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Der Israelit · 1890-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1890) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1890)
Date
1890-04-03
Page
– (sequence 27)
Language
German
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503 den Zeilen zn lesen braucht, um das Zutreffende meiner Ansicht zu erkennen. Die vorliegenden Zeilen haben den Zweck, den augenblicklichen Stand der Exodus-Forschung in großen Zügen zu schildern. Eine Menge von Einzelheiten bestätigender Natur sind bei Seite gelassen worden, um den Faden der ruhigen Betrachtung nicht zu unterbrechen. Beweise vom Gegentheil brauche ich nicht zu verschweigen, denn solche liegen nicht vor. Der wichtigste Punkt für die künftigen Untersuchungen bleibt vorläufig die Lage von Ramses. Da Herr Naville hofft, im nächsten Winter durch neue Nachgrabungen im englischen Aufträge auch diese offene Frage zu beantworten, so wird es sich zeigen, ob ich im Rechte war, unter der führenden Hand der Denkmalcrinschriften und Papyrustexte einen Platz im Norden vom Krokodilsec für die Ramsesstadt im Voraus zu bezeichnen. Die Wissenschaft und der Spaten werden sich vereinigen, um die Ramses umlagernden Nebel zu zerstreuen. So vereinigen sich also, fügen wir zum Schluffe hinzu, die Angaben der assyrischen Keilinschriften mit denen der egyptischen Denkmäler und Papyrusrollcn, um für die geschichtlichen Angaben der Bibel Zeugnitz abzulegen und deren Glaubwürdigkeit auch von Seiten der nüchternen Geschichtsforschung glänzend darzulegen. Dev Nach verbürgter Quelle erzählt von Ad- Gestetner in Budapest. An einem heiteren Frühlingstage zu Anfang des 17. Jahrhunderts konnte der aufmerksame Beobachter unter der jüdischen Einwohnerschaft in Frankfurt cittc etwas auffällige Bewegung bemerken, die sich fast aus alle Schichten der Stammesgenoffen erstreckte, und deren Grund in einer für heute einberufenen Generalversammlung, bei welcher die Wahl eines religiösen Oberhauptes auf der Tagesordnung stand, zu finden war. Es mutz hiebei gleich erinnert werden, das; die Gemeinde Frankfurt a. M. zur Zeit unserer Geschichte einen weithin strahlenden Glanzpunkt rabbinischer Gelehrsamkeit in Deutschland bildete und somit auch ihre Rabbincn einen Weltruf hatten. — Wenn nun schon unter gewöhnlichen Verhältnissen die Berufung aus diesen Posten an einem Orte wie hier, wo eine auserlesencSchaar scharf ausgeprägter kasuistisch gewandter Talmndisten ihr Lager aufgeschlagen, von vornherein den maßgebenden Factoren viel zu schaffen gab, bis sie das Rechte gclroffen, weil doch nicht mit Leichtem der Berufene zu erwählen war, welcher die Oualification besäße, um gegenüber jenen, auf dem unermeßlichen Gebiete der Kasuistik seiner wartenden, geistigen Gefechte tapfer Stand zu halten, hinlänglich gerüstet wäre; so war es diesmal ein ganz abseits gelegener Umstand, welcher den Wahlact noch um vieles schwieriger, freilich wohl zugleich sehr interessant erscheinen ließ. Der Sachverhalt war folgender. — Ter zu jener Zeit daselbst verstorbene Rabbiner, eine Capacität ersten Ranges, im Genüsse allgemeiner Hochachtung und Beliebtheit*), ließ eines Tages, da er das Ende seiner irdischen Laufbahn herannahen fühlte, den Gemeindevorstand zu sich bitten, um über letztwillige Verfügungen zu berathen. Hiebei kam er auch auf die Einsetzung seines Amtsnachfolgers zu sprechen