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Der Israelit · 1890-04-03 · Heft 27-28 (3.4.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 27-28 (3.4.1890)
Date
1890-04-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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:.i : 483 Rußland. Warschau. Der bekannte heftige Gegner des Talmud Dr. Portegalow, ein^ Begründer der Sekte „das neue Israel" — veröffentlicht nunmehr eine Apologie des Talmud. Zu dieser plötzlichen Umkehr bewog ihn die Untersuchung der Thierkrankheiten und der Gelehrte fand im Talmud die wichtigsten sanitären Vorschriften, die er nun ans das Wärmste empfiehlt. — Dr. P. bekräftigt seine Ansichten mit Attesten der hervorragendsten Gelehrten. In Kalnszyn, Gouvernement Warschau, wird demnächst ein jüdisches Spital angelegt werden, zu dem der Gubernial-Rath der Wohlthätigkeitsinstitute zu Warschau den bei ihm hinterlegten Fond von R. 13859 46 Kop. bereits bei der Reichsbank deponirte. (Jsr. Wchschr.) Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Hugo fühlte sich sehr bald heimisch im Kreise dieser freundlichen, heitern Menschen, die ihm sümmtlich mit liebevoller Herzlichkeit entgegenkameu. Der Rittmeister mit seinem gutmüthigen Poltern, Frau v. Werner in ihrer milden Freundlichkeit, die jungen Mädchen in ihrer schalkhaften Anmuth und der Sohn mit seinem sanften verbindlichen Wesen, alle bemühten sich um den Knaben, dem, wie sie von Wildau erfahren, Zerstreuung als Arznei verordnet war. Und sie that ihm wohl, diese Arznei. Schon nach wenigen Tagen begann die Farbe zurückzukehren in seine Wangen, seine Augen erhielten wieder ihren funkelnden Glanz, sein Gang, seine ganze Haltung ward wieder elastisch. Tag für Tag fuhr er mit Robert, dem einzigen Sohne des Rittmeisters, in die Residenz, die mannigfachen Sehenswürdigkeiten, die dieselbe bot, zu besichtigen; zuweilen begleiteten sie die Väter, öfters jedoch gingen die jungen Leute allein, wie sie's scherzhaft nannten, auf Abenteuer aus. Das Leben und Treiben der Großstadt war Hugo neu, anfangs kostete es ihn sogar Anstrengung, all den Gefährten auszuweichen, namentlich wo die Straßen sich kreuzten, doch schon, nach wenigen Tagen hatte er sich daran gewöhnt und konnte nun in traulicher Unterhaltung mit dem Freunde die Straßen und Plätze durchwandern. Die prächtigen Auslagen in den Schaufenstern erregten gleichfalls sein Interesse, er hatte dergleichen nie gesehen und konnte sich oft von den Herrlichkeiten nicht trennen. Es war an einem Sonnabend Nachmittag, die jungen Leute befanden sich bereits seit einigen Stunden in der Stadt, sie hatten einige Museen in Augenschein genommen und schlenderten nun, bevor sie den Heimweg antraten, noch durch einige der belebtesten Straßen dahin, als die Auslage einer Kunsthandlung ihnen in die Augen fiel und sie auf einige Minuten fesselte. Es war ein sonniger Tag gewesen, in den Mittagsstunden hatte es sogar gethauct, doch jetzt, als die Dämmerung näher rückte, begann es zu frieren. „Jetzt wird es glatt," sagte Robert, „schau, wie das Pflaster dort glänzt, hast Du einen sichern Tritt?" „O, ich gehe sicher", erwiederte Hugo, indem er sich umwandte und seinen Blick auf die ihm von Robert bczeichneten Pflastersteine lenkte. Sie erglänzten in der That, man sah es deutlich, sie waren von einer Eiskruste überzogen. „Dort muß es in der That glatt sein," fuhr er fort, „und sieh nur, den alten Herrn und das kleine Mädchen, die gerade dort hinübcrgcbcn — wenn sie nur nicht ausgleiten — und sieh! sieh! — dort kommt ein Schlitten gerade aus sie zu — großer Gott! —" Er hatte das Wort kaum ausgesprochen, als der alte Herr, den er so ängstlich mit seinem Blicke begleitete, ausglitt und zu Boden stürzte. Das Kind stieß einen gellenden Schrei aus, doch im selben Moment war Hugo an ihrer Seite, mit einer nahezu unglaublichen Schnelligkeit und wie mit Riesenstärke hatte er den hilflos Daliegenden umfaßt und auf das Trottoir gerissen. Im nächsten Moment sauste der erwähnte Schlitten vorüber, während Hugo jetzt neben dem von ihm Geretteten kniete und ihn auszurichten versuchte. „Es geht nicht," stammelte dieser, „mein Fuß ist gebrochen." Von allen Seiten eilten nun Passanten herbei, die sich um den Verunglückten bemühten und seinen jugendlichen Retter beglückwünschten. „Junger Herr", rief ein robuster Mann, den hochgewachsenen, schlanken Knaben bewundernd betrachtend, „wo haben Sie nur die Geistesgegenwart hergenommen und die erstaunliche Kraft?" Woher er sie genommen hatte? — Hugo wußte es selbst nicht, jetzt lehnte er vollständig erschöpft auf den Arm seines Freundes und blickte auf den Verunglückten, den mehrere theilnehmende Leute vor-

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