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Der Israelit · 1890-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1890) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1890)
Date
1890-04-03
Page
– (sequence 28)
Language
German
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504 Sache, begaben sich so schleunig als tbnnlich auf den Weg, wobei sie in erster Linie die Gemeinde Krakau mit ihren vielen berühmten □'riß'? in's Auge gefaßt hatten, und schon nach kaum einer Woche begegnen wir ihnen in dieser Stadt, wo sie bereits bei ihren Fachgenosscn (selbstverständlich ohne Angabe ihres Reiseziels) Anstandsbesnche abstatte- *•"' und wobei sie '"<>r besonders ndlichenAufaaijiui.. zu erfreuen hatten. Am zweiten Tage nach ihrer Ankunft feierte eben ein angesehenerMann dasBeschneidungsfest seines jüngsten Söhnchens, und wurden nebst vielen Gästen auch unsere Reisenden dazu geladen. Im Verlause des Mahles hielt ein zehnjähriger Knabe, ein zweiter Sohst.des Festgebers, wie es damals Sitte war, eine durch seinen Rebbe gut einstudirte Charifus-Drascha, in welcher er unter Andern: drei sehr schwierige Fragen aufstellte, die eine seltene Methodik und eine nicht alltägliche Begabung des eigentlichen Fragestellers verrietyen, welche Fragen aber mit eben solchem Scharfsinn und unterstützt von einer stauilcnswcrthcn f Summe tat musischen Wissens beantwortet wurden, wofür dem jugendlichen Tarschatt ein tausendstimmiges begeistertes Jascher-Koach gezollt wurde. Die drei fremden Gäste aber waren ganz starr vor Erstaunen und blickten einander sprachlos an. „Wie!" brachen sie alle zugleich in Verwunderung aus,„das sind ja die drei herben Fragen, die wir bei uns ausgeschrieben in der Tasche haben, und welche selbst unsere größreit □’.ns} nicht beantworten konnten!!" Sie winkten hierauf den Knaben freundlich zu sich heran. „Bei wem lernst Du mein Kind!" fragten sie. „Dort sitzt mein Rebbe, Reb Schmul," war seine Antwort. Dabei wies er auf ein schmächtiges Männchen, welches sic seitwärts in einem Winkel erblickten. Sie näherten sich ihm ehrerbietig mit der Bitte, ihn besuchen zu dürfen, was er ihnen aber rundweg versagte, „denn sagte er, ich bin ein Taglöhner und darf meine Kinder (Schüler) nicht um eine Minute verkürzen." Diese selbstlose Gewissenhaftigkeit imponirte ihnen itttr noch mehr. Sie boten daher ihre ganze Bercdtsamkeit auf, um ihn zur Gewährung ihres Verlangens zu bewegen. Lange blieb er unerbittlich, endlich konnte er ihrem unablässigen Bitten und Drängen nicht länger widerstehen und betvilligte itincu einen kurzen Besuch aber mtr während der Abenddämmerung, wo seine „Kinder" nichts verlieren. Mit sehnlichster Ungeduld zählten sie die bis dahin fchnekkengängig verrin nendcn Stunden, sich in der Hoffnung wiegend, für diese Qual die so glückliche Ausführung ihrer hohen Mission cinzuheimsen. Genau zur anberaumten Abendstunde sprachen sie bei Reb Schmul vor, indem sie sich als die Abgesandten der Gemeinde Frankfurt lcgitimirten, um ihn als gewählten Rabbiner dieser Gemeinde zuinstalliren. Doch zu ihrer bitteren Enttäuschung leyntc der gute Mann, der arme Melamid, diesen ehrenvollen Antrag ab, „Ich kann doch", motivirte er seine Weigerung, „meine Kinder nicht im Stich lassen und als Frankfurter Rabbiner von hinnen Weggehen. Was soll ans diesen Kindern werden?" Da l>aif nun kein Bitten, kein Zureden. Reb Schmul beharrte steif und unbeugsam bei seinem Ansspruche, und die zurückgewicsenen Abgeordneten mußten schmerzlich betroffen mit langer Rase abzichen. Mit diesem Gefühle zerstörter Hoffnung duldete es sie nicht länger an diesem Drte und in der nächsten, kaum recht angebrochenen Morgen Trciherr v. (Kautsch, österreichischer (Kultusminister. ti« -EI f'.v» * 4 -ki

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