Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 27-28 (3.4.1890)
- Date
- 1890-04-03
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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«7? W» 502 Metropolis galt, also ohne diese mehr nach Westen bei der Eisenbahnstation Ramses des Herrn von Lesseps gebaute „Vorrathsstadt" zu berühren. Bevor ich sortsahre, lenke ich die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Namen Migdol, der im Hebräischen so viel als Thurm, Festung bedeutet, daher einen allgemeinen Sinn in sich schließt und auf mehrere Festungen ausgedehnt werden kann, wie es thatsächlich die Denkmäler beweisen. Ein Magdolon z. B., die griechische Form des semitischen Wortes, kennen wir aus Herodot. Es lag südwestwarts von Pelusium an der rechten Seite der westlichsten Nilmündung. Der Name Migdol, um auf die Hauptsache zu kommen, kehrt im Egyptischen in einem merkwürdigen Paphrusbriese wieder, der zu den reichen Schätzen der orientalischen Abtheilung des Britischen Musums gehört. Ein königlicher Schreiber stattet nämlich darin einen amtlichen Bericht über den Erfolg einer besonderen Mission ab. Zwei Diener hatten aus irgend welchen Beweggründen den Palast des Königs, ihres Herrn, in Ramses verlassen und ihr Heil oder vielmehr Unheil in der Flucht gesucht. Unser Schreiber, hinter ihnen her, meldet darüber Folgendes in seinem Papyrusbriese : . „Ich hatte die Königshalle des Palastes am 9. Tage „des dritten Monats der Uebcrschwcmmungsjahrcszcit gegen „Abend hin verlassen, hinter den beiden Dienstleuten her. „So wie ich nun die Sperre von Sukkoth am 10. Tage „desselben Monats erreicht hatte, thcilte man mir mit, sie „hätten von der Südrichtung gesprochen, um (damit) zu „sagen, sie wären ant 10. (?) Tage desselben Monats durch „(die Befestigung) gezogen. „So wie ich nun die Befestigung erreicht hatte, theilte „man mir mit, daß der Kutscher, welcher in die Wüste sei- „nen Weg genommen hätte, ^gesagt Hades, sie hätten die „Wallmauer nördlich vom Migdol (der Festung) Königs Seit „Menephthes überstiegen." Das konnte nnr das Migdol des Auszuges gewesen sein, da es mit den biblischen Angaben seiner allgemeinen Lage nach vollkommen übereinstimmt. Nicht minder ist es mir eine neue Bestätigung für die alttestamcntliche Ueberlieferung, daß die nächste Station südwärts von Ramses das Gebiet Thukoth-Sukkoth war, wo eine Sperre (Segol) oder kleine Verschanzung die freie Straße unterbrach. Aus deu Karten steht südlich vom Krokodilsee, auf der rechten Seite des heutigenSüdwassercauales, ein Ruinenhügel verzeichnet, welchem man den Namen des Serapeum gegeben hat, d. h. eines Tempels des unterweltlichen Osiris, wie ihn nach meiner früheren Bemerkung darüber jede größere Provinz besaß. In dem Itinearium Antonim, ein Verzeichnis) der römischen Heerstraßen aus dem dritten Jahrhundert enthaltend, ist der Ort angegeben und seine Entfernung von Hero auf 18 Meilen, das wären 3'/2 deutsche Meilen, bestimmt. Hat Naville Recht in dem Namen des Serapeums von Hero: Pi-ha-kiroht „Die Stadt des Tempels der heiligen Schlange", die egyptische Form des hebräischen Pihachiroth wicdcrzuerkenncn, so wäre ein neuer Beitrag zu dem geographischen Theilc des Auszuges geliefert, dessen Werth nicht zu unterschätzen ist. War ich früher anderer Meinung in Bezug auf die Richtung des Auszuges, den ich, dem Beispiel Schleidens folgend, nach dem Sirbonissee im Norden versetzte, nur allein von spärlichen Andeutungen geographischer Natur in den Inschriften geleitet und ohne Kenntniß einer sicheren Basis für die Bestimmung der Lage von Pitum-Heroopolis, so hat die neueste Ausgrabung meinen ehemaligen Standpunkt geändert. Tenn ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die biblischen Angaben sich auf das Vollkommenste mit deri Denkmälern decken und daß keine Zweifel mehr darüber bestehen können, daß der Auszug auf dem näher bezeichneten Terrain und der Durchgang durch das Schilf-Meer nicht in der Nähe von Sues, sondern im südlichen Theile des heutigen Krokodilsees stattgefunden hatte. Zum Schluß noch ein Wort über das vielgepriesene Land Gosen «Goschen nach der hebräischen Aussprache), das der Pharao des Josef Jacob und seiner eingewanderten Familie angewiesen hatte. Es war das beste Land für ihr großes und kleines Vieh, das hier reiche Weideplätze fand, wie es die biblische Schilderung deutlich erkeuueu läßt. Die siebcnzig Dolmetscher der hebräisch geschrieben» Bibel hatten bereis das Richtige getroffen, indem sic dem Goschen-Namen die zu ihrer Zeit gellende egyptische Form Gesem noch mit dem Zusatz „der (Provinz) Arabia" gegenüberftcllteu. Denn die geographisch so wichtigen Romoslisten bezeichnen mit dem Worte Oesem oder Gesem die Metropole dieser also genannten Provinz, welche im Westen und Süden des Wadi-Tumilat gelegen, einen besonderen Kreis bildete, der sich bis zum rechten Ufer des pclusischcn Nilarmes und bis zum Gebiet von Bubastus ausdchnte und außerdem von dem heliopolitischcn Canal bewässert ward. Die Lage der Metropolis ist durch aufgefundene Denkmäler neuerdings in Folge der Nachgrabungen des Dr. Naville festgestellt worden. Sie nahm die Stelle der heutigen Torfansiedlung Saft ein, deren arabisirter Namen einer altegyptischen Nebenbezeichnung für die Metropole, Sapt, entsprungen ist. Da das arabische Alphabet eines P-Lautes entbehrt, so wird für diesen Buchstaben bei Umschreibung von Fremdwörtern regelmäßig ein F. eingesetzt. Platon wird beispielsweise zu einem Jflatun umgewandelt. Und wieder liefern Denkmäler und Inschriften die wuchtigsten Zeugnisse für die Richtigkeit der biblischen Ueberlieferung. Als König Menephthes, der Pharao des Auszuges, nach dem Tode seines Vaters Ramses II., dessen Tochter das Knäblein Moses im Schilf gefunden und als ihr Pflegekind hatte auferziehen lassen, zur Regierung kam, sah cs schlimm genug in der Egyptcr Land ans. Feinde ringsum, die zu Wasser und zu Lande auf Egypten ciustürmten, bis es dem König gelungen war, im fünften Jahre feiner Regierung die iit das Deltagcbiet eingedrungenen fremden Völker zu überwinden. Auf einem Denkmale, zur Erinnerung an diesen Sieg in Theben aufgestellt und in seinen letzten Resten bis auf den heutigen Tag erhalten, beginnt der Pharo damit, in der eingegrabenen langen Inschrift (leider mit Lücken) den Zustand des Landes vor seiner Zeit zu schildern. Bei dieser Gelegenheit erfährt die Nachwelt, daß seine Widersacher ihre Zelte im Angesicht der Stadt Pibalise (das heutige Bilbeis, auf dem Gebiete der Provinz Gefem-Gosen) aufgeschlagcn hatten, in dem sic einen Graben mit Trinkwasser hcrstellten, der aus dem Canale von Heliopolis (sonst auch „das Wasser der Sonne" genannt) abgegraben war. Kein Helfer stellte sich ein und das Gebiet „blieb als Weideplatz den Viehheerdcn überlassen von Seiten der Ausländer und lag unbebaut da in den Zeiten der Vorfahren. Die Könige des Südens (Oberegyptens) saßen insgesammt bei ihren Gräberbauten.und die Könige des Nordens (Untercgyptens) befanden sich inmitten ihrer Städte, verschanzt in ihrem Schlosse, aus Mangel an Kriegsleuten, und sie besaßen keine Hilfsvölker, um den Feinden die Spitze zu bieten." Die Anspielung auf die Hebräer liegt so deutlich zu Tage und der zur Zeit ihrer Ansiedlung in Gosen hilfsbedürftige Zustand der damals regierenden Pharaos ist so offen darin ausgesprochen, daß der Einsichtige nur zwischen