Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1890) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1890)
Date
1890-04-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448053--29824-2477574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

511 die Erstarkung des gesetzestreuen Judenthums bezweckten. Uns ist nunmehr die Aufgabe geworden, sein Geifteskiud „den Israelit und Jeschurun" in der gleichen Tendenz und in seinem Sinne fortzusetzen, eine Aufgabe, der wir mit der Hilfe Gottes wie schon seit drei Monaten freudig und mit bestem Wollen und Können auch fernerhin zum Nutzen und Frommen unserer heiligen Religion gerecht zu werden uns bemühen werden, um so auch beizutragen, daß sich an dem Begründer unseres Blattes das Wort bewähre ctay “dtV. Er aber, unser Lehrer, unser Freund, an dessen Seite wir seit 23 Jahren am „Israelit" als Mitarbeiter thätig gewesen, dessen große und edle Geistesanlagen, hohe Eigenschaften und Charakterfestigkeit wir täglich zu bewundern Gelegenheit hatten, m imo mo nann p tnd die „Leuchte Israels", wßi ✓fotp’ Mi »a« »3n, ist nicht mehr; verstummt ist seine belehrende und mahnende Stimme, erlahmt seine nie ermüdende Hand; yrorwo vb'i pa*n fybn „Wehe uns, daß wir diesen großen Mann verloren" ruft mit uns seine in einer 34jährigen glücklichen Ehe ihm zur Seite gestandene Gattin 'nnty, welche ihn in seiner langen Krankheit in der aufopferungsvollsten Weise ununterbrochen Tag und Nacht gepflegt, und seine Kinder, die ganz in seinem Sinne leben, seine Verwandten und seine Gemeinde; ubwi moy r6sj „gefallen ist die Krone unseres Hauptes" bricht puiü" nvia klagend aus. Und Ihr te-w» px «jy, Ihr Armen im h. Lande, weinet, weinet! Ihr habt Einen Euerer treuesten und wohlwollendsten Freunde verloren; ein für Euer Wohlergehen warm fühlendes Herz hat zu schlagen aufgehört; Ihr habt so oft und so andächtig an geheiligter Stätte für seine Genesung gebetet; Gottes weiser Rathschluß hatte es anders bestimmt. Dr. Markus Lehmann wurde am 25. nats 5591 (1831) in Verden (Prov. Hannover) am Tage der Silberhochzeit seiner Eltern geboren. Sein Vater Rabbi Lemuel Aaron Lehmann ein hervorragender Schüler des Rabbi Jecheskel Landau (mirra pu) war der erste Jude, der sich in diesem Städtchen niederlasscn durfte. Selbst ein Talmudist hielt er den jungen Me'tr (Markus) frühzeitig zum Thorastudium an. Nachdem dieser daselbst das damals fast ausschließlich nur von Söhnen adeliger Familien und höherer Beamten besuchte Gymnasium mit großen! Erfolge absolvirt, setzte er seine hebräischen Studien in Halberstadt zu Füßen seines berühmten und von ihm stets hochverehrten Lehrers, vr.Israel Hildesheimer vnuien ur2' *pN' 'n, jetzt Rabbiner der Adaß Jisroel und Rector des Rabbinerseminars in Berlin, fort. Er bezog hierauf die Universität Berlin, wo er nebst seinen philosophischen Studien bei Rabbi Michael Landsberger seine talmudischen Kenntnisse erweiterte. Mächtig zog es ihn alsdann nach Prag, der Stätte, an der sein Vater einen großen Theil seiner Jugendjahre verbracht hatte und dessen Lebenserfahrungen in dieser Stadt einen besondern Reiz auf ihn ausgeübt hatten. Hier vollendete er seine profanen und jüdischen Studien, letztere unter Leitung des als scharfsinniger Talmudist in den weitesten Kreisen bekannten Rabbi Samuel Freund y"j, worauf er in Halle promovirte. Ein Talmud- Thora-Verein, den er in Prag während seines dortigen Aufenthaltes in Verbindung mit mehreren gleichgesinnten jungen Leuten gründete, besteht unseres Wissens noch heute, auch in Berlin war er bei der Gründung einer heute noch blühenden d"p Ehewra betheiligt. Als im Jahre 1853 in der neuerbauten Synagoge der hiesigen Religionsgemeinde eine Orgel aufgestellt wurde, separirte sich eine kleine Anzahl Orthodoxer und gründete die jetzige Religionsgesellschast, an deren Spitze der durch seine tiefe talmudische Gelehrsamkeit in den weitesten Kreisen bekannte Rabbi Samuel Bon di ^"sn, Enkel von Rabbi Herz Scheuer und Schwiegervater unseres theueren Verstorbenen; Rabbi Jakob L e v i ton, Rabbi Moses Reis ton und Rabbi Jsak F nld a 3"» standen. Winzig und klein war damals die Gesellschaft; das erste, was sie unternommen, war, daß sie Herrn vr. Lehmann, der gerade seine Studien vollendet hatte, an ihre Spitze als Rabbiner berief, welcher 1854 am ersten Tag rnav in einem engen Betlokale seine Antrittsrede hielt. Mit dem Beginne seiner Rabbinatsfunktionen brachte vr. Lehmann neues Leben in die hiesigen religiösen Verhältnisse. Seine von echt religiösem Geiste durchdrungenen Predigten, seine in Wort und Sinn formvollendete Rhetorik, die durch ein angenehmes Orgau erhöht wurde, seine von Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Worte p d'nsivi .onan 2hb d'djdji ato erregten nicht nur die Begeisterung seiner Gemeindemitglieder, sondern fanden auch bei Besuchern der Reformsynagoge, welche zahlreich erschienen, um den hervorragenden Kanzelredner zu bewundern, den größten Beifall. Wissend, daß die Erhaltung des jüdischen Glaubens von der religiösen Erziehung der Jugend abhängt, welche damals ganz verwahrlost war — konnten doch selbst Kinder wn talmuwsch gebildeten Vätern nicht ein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.