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Der Israelit · 1890-04-21 · Heft 31 (21.4.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 31 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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542 mühungen dieser hochstehenden Männer, diesem Menschenhandel endlich ein Ende zu machen. P a l ä st i n a. Jerusalem, im Nissan. Soeben erfahre ich, daß am 11. d. M. der Grundstein zur Eisenbahn- Jaffa-Jerusalem gelegt wurde. So wäre denn endlich das große Werk, das das heilige Land der Eultur erschließen soll und um dessen Erreichung man vergebens seit Jahrzehnten gekämpft hat, endlich begonnen. Jeuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich R o tt. (Fortsetzung., Während Bella in kindlichem Uebermuth singend und tanzend durch die Räume dahinzuschweben schien, schlich ihr Vater mit gesenktem Haupt, die längst gefurchte Stirn in noch tiefere Falten gezogen, mit auf dem Rucken über einandergekreuzteu Händen schwer seufzend von dem einen Zimmer in das andere, hin und wieder blickte er empor zu den leeren Wänden, bis seine Augen sich füllten und dicke Tropfen über seine faltigen Wangen herniederrollten. Und dann grollte er sich selber, daß er durch nutzloses Trauern die Freude des Sabbats sich verdarb. Aber er konnte es nicht ändern, er hatte allzuschwer gelitten, seine Widerstandskraft war erschüttert. Und seltsam, er hatte es nie gewußt, erst jetzt, je näher und näher die Scheidestunde rückte, erst jetzt ward es ihm klar, wie mit allen Fasern seines Herzens er an diesen Räumen hing. — Hier war er geboren, hier hatte er in sorglosem Kindesmuth die fröhlichsten Jahre verlebt, hier war er unter den Augen seiner frommen Eltern zum Manne gereift, sein ganzes an Freuden wie an Schmerzen reiches Leben hatte er hier verlebt. — Dort in jenem Zimnier hatten seine beiden Eltern ihren letzten Seufzer ausgehaucht — und hier — hier — an derselben Stelle, wo er sich jetzt befand, hatte ihn die glückverheißende Kunde getroffen, daß er Vater geworden, daß ihm ein Sohn geboren. — O, wie hatte er wonnetrunken dem Himmel gedankt, für die unendliche Gnade, die ihm geworden — hier hatte er mit überströmenden Augen sich gelobt, diesen Sohn zu hegen, über ihn zu wachen, ihn zu erziehen zu allem Gutem, allem Hehren. — Und dieser Sohn — o, dieser Sohn! — was war aus diesem Sohn geworden? — Die heiligsten Gesetze Gottes hatte er höhnend mit Füßen getreten, den eigenen Vater hatte er beraubt, hatte ihn nahezu an den Bettelstab gebracht. — Laut ächzend barg der unglückliche Mann das schmerzzuckende Angesicht in seinen Händen. Wie lange er so gestanden war — er wußte es sicher nicht. Da ward die Thür aufgerissen, unwillkürlich wandte er sich um, Bella kam auf ihn zugehüpft. „Da ist ein Brief, Papa!" rief sie, ich habe ihn schon aufmachen lassen, Du kannst ihn gleich lesen." Er nickte der Kleinen zu und warf den Brief, den sie ihm reichte, ohne ihn näher anzusehen, ans den neben ihm stehenden Tisch. „Das hat Zeit bis heute Abend." Aber Bella sah ihn bittend an, „willst Du ihn nicht jetzt lesen, Papa? — er ist vielleicht vom Onkel und ich möchte gern wissen, ob Max auch Morgen nach Wien kommt." „Nun, wenn er vom Onkel ist, will ich ihn gleich lesen." Er griff wiederum nach dem Briefe und warf einen Blick auf die Adresse — da ward er plötzlich von heftigen! Zittern erfaßt, er schleuderte den Brief von sich, als hätte er seine Hand davon verbrannt und schien nach Athem zu ringen. „Warum machst Du so, Papa?" ries Bella ängstlich, „was ist Dir, Papa?" „Nichlö", stammelte er, „nichts —" Aber die erschreckte Kleine rannte hinaus, ihre Mutter herbeizurufen. Frau Bärwald war rasch zur Stelle, sie schlang ihre Arme um den noch immer heftig Zitternden und zog ihn in den Sessel, den Bella herbeigeschoben hatte, während sie im Flüsterton dem Kinde befahl, den Hausarzt rufen zu lassen. Doch ihr Gatte winkte heftig abwehrend. „Nicht! — nicht!" stammelte er, „'s ist nichts — 's ist nur —" Sein starrer Blick haftete noch immer an dem Briefe, der dort im Winkel auf dem Fußboden lag. „Was ist Dir?" fragte seine Frau ihn ängstvoll betrachtend. Aber Bella hatte ihn verstanden; rasch sprang sie fort, hob den Brief dort vom Boden und bemühte sich, ihn der Mutter in die Tasche zu schieben. „Ich glaube, Papa hat sich über den Brief erschrocken", flüsterte sie, „nimm' Du ihn, Mama!" „Nein!" schrie Bärwald plötzlich mit wilder Heftigkeit, „rühr' ihn nicht an! — er ist Gift — er brennt — wirf ihn fort! ins Feuer!" Er war aufgesprungen, sein sonst farbloses Gesicht war glühend roth, seine Augen schienen aus ihren Höhlungen getreten — so hatte ihn seine Frau noch nie gesehen. Unwillkürlich griff sie nach dem verhäuguißvolleu Schreiben, das Bella ihr zngesteckt hatte. Kaum hatte sie einen Blick auf das-

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