Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1890)
- Date
- 1890-04-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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519 mangelndes Verständniß, nicht böswillige Absicht.• imputirte. Ich revanchire mich, indem ich es ebenfalls nur auf Fahrlässigkeit zurückführe, daß er Sinn und Tendenz meiner Ausführungzn völlig verkannt hat. Der Hauptzweck der letzteren ist der, die Ucbelstände, die sich sowohl in Gemeinden mit altherkömmlichem als in solchen mit sog. reformirtem Gottesdienst herausgestellt haben, in parteiloser Weise zu beleuchten und alle Berufenen zur ernsten Mitarbeit an der Lösung, der aus diesem Gebiete jedem Einsichtigen sich aufdrängenden Probleme anzuregen. Es wird dargelegt, daß die überkommenen Gebetordnungen ihre Stellung nur dann auf die Dauer werden behaupten können, wenn es gelingt, den Gebetstoff dem Verständniß der Gemeinden näher zubringen und dadurch eine tiefere Werthschätzung desselben zu erwecken. Auf der andern Seite wird nachgewiesen, daß von der Reltgionsschule, auch von der besten, wesentliche Mehrleistungen nach dieser Richtung nicht erwartet werden können. Was soll also geschehen, und dem durch die stetige Abnahme der Kenntniß des Hebräischen drohenden Verfall der alten Liturgien entgegenzuwirken? Das ist die Frage, um die es sich handelt und die von mir nach meiner ziemlich umfassenden Kenutniß der Verhältnisse dahin beantwortet wird, daß Abhilfe nur im Gottesdienst selbst gesucht werden könne, dergestalt, daß man demselben die Aufgabe zuweise, bis zu einem gewissen Grade die Arbeit der Religionsschule fortzusetzen und zu vertiefen. In welcher Weise ich mir das denke, ist in kurz skizzirten Vorschlägen angedeutet, die jedoch weiter gar nichts zu sein beanspruchen, als ein erster Anstoß zur Discussion und damit zur Klärung der Ansichten. Nichts aber lag und liegt mir ferner als die Idee eines „Wechselcoetus zwischen orthodoxem und reformirtem Gottesdienst, sodaß an j einem Sabbat die Reform, am andern die Orthodoxie zur Geltung kommt". Die von dem Herrn Recensenten mir unterschobene Erfindung eines derartigen Mechanismus muß ich dankend ablehnen. Eine — den Bestand und das innere Wesen der bestehenden Gebetordnungen nicht alterirende — Abwechslung in der Gestaltung des sabbatlichen Gottesdienstes wird allerdings vorgeschlagen, aber lediglich zu dem Zwecke, daß die belehrenden Zugaben, welche für den einen Sabbat empfohlen werden, dem Gottesdienste an dem andern Sabbate durch Förderung des Verständnisses für werthvollc aber dermalen vernachlässigte Bestandtheile desselben zu gute kommen sollen. Der Vorschlag mag bekämpft, er mag verworfen werden, aber damit hat der fähige Beurtheiler meines Erachtens seine Pflicht noch nicht erfüllt. Man darf und muß vielmehr von ihm erwarten, daß er seinerseits um die Lösung des Problems sich ernstlich bemühe und der Oesfentlichkeit die Ergebnisse seiner befferen Einsicht nicht vor« enthalte. Frankfurt a. M. Der Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung der Israelitischen Reltgionsschule zu Frankfurt a. M. entnehmen wir: Die Leistungen der Schule im abgelaufenen Schuljahre weisen ans eine erfreuliche Entwicklung hin. Hier möge von dem weiteren inneren Ausbau der Schule die Rede sein, den sie in dem mit ihr schon seit zwei Jahren verbundenen Forschungshause (Beth hamidrasch) zu verzeichnen hat. — Dieses Forschungshaus hat Lehrvorträge aus fast allen Gegenständeu der jüdischen Wissenschaft für Erwachsene und junge Leute eingerichtet. Während die für erwachsene Männer und junge Kausleute bestimmten Vorträge den Zweck verfolgen und bis jetzt zur Freude aller Betheiligten erreichen, Anregungen zu geben uud das Interesse für Glauben und Wissen zu wecken, haben die streng wissenschaftlichen Vorlesungen das Ziel, junge Menschen, die einen jüdischen Lehrberuf im Auge haben, anknüpfend an das, was die Religionsschule ihnen geboten hat, in das höhere Studium der biblischen und talmudischen Wissenschaften einzuführen. An diesen Vorlesungen haben im Schuljahre zwölf Schüler mit zum Theile recht gutem Erfolge theilgenommen. Einige derselben besuchen bereits das Gymnasium, während andere für den Eintritt in dasselbe sich vorbereiten. Da auch der Vorbereituugsunterricht in den Gymnasialfächern unter Ueberwachung des Dirigenten Herrn Rabbiner Dr. Horovitz von den Lehrern und in den Räumen der Schule ertheilt wird, konnte den Schülern viel Zeit erspart und eine beiden Gebieten gerecht werdende Verkeilung der Arbeit ermöglicht werden. Diejenigen Schüler, und es ist der größere Theil derselben, die sich für den Eintritt in die oberen Klassen des Gymnasiums vorbereiten, haben inzwischen in den hebräischen Fächern eine Kenntniß erlangt, die während des regelmäßigen Schulbesuches, soweit dieser es zuläßt, sich allmählich abrunden und hinreichen wird, bei der Abgangsprüfung des Gymnasiums ihnen die Aufnahme in ein Rabbinerseminar zu ermöglichen. Ein ehemaliger Schüler der Religionsschule wird voraussichtlich innerhalb eines halben Jahres vom städtischen Gymnasium abgehen und mit der Reise