Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1890)
- Date
- 1890-04-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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WIUMA'-j* i ■■ i.l ii J . >>L>Y^. llJfU^1,11 J, »UJUyiJJÜjf w. ■■% 527 h. Für England. Weder Gesetze noch Reglemeute regeln diese Materie. Die Gesellschaft zur Verhinderung von Grausamkeiten gegen die Thiere schreibt dem schweizerischen Generalconsnlate in London, dag sie sich nicht für berechtigt halte, das Gesetz, welches die Grausamkeit gegen Thiere bestraft, auf die israelitische Schlachtmethode anwenden zu lassen, möge diese auch etwas grausamer sein als neuere Methoden, die jüdische Methode beruhe eben auf religiösem Ritus. Es folgt dann noch das Gutachten eines vom Bnndesrathe selbst bestellren Fachmanns, dem der Bundesraths-Beschluß noch folgende Bemerkungen beifügt: „Im Laufe der Letzten drei Jahrzehnte haben sich die ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Thierphysologie über die Frage, ob das Schächten an sich als Thierqnäierei zu bezeichnen sei, in verneinendem Sinne ausgesprochen, unter denselben Virchow, Du-Bois-Reymond, Gerlach, Fick, Grützner. Dem deutschen Reichstage lagen, als er im Jahre 1887, diese Frage behandelte, nicht weniger als 55 Gutachten von Professoren der Physiologie an den Universitäten Deutschlands und sonstigen wissenschaftlichen Autoritäten Deutschlands und des übrigen Europa vor, und alle diese Gutachten, ohne ein einzige Ausnahme, erklärten, daß bei dem Schlachten der Thiere nach israelitischer Methode unter Beobachtung der nöthigen Schutz- und Vorsichtsmaßregeln von Thierquälerei nicht gesprochen werden kann. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Dem siebenunddreißigsten Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung und Erziehung mittelloser Waisen der Israelitischen Religionsgemeinde zu Mainz entuehmen wir: Die Zahl unserer Pfleglinge betrug in 1889 fünfunddrerßig, welche mit vereinzelter Ausnahme laut ihren Zeugnissen zu den befähigteren Zöglingen zu rechnen sind. Wiederum hat sich die Zahl unserer Mitglieder etwas vermehrt, und gereicht es uns zur Befriedigung, daß auch die Summen der freiwilligen Spenden nur wenig hinter dem Erträgnisse in 1888 zurückblieb; wir danken herzlichst allen verehrlichen Mitgliedern und wohlwollenden Gönnern für diese freiwilligen Spenden. Nachdem unser Verein, aus kleinen Anfängen entstanden, bereits allen billigen Anforderungen, welche an ihn herantraten, zu entsprechen im Stande war, möchten wir doch die dringende Bitte an alle unsere Mitglieder richten, in ihrer Opferwilligkeit nicht nachzulassen und auch nicht die irrige Ansicht aufkommen zu lassen, als sei für jetzt und alle Zukunft schon hinlänglich gesorgt. — Rur ein Stillstand bedeutet schon einen Rückschritt! — Sehen wir nach unseren Schwesterstädten, woselbst bei jeder geeigneten Veranlassung durch milde Gaben der armen Waisenkinder gedacht wird, so möchten wir wünschen, daß diese schöne Sitte sich auch bei uns in stärkerem Maaße einbürgere; unsere Zinsertragnisse würden sich dann auch vergrößern, und wir kämen in die Lage, noch Werktätiger als bisher unsere Fürsorge den zahlreichen Pfleglingen zuzuwenden. Es gilt ein edles Werk fördern zu helfen! Mainz, 8. April. Auf einem benachbarten Orte wurde der Rechner der jüdischen Religionsgemeinde von der Verwaltungsbehörde zur Zahlung einer Geldstrafe von 100 Mark verurtheilt, da er die Führung der Bücher in höchst unordentlicher Weise besorgte. Natürlich wurde er auch als Rechner ohne Gehalt „peusionirt". (Eine empfindliche Strafe. Red.) München. Auf der Letzten Kunstausstellung erregte das Bild eines jüdischen Malers berechtigtes Aussehen. Ein hervorragender Münchener Kritiker äußerte sich über dasselbe in folgender Weise: Den höchsten Preis aber verdient unseres Bedünkens der „Talmudbachur" von dem Ungarn Isidor Kaufmann, ein Bild, aus dem eine ganze Seele strömt. In winklichem Gemach, durch dessen Feusterlein ein Stück des Hellen Winterhimmels blickt, sitzt ein bleicher Knabe vor dem Buche der rabbinischen Weisheit, das auf ungefügem Schemel ruht. Die ganze Denkkraft, alle Empfindungen in dem jungen Menschen, scheint angespannt zu sein; Entbehren, Zuversicht, jene Glückseligkeit, welche die Arbeit gewährt, schimmern auf seinem Antlitz. Auf dem niedrigen Ofen rösten wenige Aepfel, die armselige Mahlzeit; auf dem kleinen Regale steht, als ein unersetzlicher Schatz, die bescheidene Bücherei — die einzige Tröstung in dem leidensreichen Leben des Studenten. Heilbronn, 26. März. Gestern war Herr Oberbürgermeister H e gel m ei e r im städtischen Schlachthaus, um sich die verschiedenen Tödtungsarten der Schlachtthiere anzusehen. Erst wurde ein Farren geschossen, dann verschiedene mit der i] iii ä; li T