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Der Israelit · 1890-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1890)
Date
1890-04-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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515 ted Synagogue und die spanischen Verwaltungs- Mitglieder Mr. de Castro, Mr. Castello und Count d'Avigdor. Das erste Silencium des Getöses der Versammlung erfolgte durch den feierlichen Vortrag des Minchagebetes von dem Cantor der deutschen Synagoge, (Spital Square-Synagogue) Mr. Ben-Moscheh. Herr Dr. Lerner gewann sich durch sein würdiges Auftreten alle Herzen im Fluge. Die Hauptidee seiner Predigt war ein Hinweis darauf, daß die armen, bedrückten Brüder in den Satzungen der n"nn einen unerschöpflichen Reichrhum besitzen, durch den allein, wie der Redner weitgehend auseindersetzte, die soziale Frage gelöst werden kann; daß aber die Begüterten ihrerseits, gleichwie, (nachdem von ihm angeführten Midrasch- Gleichnisse) , die Sonne ihr Licht an den Mond abgegeben, das heißt nicht nur ihre dürftigen Brüder materiell unterstützen, sondern auch sich den Anordnungen der rron noft fügen müssen, wenn etwas Gedeihliches erzielt werden sollte. Zum Schlüsse soll noch rühmlich erwähnt sein, daß der Rev. Dr. Adler als eine würdige Empfangsceremonie für Herrn Dr. Lerner einen speziell für diese Gelegenheit verfaßten "pat? ’o in den Synagogen der Federation angcordnet hat. Am ersten Tage des nosn Jn wird Herr Dr. Lerner in der deutschen Synagoge predigen. Feuilleton. «klungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung., Die Mutter war jedoch mit halbunterdrücktem Schrei bereits hinausgeeilt, und wenn so gescheidt die Kleine ihren Auftrag auch vollzogen zu haben glaubte, das Erschrecken hatte sie der Mutter doch nicht ersparen können. Aber Frau Bärwald war eine tapfere Frau, die nicht so leicht ihre Fassung verlor. Sobald sie des Gatten ansichtig ward, hatte sie zwar sofort erkannt, daß die Sache weit ernster war, als ihre Tochter sie hatte glauben machen wollen; dennoch erzwang sie ein Lächeln, als sic ihn begrüßte, und mit staunenswerther Umsicht und Gewandtheit vollzog sie dann die Anordnungen des Arztes in Betreff des Lagers und der Pflege des Kranken. Bella unterstützte sie getreulich. Bald war das Bett geordnet, das Bärwald voraussichtlich Wochen lang nicht verlassen durfte. Vorsichtig hoben ihn die Männer, die ihn heraufgetragen hatten, darauf, dann entfernten sie sich. Der Arzt verweilte noch einige Zeit, gab Vorsichtsmaßregeln für die Nacht und versprach am folgenden Morgen wiederzukommen. Als er, begleitet von Frau Bärwald, das Zimmer verlassen hatte, rief der Kranke seine Tochter. Sie eilte zu ihm und fragte nach seinem Begehren. „Bella, mein Kind, ich habe noch nicht Hawdoloh gemacht. Gib den Wein her und die Kerze und das Riechbüchschen." „Aber Papa," rief Bella ängstlich, „Du mußt ganz ruhig liegen, darfst Dich nicht bewegen und auch nicht aufsetzen — der Doctor hat es ausdrücklich und wiederholt gesagt." „Bringe nur das Erforderliche, Kind, so wird die Mama Hawdoloh machen." Als Frau Bärwald gleich darauf in das Zimmer trat, fand sie alles in Bereitschaft, ein Glas war mit Wein gefüllt, die geflochtene Kerze brannte. Mit bebender Stimme sprach sie die für den Sabbatausgang üblichen Segensprüche und ließ am Schluffe die Kerze in einigen Tropfen ausgeschütteten Weines erlöschen. Dann zog sie einen Sessel herbei und ließ sich an dem Bette des Gatten nieder. „Gut' Woch'", sagte dieser, indem er ihr die Hand entgegeustreckte. Sie drückte sie leise und erwiderte den Gruß. „Wie fühlst Du Dich jetzt?" „Gut, ganz gut — ein bischen matt vielleicht — aber Schmerzen habe ich jetzt nicht." „Du solltest zu schlafen versuchen." „Dazu ist's noch immer Zeit, jetzt lasse mich Dich erst ein wenig betrachten." Er blickte forschend in ihr noch immer schönes Angesicht. „Du siehst blaß aus, ich habe Dich erschreckt, das ärgert mich am meisten bei der ganzen dummen Geschichte." Sie lachte auf, er lächelte gleichfalls. „Lasse mir Deine Hand, dann ist mir ganz wohl." Sie reichte ihm wieder ihre Hand, er hielt sie mit der seinen umschlossen, während ihm die Augen wieder zugefallen waren. Frau Bärwald verhielt sich regungslos, um den Schlummer des Kranken nicht zu stören, nur ihre Augen verfolgten die anmuthigen, jedoch lautlosen Bewegungen des jungen Mädchens, das alles für die Nacht Erforderliche in Bereitschaft stellte. — Die Familie hielt keinen Dienstboten, Mutter und Tochter versahen gemeinschaftlich den Haushalt, dennoch herrschte die peinlichste Sauberkeit und Acuratesse in allen Räumen, und auch das Aussehen der Einwohner war keineswegs ein gedrücktes, obgleich die Familie ehedem in ungleich glänzenden Verhältnissen sich befunden hatte. Bella freilich wußte sich dessen kaum zu erinnern, auf sie hatte der Wechsel nicht den geringsten Eindruck gemacht, war

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