Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1890)
- Date
- 1890-04-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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514 unbegründet zurück und bestätigt das erstrichterliche Urtheil. Der Angeklagte habe nach der Ueberzmgung des Gerichtshofes den Beweis der objectiven Unwahrheit für die gegen ihn erhobene Beschuldigung nicht erbracht. Der Präsident beruft sich hiebei auf die Angaben Dr. Lueger's und anderer Zeugen; dagegen seien die Aussagen der Gegenzeugen nicht genug verläßlich, um die elfteren Angaben zu entkräften. Noch weniger könne also behauptet werden, daß der Kläger subjectiv die Unwahrheit gesprochen habe. Was das Strafausmaß betrifft, so habe der erste Richter schon auf die größere Publicktät gebührende Rücksicht genommen, und dasselbe sei in Anbetracht der von der ersten Instanz hervorgehobenen Milderungsumstände genügend gerechtfertigt. Preftburg. Am 20. März starb nach langem Leiden Herr Kallmann Bettelheim. Der Verstorbene war bei seinem Reichthum ein Mann von wahrhafter Frömmigkeit, seltener Herzensgüte und tiefer Gelehrsamkeit. Lange Jahre hindurch war er Vorstandsmitglied der hies. isr. Kultusgemeinde, um welche er sich in den Jahren 1848 und 1849 besonders Verdienste erworben hat. Er war es, der die Gemeinde Papa seinerzeit vom Reformer Dr. Löw befreit, indem seine diesbezüglichen bei dem Kultusministerium unternommenen Schritte von Erfolg gekrönt wurden. Bei dem Leichenbegängnisse, an dem das Rabbinat, der Gesammt-Vorstand und fast alle Mitglieder unserer Gemeinde theilnahmen, hielt Oberrabbiner Schreiber eine tief ergreifende Trauerrede; auch der würdige Sohn des Heimgegangenen und Herr Samuel Donath gaben ihrem Gefühle der Trauer Ausdruck; letzterer im Namen der Wohlthätigkeits- Vereine, die Kallmann Bettelheim stets nach Kräften förderte. .n"a*ün England. London, 30. März. Am gestrigen wurde das hundertjährige Jubiläum des Bestehens der Hauptsynagoge: „Dukes Place - Synagogue“ gefeiert. Der Oberkantor Rev. Mr. Hast eröffnete schon am Freitag Abend die Feier damit, daß er den in der vor 100 Jahren hiezu componirten Melodie sang; auch wurde das zur damaligen Einweihungsfeier gestiftete nar®, das noch gut erhalten ist, aufgehängt. Während des Morgcngottesdienstes war die Synagoge ebenso wie an den heiligsten Festtagen überfüllt, auch der Lord Mayor war anwesend. — Der Chief Rabbi pro temps. Rev. Dr. Hermann Adler '"j wählte den Vers 10 des 48. Psalms zum Texte seiner gediegenen Festrede. Nach der Einleitung erzählte er die Geschichte der Prachtsynagoge, welche noch heute als die Hauptsynagoge der p"p bezeichnet wird. Der Name des Gründers ist Moses Hart von Breslau, welcher die Dukes Place- Synagoge auf eigene Kosten erbaute; dieselbe wurde am Neujahrs- Abend 5482 (— 1722) eingeweiht, besteht demnach schon 168 Jahre. Da indeß in Folge der Zunahme der Gemeindemitglieder das alte Gebäude nicht mehr ansreichte, so mußte dasselbe vollständig niedergerissen werden, um an dessen Stelle einen in Räumlichkeit entsprechenden Neubau aufzuführen, dessen hundertjähriges Bestehen heute gefeiert wird. Zu den Kosten dieses Neubaues spendete Frau Judith Levy, (die Tochter des Gründers Hart), die Summe von viertausend Pfund Sterling. — Der Redner erinnerte ferner an die traurigen Ereignisse der Geschichte der Juden Englands, namentlich an die am mw im 12. Jahrhundert stattgefundene Austreibungsscenen und dankte dem Lenker der Geschicke für die Umwälzungen zu Gunsten der jüdischen Bevölkerung Großbritaniens. Schließlich betete Dr. Adler für das Wohl der städtischen Behörden und der Gesammtgemernde. Ein Bankett wurde nach Beendigung des Gottesdienstes im Gemeindehause veranstaltet. Würde die Gemeinde nicht noch den Schlag, der sie betroffen, zu warm fühlen, so hätte diese Jubiläumsfeier mit weit größerem Pomp ausgeführt werden können. London, 30. März. Der Rabbiner Dr. M. Lerner traf mit der Familie am Mittwoch hier ein und hielt am gestrigen ^>rm mv Nachmittags 4 Uhr feine Antrittsrede. Nachdem die zur Federation gehörenden Synagogen räumlich nicht ausreichend gewesen wären, um die zu erwartende überaus große Menschenmeuge zu fassen, so wurde auf Nachsuchen des Präsidenten Mr. Samuel Montagu (Parlamentsmitglied) die Hauptsynagoge der „Spanischen und Portugiesischen Gemeinde" (Levis Narks-Synagogue), welche die älteste der Londoner Synagogen ist, bereitwilligst seitens der Vorftandschaft der cmcon p"p zur Verfügung gestellt. Doch auch diese schien fast zu enge, um das zahlreich heranströmende Publikum auszunehmen. Sitze, Bänke, Passagen und Treppen, ja selbst die Fenstergesimse blieben nicht verschont von dem Anstürme und der Besatzung der begierig theilnehmenden Menge. Unter den Anwesenden befanden sich der Chief Rabbi pro tem. Rev. Dr. Hermann Adler im Amtsornate, der Präsident Mr. Samuel Montagu und fast sämmtltche Mitglieder des Comits's der Federation, sowie einige des Council's der Uni-