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Der Israelit · 1890-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1890)
Date
1890-04-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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482 nen, wenn er sich nur die Mühe gegeben hätte, ruhig zu lesen, was ich geschrieben, und mir das Bedauern, ihm idurch meine Zeilen Aerger bereitet zu haben. Daß ich nicht der Bruderschaft angehöre, darin hat Herr L. M. Recht, die große literarische Unkenntniß', die ich demnach über die Existenz noch anderer Statuten an den Tag gelegt habe, rechnet er mir erfreulicher Weise also nicht als Mangel an. Ich habe in der That erst durch ihn erfahren, daß noch andere Statuten sich des Daseins erfreuen, konnte also bei Besprechung der von mir behandelten Schrift mich nur an das hal» ten, was dieselbe sagt und konnte es ohne weitere archivalische Forschungen umsomehr thun, als ich mich über das Materielle der Paragraphen gar nicht verbreitete, sondern einzig und allein den historischen Anhang in nähere Berücksichtigung zog. Wie aber hier die Bemerkung über die „Neuhergezogenen" den Zorn des Herrn Korrespondenten reizen konnte, ist mir völlig unklar. Habe ich damit denselben etwa einen Vorwurf gemacht, der, um mit den Worten unsers Lokaldichters zu reden, in dem Satz gipfelt: „Wie kann e Mensch normt von Frankfort sei?" Habe ich die Männer der Bruderschaft, die Nichtfrankfurter sind, irgendwie als Existenzen zweiter Klasse bezeichnet? Schreiber dieses ist selbst ein „Hergezogener", bei dem also der engherzige Standpunkt von Eingeborenen und Fremden von vornherein ausgeschlossen ist. Wenn ich also, der ich durch mein längeres Wohnen in Frankfurt besser mit der Vergangenheit der hiesigen Verhältnisse bekannt bin, als Leute, die kürzere Zeit hier sind, falsche Vorstellungen bei diesen im Interesse der Wahrheit und im Interesse jener Männer berichtigen will, die für uns gekämpft haben, die es nicht so bequem hatten wie wir, nachdem unter Führung und durch das unsterbliche Verdienst des Rabbiner Hirsch y'sr es dahin gekommen ist, daß eS der größte Muthwille wäre, hier nicht als strengfrommer Jude leben zu wollen, da dies fast kein Opfer kostet — was soll es da heißen, wenn der Herr Korresp. mir da entgegenhält, daß jetzt der Fremde gleichberechtiges Mitglied derKehillay, daß so und so viele Nichtfrankfurter der Bruderschaft angehören, und daß Gottlob die Zeiten vorbei seien, in welchen man den Fremden eine Ecke auf dem o”n n*a refervirt habe u. dgl. — In Paranthese sei bemerkt, daß ich in der Beziehung durch den Herrn Korresp. in meinem Wissen bereichert worden bin, daß man im alten Frankfurt den Fremden eine Ecke auf dem Begräbnißplatz angewiesen habe, wie man es früher — so muß ich es auffassen — etwa mit Selbstmördern gethan. Ich habe immer nur gewußt, daß Frankfurt, das alte, stets Dw yy gewesen, daß es reich an gewesen, daß es sich durch großartiges Wohlthun ausgezeichnet habe, von dem Extrawinkel für Fremde wußte ich bisher nichts. — Wenn ich nun sage, daß der historische Abriß, bereden Statuten beigegeben ist, den weitverbreiteten Jrrthum widerlege, daß durch die Reform die Thätigkeit der Bruderschaft auch nur einen Augenblick unterbrochen worden, und dieselbe erst in neuerer Zeit wiederum zum Leben erweckt worden sei, und „es gerade jenen Männern, die in der Zeit einer reformsüchtigen Verfolgung lebten, zur größten Ehre gereichte, daß sie ohne kräftige Führung, ohne imponirenden Zusammenschluß der, streng religiösen Elemente, allen Stürmen Trotz boten und unentwegt den Pfad gingen, den ihnen ihre Pflicht vorzeichnete" — was will denn auf dieses zielend der Herr Korrespondent mit seinem Hinweis auf die Verdienste des Herrn Rabb. Hirsch!?"m, auf dessen Verdienste um die Erstarkung der Bruderschaften, während ich von deren ununterbrochenen Thätigkeit sprach? Ich hoffe, daß der Herr Korresp. mich nicht wiederum mißversteht und er aus der Thatsache, daß ich überhaupt geantwortet, erkenne, daß es mir nur darum zu thun war, ihn aus einem Mißverständniß zu befreien und damit aus der Erregung, in welche er sich in bedauerlicher Weise hineingelesen und hineingeredet hat. Ratibor, 23. März. Der „Oberschl. Anzeiger" schreibt unter dem 21. d. M.: Rabbiner Dr. Bl u menthal wird alle vier Wochen vor den jüdischen Gefangenen des hiesigen Gefängnisses einen religiös-sittlichen Vortrag halten und am morgigen Sonnabend damit beginnen. Der Erste Staatsanwalt hat die erforderliche Genehmigung ertheilt und einen bestimmten Raum für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Unter den 400 Gefangenen befinden sich fünf israelitischen Bekenntnisses. Die ethische Tendenz jener Versuche, die Gefangenen wieder zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen, ist nur dankbar anzuerkennen. Auch werden die jüdischen Gefangenen am Sabbat von der Arbeit dispensirt. München, 27. März. In der heutigen Kammersitzung ironisirte Minister Crailsheim den gestrigen Centrumsredner (Pfarrer Haus)', der die Aufnahme und Prüfung einer Jüdin in der Lehrerinnenanstalt bemängelte. Der Minister ffagt, er sehe nicht ein, warum die Söhne und Töchter unserer israelitischen Mitbürger nicht in die Staatsanstalten ausgenommen werden sollten.

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