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Der Israelit · 1890-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1890)
Date
1890-04-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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512 mal richtig hebräisch lesen — errichtete er alsbald eine Religionsschule, in welcher die Schüler in der zur Verfügung stehenden ziemlich karg zugemessenen Stundenzahl einen den Verhältnissen und vorhandenen Kräften entsprechenden gediegenen hebräischen Unterricht in echt jüdischem Geiste empfingen. Die Neuheit dieser religiösen Bestrebungen in hiesiger Gemeinde hatte auch viele Anfeindungen und Kämpfe zur Folge; in Wort und Schrift hatte Herr Dr. Lehmann der Angriffe des damaligen Gemeinderabbiners , Herrn Dr. Aub, gar oft sich zu erwehren. Durch seine Energie, seinen rastlosen Eifer für den Glauben, seine von aller Welt bewunderte Liebenswürdigkeit nnw ppm di*?» ums* rmn^ impDi nrnan verstand er alle in den Weg gelegte Hindernisse zu überwinden; von Jahr zu Jahr vermehrten sich seine Anhänger, wuchs die Zahl der Mitglieder der Religionsgesellschast und rang seinen Gegnern Bewunderung und die Anerkennung der Lebensfähigkeit der Religionsgesellschaft ab. Auch die finanzielle Kraft der Religionsgesellschaft, welche die Besoldung ihrer Beamten und die Kosten ihrer Institutionen aus nur freiwilligen Beiträgen bestreiten mußte, nahm zu, und so konnte sie 1855 zur Erbauung einer Synagoge schreiten, welche am 24. September 1856 feierlich eingeweiht wurde. Im November 1859 gründete Dr. Lehmann eine Unterrichtsanstalt (Knaben- und Mädchenschule) für den Unterricht in den religiösen und profanen Disciplinen, die er in ihrer großen Wichtigkeit für die jüdische Religion und den Bestand der Religionsgesellschaft stets sein „liebstes Kind" zu nennen pflegte. (Wir können es uns nicht versagen, bei dieser Gelegenheit an den löbl. Vorstand und die geehrten Mitglieder das Ersuchen zu richten, die Unterrichtsanstalt, die nach 1866 durch das Institut der einjähr. sreiw. Militärberechtigung einen schweren Standpunkt hatte, jetzt, wo nach der offiziellen Rede des preußischen Cultusministers im preußischen Abgeordnetenhause diese Einrichtung der einjährigen Militärberechtigung aus den höheren Unterrichtsanstalten zu beseitigen beabsichtigt wird, dieses „liebste Kind" ihres nunmehr Heimgegangenen Rabbiners mit aller Kraft und Ausbietung aller Mittel zu heben. Das wird das schönste und beste Denkmal sein, das die Religionsgesellschast ihrem hochverehrten dahingeschiedenen Führer setzen kann.) In Folge einer im Jahre 1857 stattgehabten Pulverexplosion bekam die Synogoge starke Risse, die mit den Jahren gefahrdrohend wurden, und da auch im Lause der Zeit die Synagoge die zahlreichen Mitglieder nicht mehr fassen konnte, wurde 1878/79 aus der Stelle der abgerissenen Synagoge ein prachtvolles größeres Gotteshaus errichtet. So war das epochemachende Wirken unseres unvergeßlichen Rabbiners nach Innen und Außen ein segenreiches, das ihm die ungetheilte Liebe und Anerkennung aller Glaubensbrüder und die Hochachtung seiner Mitbürger erwarb. Seine eminente, tiefeindringende Gelehrsanlkeit in dem weiten Meere des Talmuds, in den er viele Jahre hindurch Rabbinatscandidaten einführte, erregten die Bewunderung der Fachmänner; trotz seiner vielseitigen Beschäftigungen, die seine Zeit sehr in Anspruch genommen, unterzog er sich der Mühe, einen in Jerusalem im Manuscript aufgefundenen, seither noch nicht veröffentlichten Commentar des Rabbi Joseph Syrileio zu Jeruschalmi Berachoth nicht nur zu cdiren, sondern auch unter dem Titel avu tnd mit Erläuterungen aus eigener Feder zu versehen. Sein frühzeitiger Tod machte auch mehrere ihm seit Jahren vorschwebende Pläne zunichte; so beabsichtigte er einen populär geschriebenen Commentar über den Pentateuch, eine leichtfaßliche jüdische Geschichte, die das tendenziöse Grätz'sche Geschichtswerk desavouiren sollte, zu verfassen. Seine Wohlthätigkeit gegen Arme ging weit über seine Vermögensverhältnisse, seine Herzensgüte und sein Wohlwollen erstreckte sich über alle Menschen ohne Unterschied der Konfession; dabei war der große Mann von einer unbeschreiblichen Demuth beseelt; stets wich er jeder ihm zugedachten Ovation aus, er duldete es nicht, daß man sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte. Wir könnten noch lange mit der Aufzählung seiner edlen Eigenschaften fortfahren; wir müssen aber, um die Geduld unserer geehrten Leser nicht auf die Probe zu stellen, zum Schluffe eilen und wollen nur noch den Wunsch aussprechen, daß Gott in Seiner Gnade und Güte den Schmerz der trauernden Hinterbliebenen mildern und ihnen Seinen heilsamen Trost verleihen möge! mm onr mpon .o^ipvn p’s ’-w “pna Unser mit ewigem Ruhm bedeckte Rabbiner, Herr Dr. Lehmann weilet nun in den lichten Höhen, *py pa, wo ihm der reichliche Lohn für seine vielen verdienstvollen Thaten zu Theil werden wird, welcher von Gott, dem Allgütigen, für die Frommen bestimmt ist. msjr.

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