeinde und weit darüber hinaus, dessen n":n npna fast grenzenlos zu nennen war, hat plötzlich an Donnerstag den 20. März Morgens in der Synagoge v^nmrüio’i rv^cn vor dem Tioy in dem Gebete ivifc sm seine reine Seele ausgehaucht. An demselben Tage war er früh nach vier Uhr wie alltäglich rbtrb'i mir6 aufgestanden, ging gesund 8*/, Uhr nach dem Gotteshause, von welchem er nicht mehr zurückkehren sollte. Der Mann, dessen ganzes Leben —