und äußerte den Wunsch, es möge als solcher derjenige erwählt worden, welcher folgende Probe gut bestehen würde. Er deponirte nämlich zu Händen des Vorstandes eine gesiegelte Schrift, welche drei hochwichtige, talmudifch-halachische, „sehr herbe" Fragen enthält, und derjenige Bewerber, welcher im Stande sein wird, alle drei Fragen mit unanfechtbarer Entschiedenheit zu beantworten, dem werde die RabbinatSwürde als wohlverdienter Preis zuerkannt. Es wurde ihm dieser Wunsch, so sonderbar er auch lautete, ohne Bedenken gewährt; denn man hatte stets zu allen seinen beruflichen Anordnungen in Wort und That das unbedingteste volle *) Nachdruck verboten. **> Nach einer Version war dies der weltberühmie Jesajas H o r o w i tz. Vertrauen und konnte beruhigt bei der einstigen Ernennung eines Nachfolgers diese Probe als richtigen Maßstab gelten lassen. Bald darauf ging er zu seinen Vätern ein, tief betrauert und beklagt von seinen zahlreichen Verehrern. Als nun die Trauerzeit um war und das Bedürfniß nach einem Lehrer und Führer immer fühlbarer ward, berief der Vorstand die vorerwähnte Generalversammlung, zu welcher, nebenbei bemerkt, die Talmndisten in der Gemeinde ein starkes Eontingcnt beistellten, um über den Wahlgegenstand überhaupt, dann insbesondere über die in Rede stehende Schrift mit den drei Fragen Bestimmungen zu treffen, und wie leicht begreiflich sah Alles dem Resultate dieser Verhandlung mit größter Spannung entgegen, auf welche nun die Eingangs gedachte auffällige Bewegung zurückzuführcn ist. Man kannte nur attzngrrt den siebenfach geläuterten Scharfsittn und die gediegenen Fachkenntnisse des Dahingeschiedenen, womit derselbe im Leben die rabbinischen Disciplinen so meisterhaft beherrscht hatte, und hielt sich berechtigt in den drei Preisfragen etwas Außergewöhnliches, etwas Großartiges zu erwarten. Und diese Erwartung ward auch nicht zu Schanden. — Das Schriftstück wurde entsiegelt, der Inhalt laut und verständlich verlesen. Tie anwesenden Talmudiften erkannten beim ersten Ueberblick, daß die drei Fragen in der That sehr problematisch angelegt, und nur sehr schwer oder vielleicht gar nicht zu lösen seien. Da sich jedoch das Ding nicht übers Knie brechen ließ, einigte man sich dahin, daß diese Fragen abschriftlich vervielfältigt und an sämmtliche Talmudgelehrten in der Gemeinde vcrtheilt werden, damit sic dieselben gründlich studieren, und bis zu einer bestimmten Zeit ihre hierüber gewonnenen Ansichten und Urtheile an den Vorstand bekannt geben mögen. — Als nach Ablauf dieses Termins die Urtheile eingegangen waren, u. zw. einstimmig dahin lautend, das; cs wirklich gar sehr harte Nüsse zu knacken gibt, daß die ansgegebenen Themata nach allen Richtungen und Wendungen reiflich durchdacht zu den kopfbrcchcrischcsren unter der Sonne gehören; so ernannte die Versammlung drei der ausgesprochen tüchtigsten Talmudiften in der Gemeinde als Vertrauenspersonen, welche die ehrenhafte Aufgabe erhielten, gemeinschaftlich „auf die Suche" auszngchen nach einem Manne, der im Stande sei die oft bczcichncten drei Fragen geschickt zu lösen, und welchen sie diesfalls kraft einer ihnen documentarisch zu ertheilenden, unbeschränkten Vollmacht im Namen der Gemeinde Frankfurt a. M. zu ihrem Rabbiner zu ernennen ermächtigt sein sollen. Tie Dcputirten, beseelt von Bernfseifer für die gute

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