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Der Israelit · 1890-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1890)
Date
1890-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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516 sie doch damals kaum fünf Jahre alt gewesen, und hatte sich herzlich gefreut, daß nun statt der Bonne die Mutter selbst für alle ihre Bedürfnisse sorgte. Nach einigen Jahren wollte sie sich allerdings von der Mutter nicht mehr bedienen lassen und war dadurch ungemein früh selbstständig geworden. Sie war jetzt dreizehn Jahre alt geworden, aber so klein und so zierlich, daß sie oft für mehrere Jahre jünger gehalten wurde; doch wer ihr Schalten und Walten im Hause sah, hätte sie für vollständig erwachsen halten können. Sie hätte so gerne am Bette des Vaters gewacht, aber die Mutter hatte es nicht zugegeben, sie hatte sich niederlegen müssen. Frau Bärwald war jedoch nicht von dem Lager des Gatten gewichen. Die Nacht verliefverhältnißmäßig ruhig. Der Kranke klagte zwar hin und wieder über heftige Schmerzen, doch genoß er auch mehrere Stunden eines ungestörten Schlafes, und als der Arzt am Morgen seine Visite machte, erklärte er den Zustand für ziemlich befriedigend. Gleich am frühen Morgen hatte Bella in das Büreau gehen müssen, in dem ihr Vater als Buchhalter angestellt war, um dem Chef von dem Unfälle desselben Mittheilung zu machen. Bärwald, ehedem Inhaber eines der bedeutendsten Bankhäuser, mußte in seinen alten Tagen in einem fremden Geschäft sein Brod verdienen, und war nicht einmal im Stande, seiner Frau eine Magd zu halten. Das schmerzte ihn am meisten, namentlich wenn er sie, wie er oft glaubte, angestrengt arbeiten sah. Aber sie fühlte sich frisch und wohl dabei und gewahrte mit inniger Befriedigung, daß sowohl die Stimmung als auch das Befinden ihres Gatten sich mehr und mehr besserte. Freilich, in den ersten Tagen nach des Sohnes Flucht, da hatte sie oft das Aergste gefürchtet, denn in dem ersten Entsetzen, des durch den eigenen Sohn Beraubten, hatte derselbe geglaubt, seinen Verpflichtungen nicht Nachkommen zu können. Doch nachdem er sich überzeugt hatte, daß er seine sämmtlichen Gläubiger werde befriedigen können, da war der Muth zurückgekehrt in seine Brust und er hatte sich gelobt, sein herbes Schicksal in Ergebung zu tragen. Rastlos hatte er gearbeitet, um in möglichst kurzer Zeit sein Geschäft zu liquidiren, denn er fühlte sich außer Stande, dasselbe weiterzuführen, inzwischen hatte er sich aber nach einer Stellung umgesehen, die es ihm ermöglichte, seine Familie zu ernähren. Und es war ihm geglückt, das Unglück des hochgeachteten Mannes hatte die allgemeine Theilnahme erregt, durch Vermittlung eines Bekannten hatte er in der Hauptstadt einen mäßig dotirten Posten gefunden, den er, sobald er die eigenen Geschäfte abgewickelt haben werde, antreten sollte. Es war an dem letzten Sabbat, den die Familie in der Heimath verlebte, ihre Abreise war auf den folgenden Tag bestimmt. In den weiten, ehedem elegant eingerichteten Räumen, sah es öde und leer aus, denn die Einrichtungsstücke waren nahezu sämmtlich entfernt, die meisten waren verkauft, die andern waren in die Residenz geschickt worden, um dort in dem künftigen Heim ausgestellt zu werden. Die kleine Bella hüpfte fröhlich von dem einen Zimmer in das andere, ihr gefiel es jetzt weit besser als früher, sie konnte sich freier bewegen, außerdem freute sie sich aus die bevorstehende Reise. Laut jubelnd tanzte sie mit der Puppe im Arm, der sie von den Freuden, die ihrer in der Hauptstadt warteten, erzählte. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel z« bestehen bei E. F. Stelnacker. Leipzigs Uoßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., fÜr'ö Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: vr. Markus Lehmann jTJ — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oest. - Ungar. Monarchie: Wien. Preßburg. — England: 2mal London. — Feuilleton: Waltungen. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Rabbiner vr. Lehmann — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Karlsruhe. 2mal Frankfurt a. M. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich : Paris. — Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Der Beschluß des Schweizerischen Bundesraths betr. des Schächtens. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: 2mal Mainz. München. Heilbronn. 2mal Berlin. Breslau. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich: Nancy. — Inhalt der belletristischen Beilage: Ein Brief von Berthold Auerbach an Prof. Billroth. — Betteln und Haustreu ist hier verboten, Plauderei. — Illustration: Neue Synagoge zu Ratibor. — _Extra - Beilage: Portrait von Rabbiner Dr. Lehmann Verantwortliche Redaction: Joseph Kahn in Mainz. — Expedition des „Israelit und Jeschurun" Schottstr. Nr. 2, Mainz. Drull und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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