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Der Israelit · 1890-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1890) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1890)
Date
1890-04-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. Erste Beilage M M 29 $t 30 der „Israelit ' & „Ieschurun ". Ein anderes Mitglied unserer Redaktion widmet dem theuren Dahingeschiedenen den folgenden Nachruf: Mainz, 15. April. Was wir, und Tausende mit uns, seit Monaten in heißem Gebete von Gottes Gnade zu hoffen wagten, ist uns ftit gestern für immer versagt worden: Herr Rabbiner Dr. Lehmann ist nicht mehr! In der Blüthe seines Lebens, im 59. Lebensjahre, hat er seine reine Seele ausgehaucht, nachdem seit längerer Zeit ein hartnäckiges Herzübel seine Gesundheit so sehr gefährdet hatte, daß nur von einer ganz ungewöhnlichen Gnade Gottes eine Wendung zum Besseren zu erhoffen war. Gottes Rathschluß hat es anders beschlossen; und wohin die Kunde von dem schweren, schweren Schlag, der uns und die ganze Judenheit betroffen hat, gelangen wird, überall wird sie das Wort verwirklichen, mit dem unser Wochenabschnitt den Tod der Söhne Ahrons begleitet: '-i rpff nsn»n nx w rva bi oa’nw „Euere Brüder, das ganze Haus Israels, werden den Brand beweinen, den Gott angezündet." ro bzmnb bn by rteiD D’oan mo^n bw ]ms® Wahrlich, wenn das Leid, das Talmide Chachamim betrifft, Alle in Trauer versetzt, wer wollte dann das Weh in seiner ganzen Tiefe ermessen, welches diese Trauerbotschaft in die großen, durch einen mehr als dreißigjährigen Verkehr verbundenen, gleichgesinnten Kreise tragen wird! War doch der Verblichene der geistige Mittelpunkt aller dieser Kreise, er hatte sie geschaffen, ohne ihn vermag man kaum sie sich zu denken, und wir selber vermögen, obwohl auf die Katastrophe vorbereitet, kaum die Thatsache zu fassen, die wir in Worte kleiden möchten. Die Feder zittert, wenn sie Denjenigen feiern möchte, der sie an dieser Stelle mit solcher eigenartigen Begabung und Hingebung, mit solchem Geist und solchem Erfolg drei Jahrzehnte lang geführt hat! Wenn unsere Weisen einen Geisteshelden und seine Aussprüche feiern wollen, so vergleichen sie ihn mit Moscheh. moxp ybw rwo. Und wenn einer derselben die Bedeutsamkeit unseres großen einen einzigen Zug zusammenfassen möchte, so knüpft er an die Worte: mwa dp non, da starb Moscheh, die drei Worte: *an xtsd der große Wortführer Israels! Auch in dem Heimgegangenen war das Wort und die Meisterschaft, in welcher er es geführt, das mächtige, geistige Band, wodurch er zahllose Tausende jüdischer Geister und Gemüther unauflöslich mit sich und der großen, heiligen Sache verbunden hat, für welche er ein langes, reiches Leben lang gelebt und gekämpft hat. Wie das Wort aus seinem hohen Geiste und seinem edlen Herzen quillte, wie er die Gediegenheit des Inhalts mit der ansprechenden, volksthümlichen, zu Herzen sprechenden Form des Ausdrucks zu verbinden wußte, mochte er belehren oder erzählen, verurtheilen oder anerkennen, mochte er über specifisch jüdische oder allgemein wissenschaftliche Gegenstände sich äußern, deß find die Erzeugnisse seiner Feder an dieser Stelle, laute, wohlbekannte Zeugen. Wo gab es auch nur eine, der vielen Judenthum und Judenheit betreffenden Fragen, Anliegen und Bestrebungen, die nicht von ihm mit unerreichbarer Meisterschaft behandelt und soweit dies einem einzelnen Manne möglich ist, mit beispielloser Ruhe, Klarheit und Entschiedenheit auch erledigt wurden! Was Rabbiner Dr. Lehmann seiner Zeit war, wird keine Feder noch heute an seiner warmen Leiche zu schildern, auch nur zu versuchen wagen. Dazu müßte man dreißig Jahre zurückblicken, wo der Abfall im jüdischen Kreise seinen Höhepunkt erreicht hatte, wo die Reform und ihre Presse die jüdische öffentliche Meinung beherrschten, und er mit der Begründung des „Israelit" eine rettende That unternahm, deren bedeutsame Tragweite gar uicht hoch genug angeschlagen werden kann. Mit welcher Wuth, mit welcher Rücksichtslosigkeit die Gegner des orthodoxen Judenthums über diesen seinen jugendlichen Verfechter herfielen, wie sie ihn durch Schmähungen, Verleumdungen und Entstellungen unmöglich zu machen suchten, und wie er mit kühn entflammter Begeisterung allen Stürmen und Angriffen gegenüber nicht nur Stand hielt, sondern dem geächteten und verlästerten orthodoxen Judenthum und seinem Eentral-Organ dem „Israelit" über- Maöbiner Dr. Lehmann Lehrers in

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