Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1890)
- Date
- 1890-04-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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518 all, auch den erbittertsten Gegnern gegenüber die endliche Anerkennung abrang, jedes dieser Momente erforderte eine besondere Darstellung, die einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben muß. Was der „Israelit" für die Sammlung und Erstarkung aller Glieder des gesetzestreuen Judenthums in allen fünf Erdtheilen gewirkt hat, seine beispiellose Wirksamkeit für das heilige Land und seine Bewohner, die Thränen der zahllosen Armen und Unglücklichen, die er durch seine Sammlungen getrocknet, sein mannhaftes Eintreten gegen alle Angriffe von judenfeindlicher Seite, diese und hundert andere Momente in dem Leben und Streben des theueren und unersetzlichen Verblichenen, leben in dem Bewußtsein aller Brüder und Schwestern auf weitem Erdenrund, denn sie haben ja eben das innige, einzige Band freundschaftlicher und verehrungsvoller Anhänglichkeit zwischen den Lesern des „Israelit" und seinem Begründer gewoben, das jetzt so plötzlich zerrissen wurde. Und doch kennt die Welt nur den Mann, wie er eben vor der großen Welt erschien und erscheinen mußte. Seine entschiedene, strenge, ernste Vertretung dessen, was er als wahr erkannte, ließ diejenigen, die nicht das Glück hatten, ihm persönlich nahe zu stehen, kaum ahnen, welche reiche Fülle von Güte und Milde, von Leutseligkeit und Menschenliebe in dem edlen Herzen lebten und aus den treuen Augen leuchteten, die jetzt gebrochen sind! Der Mann, der den Bannerträgern des Abfalls mit blanker Waffe und eherner Stirn jederzeit kampfbereit entgegen trat, war die personificirte Nachsicht und Versöhnlichkeit den Gliedern seiner Gemeinde, seiner Familie, ja jedem Menschen gegengegenüber ohne irgend welche Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß. Sein Arbeitszimmer war unablässig ein Sammelplatz der Armen, und die Sanftmuth, die wunderbare Geduld, die er ihnen mitten in seinen dringenden zahlreichen Beschäftigungen zuwandte, waren geradezu ergreifend. Ein einziges Mal hatte er einem Armen, dessen Zudringlichkeit selbst seine Geduld zu Schanden machte, die Thüre gewiesen. Aber wenige Stunden nachdem es geschehen war, bereute er das Geschehene aus so vollem Herzen, daß er überall umherschickte, um den Armen wieder rufen zu lassen und das Geschehene wieder gut zu machen. Der Arme war aber nirgends zu finden. Nach vielen Jahren kam derselbe wieder nach Mainz zu Herrn Dr. Lehmann. Dieser erkannte ihn sofort und war ganz glücklich, ihn endlich um Verzeihung bitten zu können, die ihm auch gewährt wurde. Lange Zeit kam dieser Mann dann alljährlich nach Mainz und lebte dann jedesmal Wochen lang im Hause des Verblichenen, der glücklich war, sein Unrecht auf diese Weise wieder gut gemacht zu haben. Welch' ein liebender Gatte er seiner Gattin, welch' zärtlicher Vater er seinen Kindern, welch' besorgter Rather und Helfer er jedem einzelnen Mitgliede seiner Gemeinde war, mit welcher väterlichen Innigkeit er vor Allem an seinen Schülern hing, das zu schildern versagt die zitternde Feder den Dienst. Von den Söhnen Ahrons erzählt unser Wochenabschnitt: imo’i omx '*» bw xsm „Es ging ein Feuer von Gott aus und verzehrte sie, so daß sie starben vor Gott." Das göttliche Feuer, das in dem Entschlafenen gelodert, an dem er die Fackel der Wahrheit entzündet und hineingeleuchtet hat in die Reihen seines Volkes, dieses Feuer, das von Gott ausgeht, hat auch diesen seinen treuen Priester verzehrt. Der aufregende, aufreibende Beruf, der Wortführer seines Volkes zu sein, er war es, dem er zum Opfer gefallen ist. Die von diesem seinem Beruf unvermeidlichen Aufregungen haben nach Versicherung der ihm näher Stehenden die Krankheit gezeitigt und verschlimmert, daß sein großes Herz, das so sehr in Liebe und heiliger Begeisterung zu unserer Thora schlug, den Anstrengungen nicht länger Stand zu halten vermochte und gestern früh 10 Uhr zu schlagen aufhörte. Er ist km Dienste Gottes, vor Gott gestorben. Möge er die Ruhe und den Frieden finden, für die er gerungen und gekämpft, möge sein Verdienst uns beistehen, in seinem Geiste und seinem Sinne weiter zu leben und zu wirken, bis Gott den Tod von der Erde verschwinden lassen und die Schmach von dem Angesicht seines Volkes nehmen wird, wie es sein Wort verheißen hat. rV'awn. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Karlsruhe, 2. April. Von Herrn Regierungsrath Dr. Mayer erhalten wir folgende Zuschrift : Der Herr Verfasser der in Nummer 26 des „Israelit und Jeschurun" erschienenen Reccusion der Etnstein'schen Brochüre über die Einrichtung des Gottesdienstes bei den israelitischen Gemeinden Badens hat bei Fällung seines Urtheils über die durch Beifügung eines Nachworts von mir verübte Unthat eine dankenswerthe Milde walten lassen, insofern er mir nur