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Der Israelit · 1890-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1890) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1890)
Date
1890-04-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
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528 Schlagmaske geschlagen und auch zwet Stück geschachtet. Im Beisein des Herrn Stadtthierarztes Lutz und Schlachthausverwalters K a y s e r erklärte der Oberbürgermeister dem Schochet Stern, daß ihm das Schächten am besten gefallen habe, da es am raschesten, sichersten und ohne jegliche Gefahr von Statten gehe. Gleicher Ansicht ist auch der Stadtthierarzt Lutz, während Schlachthausverwalter Kayser eine entgegengesetzte Meinung aussprach. Schochet Stern unterhielt sich noch längere Zeit mit dem Oberbürgermeister und tadelte die schlechte Vorbereitung zum Werfen der Schächtthiere. Herr Oberbürgermeister versprach bei der Neuorganisirung des Schlachthauses für eine diesbezügliche bessere Handhabung Sorge zu tragen, und gab gleichzeitig dem Herrn Verwalter einen dahinztelenden Auftrag. Berlin. Die verstorbene Kaiserin Augusta hat der Altersversorgungsanstalt der Berliner jüdischen Gemeinde ein Legat von 5000 Mark vermacht. Berlin. Die Altersverforgungsanstalt der jüdischen Gemeinde hat ihren sechzigsten Jahresbericht herausgegeben. Derselbe weist einen Vermögensbestand von 1,674,680 M. auf, wovon 84,479 M. den Zuwachs des jüngsten Jahres darstellen. Die Zahl der Hospitaliten ist von 140 auf 153 gestiegen. An Stelle des verstorbenen Vorsitzenden Herrn Julius I. Meyer ist Herr Sanitätsrath Dr. Wiesenthal vom Gemeindevorstand zum Vorsitzenden der Anstalt delegirt worden. — Die „Gesellschaft Hachnassath kallah zur Ausstattung bedürftiger Bräute", als deren Vorsteher Herr Dr. David Cassel fungirt, berichtet über die Thätigkeit zweier Jahre. Bei einem Vermögensbestand von 77,000 M. betrugen die Unterstützungsausgaben im Jahre 1888 an 53 Mädchen 6,260 M., im Jahre 1889 an 79 Mädchen 8,575 M. Breslan, 20. März. Im Herbst v. I. hat hier, wie Sie s. Zeit berichteten, die Einweihung einer eigenen Synagoge für den Jugendgottesdienft der schulpflichtigen Kinder, die am Besuche des regulären Gemeindegebets verhindert sind, stattgefunden. Die Urtheile Aller, die Gelegenheit hatten, den Eifer und das rege Interesse wahrzunehmen, mit welchem die kleinen jugendlichen Besucher der Synagoge den Handlungen des Rituals, welches wieder ausschließlich von ihren Altersgenossen ausgeführt wird, folgen, stimmen darin überein, daß mit dieser Einrichtung allerdings die Frage der bestmöglichen Gewöhnung der Heranwachsenden Generation an die gottesdienstlichen Uebungen in einer den gewöhnlichen Verhältnissen entsprechenden Weise gelöst ist. Und insofern hat dieser Synagogenban einen allgemeinen, weit über den Rahmen lokaler Wichtigkeit hinausgehenden Werth, der von Jedem, der dieser Frage bereits näher getreten ist, voll gewürdigt werden muß. Leider aber fehlt auch hier, wie so oft, der guten Sache der kräftige Rückhalt; die Kosten des Baues sind bei Weitem noch nicht gedeckt, und neue Ausgaben stehen bereits in naher Aussicht Es haben sich daher die Männer, die an der Spitze des Unternehmens stehen, in diesen Tagen mit einem Aufruf an alle Glaubensgenossen gewendet, „im Interesse der hochwichtigen Sache, welche das ganze Judenthum berührt, einen Beitrag zu dem heiligen Zwecke eines Synagogenbaues für die Jugend zu zeichnen." Glaube man nicht, daß Breslau allein ja die nöthigen Gelder aufschwingen könne, denn die Anstalt des Herrn Dr. Ne u st a d t mit ihrer gesetzestreuen Einrichtung gehört keineswegs in den offiziellen Apparat der Gemeinde, im Gegentheil, die Gemeinde steht dem orthodoxen Institut nichts weniger als sympathisch gegenüber. Gleichwohl haben die hiesigen Rabbiner Dr. Hoel und Dr. Rosenthal, viele schlesische Rabbiner und zahlreiche Gemeindemitglieder von Ansehen und Rang den Aufruf mit ihrem Namen unterstützt. Wenn je das Wort der Waisen: „Eine Zuflucht bist Du uns gewesen von Geschlecht zu Geschlecht, das sind die Gotteshäuser," seine Berechtigung hatte, so ist das hier der Fall, wo vielen Dutzenden jüdischer Kinder nach altem Brauch und Gesetz religiös geistige Nahrung gereicht wird. Beitragszeichnuugen nimmt Herr Rabbiner Dr. P. Neustadt entgegen. Möge dieser wackere Vorkämpfer der gesetzestreuen Sache, der seit 47 Jahren rastlos und unermüthlich im Dienste des Heiligsten steht, der freudig und ohne jeden Entgeld einen großen Theil der hies. israelitischen Jugend in herrlichster Weise erzieht und trotz aller Anfeindungen seine Zeit und seine Kraft dieser trefflichen Aufgabe geweiht hat, wenigstens in der gesicherten Vollendung dieser Schöpfung einen kleinen Lohn für sein großes Mühen finden! (Anm. d. Red. Wir empfehlen diese Zeilen unseres Breslauer Correspondenten wärmstens der Aufmerksamkeit und dem Wohlwollen unserer Leser.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 28. März. Die Eröffnung eines politischen Prozesses, dem die Freunde eines pikanten Lesestoffes mit Spannung entgegensahen, hat wider Erwarten sich verzögert. Ein antisemitischer Partei-

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