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Der Israelit · 1890-04-21 · Heft 31 (21.4.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 31 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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540 '' März a. c. ihre 46. Generalversammlung ab. Die Anzahl der Mitglieder beträgt 743, 279 ordentliche und 464 Ehren-Mitglieder. Einnahmen und Ausgaben balanciren mit Mark 12732 und hat der eiserne Fonds 19450 Mark, der Reservefonds 13050 Mark, der Jubel-Fonds 10250 M. und die 7 Stiftungen ein Vermögen von 13250 M. Die Wittwenkasse dieser Gesellschaft zählt 539 Mitglieder bei einem Vermögen von 64725 Mark. Den beiden Gesellschaftsärzten Geh.-Rath Marcuse und Sanitätsrath Hamburger wurden in Anerkennung ihrer bisherigen 25jährigen Thätigkeit zwei silberne Pokale mit Widmung überreicht. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 9. April.*) Die gestern in Neulerchenfeld und Ottakring geplünderten Geschäften gehören Juden. Nach der „Neuen Freien Presse" wurden in der exzedirenden Menge drohende Ruse gegen die Juden laut. Die antisemitischen Agitatoren wurden nicht müde, diese Stimmung fortwährend anzufeuern. Im Gemischtwaaren - Geschäfte von Adolf Buch wurden die Geschäftsbücher, Butter¬ und Käsevorräthe auf die Straße geworfen und Tausende von Eiern zertreten; kein Einrichtungsstück blieb ganz. Eine Sicherheitswachstube und beiläufig zehn Geschäfte, zumeist Branntweinschänken, wurden demolirt. Die Polizei erwies sich zu schwach. Zwei Escadronen Husaren, welche viel zu spät am Platze erschienen, zerstreuten die Menge. Brünn. Die jetzigen Wiener Gemeinderathswahlen haben den Antisemiten neue Verstärkung gebracht. Die Zeit ist nicht mehr ferne, wo ihr Führer Dr. Lueger der Bürgermeister von Wien sein wird. Der Wahlkampf war ein sehr lebhafter und auf liberaler Seite ist die Enttäuschung um so größer, als man auf einen Erfolg mit Sicherheit gerechnet hatte und einen Rückgang des Antisemitismus wahrgenommen haben wollte. Interessant ist das Verhalten der Czechen bei dem Streit. Schon in der letzten großen Judendebatte im österreichischen Reichsrath hatte der Abgeordnete Zucker, selbst ein Jude und Führer der Czechen, darauf hingewiesen, wie viel besser jetzt die Czechen gegen uns gesinnt seien, als die Deutschen, und die Juden aufgefordert zu denselben überzutreten. In der Wiener Wahlagitation zogen die Führer der Wiener Czechen ebenfalls heftig gegen die Antisemiten los und jetzt nach der Wahl sind die czechischen Blätter besonders hier in Mähren, wo in vielen Wahlkreisen *) Durch die Feiertage verspätet. die kleinen jüdischen Gemeinden das Zünglein an der Waage bilden, eifrig bemüht, die antisemitischen Siege dahin anszunützen, um die Juden für ihre Partei zu gewinnen. Leider folgt nur die Masse der Czechen dem ausgegebenen Stichworte nicht, gerade in den bedrohtesten Bezirken war in Wien die größte Zahl der czechischen Stimmen auf antisemitischer Seite und in der Leopoldstadt ließen sie sogar ihre eigenen Candidaten im Stich, um für Antisemiten zu stimmen, so daß der czechische Candidat nur 180 Stimmen erhielt, während die Zahl der Wähler seiner Nationalität sicher 5fach so groß ist. Auch bei uns in Mähren wird vom Land und in den kleinen Städten sehr über die Judenfeindlichkeit der czechischen Bevölkerung geklagt, ebenso wie über die der Deutschen. Nur das eine ist unleugbar, daß es unter den Czechen, die selbst so lange unterdrückt waren, keine Partei gibt, die ernsthaft daran dächte, die jüdischen Rechte zu schmälern, wenn auch viele einzelne Personen Judenfeinde sind, und diese Erwägung führt denn auch viele Israeliten in das czechische Lager, ein Vorgang, der mit jedem Tage häufiger wird. Bulgarien. Sophia im April. Der Wiener „Neuzeit" entnehmen wir die interessanten Einzelheiten des Organisations-Statuts, welches von dem Großrabbiner Dr. Dankowitz ausgearbeitet, von der Sobranje angenommen und mit der Bestätigung des Fürsten zum Gesetz für die bulgarischen Israeliten geworden ist. Die Letzteren können sich bei allen drei Faktoren, die an dem Zustandekommen dieses Status zusammengewirkt haben, bedanken, daß sie ihnen ein sehr wichtiges Recht, nämlich das Recht und die Pflicht des Steuerzahlens voll und ungeschmälert großmüthig zuerkannt haben. Es ist dieses nämlich die einzige Befugniß, welche ihnen belassen ist; im Uebrigen sind sie völlig der Botmäßigkeit der Rabbinen, Consistorien und das Großrabbinats willenlos preisgegen. Herr Dr. Dankowitz hat die bulgarischen Gemeinden als eine unmündige, unwissende verstandlofe Masse behandelt, der man keinerlei Selbständigkeit einräumen kann. Er hat sich dagegen die Machtvollkommenheit eines Selbstherrschers zuerkennen lassen, der Czar und der Papst haben im Vergleich mit seiner durch dieses Statut garantirten Machtfülle eine sehr abhängige Stellung. Was er zu dekretiren für gut befindet, das ist wohlgethan. Man höre und staune. Der Großrabbiner von Bulgarien, mit fürstlichem Dekret lebenslänglich ernannt, hat seinen

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