Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1890)
- Date
- 1890-04-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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MV»MWW«.AM^^U^Lft-HWWSWM«^^ «VS«»»^M^:'M^L'-i^W 544 zige Gott den Fleiß meiner Hände segnen und es mir ermöglichen, rascher das Ziel zu erreichen, das ich erstrebe. — Tagtäglich werde ich in dem erwähnten Blatte nach jenen Heil verheißenden Worten suchen — und wenn ich sie finde — dann, mein Vater, wird das heiße Dankgebet Deines reuigen Sohnes empor zum Himmel steigen. Doch bevor ich nun zum Schlüsse eile, bleibt mir noch eine schwere, eine überaus schwere Pflicht. — Denn wenn ich erhoffen will, daß Du mir alles verzeihen werdest, so muß ich Dich zuvor in die Lage versetzen, alles zu wissen, was Du zu verzeihen hast. — Und das ist hart für mich — o, sehr, sehr hart. — Du weißt zwar, daß Dein Sohn ein Schurke war, ein Spieler, ein ehrloser Dieb, ein Sabbatschänder. — Und dennoch weißt Du nicht alles. — O, mein Vater! mein Vater! — die Feder versagt mir, wenn ich Dir das Scheusal zu schildern versuchen will, daß Du zum Unglück, zur Schande für Dich Sohn zu nennen gezwungen bist — o, mein Vater! mein Vater! — wende Dein alles verzeihendes Angesicht nicht weg von mir, wenn auch Abscheu Dich ergreift, vor Deinem elenden, Deinem niederträchtigem Sohne. — Die Feder droht mir zu versagen — ich finde keine Worte — doch es muß. Eine Reihe von Jahren sind seitdem verflossen — dennoch — Du wirst Dich erinnern, mein Vater, an unseren Cassier, an Steinheim, der so plötzlich verschwunden, nach dessen Verschwinden Du ein sehr bedeutendes Manko in der Kasse entdecktest. — Steinheim war Dein Liebling, zwanzig Jahre hat er Dir treu gedient, obgleich alle Umstände gegen ihn sprachen, konntest Du dennoch nicht an seine Schuld glauben, bis ich Dich versicherte, daß Steinheim ein leidenschaftlicher Spieler, daß er kurz zuvor hoch und unglücklich gespielt habe. — Daraus erst willigtest Du ein, ihn gerichtlich verfolgen zu lassen — und darauf hat sein junges Weib den Tod in dem Weiher gesucht — und — und — wende Dich nicht weg von mir, Vater! — mein Vater! — gedenke der Liebe, mit der Du meine selige Mutter geliebt — ich bin ihr Sohn — ich bin Dein Sohn — darum überwinde den Abscheu, der Dich erfassen wird — wenn ich Dir gestehe — daß ich selbst mich dessen schuldig gemacht, wessen ich Steinheim angeklagt habe — ich habe Dich schon damals bestohlen nnd habe den Verdacht auf Steinheim zu lenken gewußt. — Erlasse mir die Einzelheiten. — Und nun weißt Du alles. — O, mein Vater! — So unwürdig ich auch Deiner Verzeihung bin — ich werde mich derselben würdig machen — o, sprich es aus, das Wort, nachdem meine Seele schmachtet, sprich es aus, daß Du mir verzeihest. — Und wenn Du mir verziehen hast, mein Vater, — o, dann bitte auch für mich jene hehre Frau an Deiner Seite, die mir so oft unverdiente Güte erwiesen hat, daß auch sie mir verzeihen möge, daß ich, wie ich fürchte, auch über sie und ihr theures Kind Armuth, wenn nicht gar Noth gebracht habe. Und nun nocheinmal wage ich es, meine Bitte zu wiederholen. Verzeihe mir, mein Vater! — verzeihe Deinem tiefgesunkenen, jedoch ernst bereuendem Sohne Adolf. P. S. Da ich glaube, daß es Dir vielleicht eine Art Beruhigung gewähren wird, theile ich Dir mit, daß Steinheim der brave, vortreffliche Mann geblieben ist, als den Du ihn stets so hoch geschätzt. Wie ich gehört habe, lebt er in den günstigsten Verhältnissen und hat in New-Aork ein sehr bedeutendes Etablissement." (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, ledesmat in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhanbrl j« bestehen bei E. F. Kleinacker, Leipzig, Moßptatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oestsrreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fi. österr., fürs Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Das Leichenbegängniß Dr. Lehmanns's t>"y* — Zeitungsnachrichten und Corresponbenzen: Deutschland: Gießen. Aus Oberhessen. Berlin. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Brünn. — Bulgarien: Sophia. Frankreich : Paris. — England: London. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Wallungen. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Eöln. Neumark. Breslau. Stettin. Stratzburg. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Pesth. 2mal Budapest. — Holland: Amsterdam. — Rußland: Warschau. — Amerika: 2mal New-Aorl. — Marocco. — Extra Beilage: Stenographischer Bericht der an der Bahre Dr. Lehmann s yy; gehaltenen Reden. Verantwortliche Redaction: Joseph Kahn in Mainz. — Expedition des „Israelit und Jeschurun" Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Jo h. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.