Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 27-28 (3.4.1890)
- Date
- 1890-04-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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478 seine nun nicht länger auf ihn allein beschränkte Gottesverkündung vielleicht geeignet gewesen, den Gedanken an eine Belohnung aufkommen zu lassen. Aber zur Zeit geht Abraham kinderlos dahin. Elieser, sein Diener, ist der einzige Verbündete des Abrahamhauses, der den Geist seines Herrn hinausleitet, um auch andere damit zu tränken.2) Die ihm zugesicherte Nachkommenschaft hat ihm Gott ja noch nicht gegeben und der Genosse seines Hauses, der Knecht Abrahams, wird auch für alle Zukunft allein das Abraham-Erbe weiterzutragen berufen sein. Abraham zweifeltZnicht an der ^Erfüllung der ihm eine reiche Nachkommenschaft verheißenden, göttlichen Zusicherung. Auch sein eigener Vater zählte 70 Jahre, als Abraham ihm geboren wurde. Dieses Alter, welches Abraham damals nur um wenige Jahre überschritten hatte, scheint daher der ganz normale Zeitabschnitt gewesen zu sein, der keine Veranlassung bieten konnte, selbst an einer ganz natürlichen ErfüllungZZeines Wunsches zu zweifeln. Abraham gibt daher mit den Worten: yni nru r<b 'b p. „Siehe mir haft^Du keine Nachkommen gewährt", nichts weniger als einem zweifelnden Kleinmuth Ausdruck, sondern der Thatsache, daß dieser sein sehnlichster Wunsch noch der Erfüllung harre. Von der Verwirklichung dieser Verheißung ist Abraham überzeugt, aber vielleicht erfüllt sie sich erst im hohen Alter, kurz vor dem Tode, so daß cs ihm nicht mehr vergönnt wäre, seine Kinder zu Erben seines Geistes und seiner Gesinnung zu erziehen. Diesen Bedenken tritt das Gotteswort entgegen: „Dieser — d. h. dein Knecht — wird dich nicht beerben, sondern ein deinem innersten Wesen Entstammender wird dich beerben", und ihn ins Freie führend, lenkt Gott Abrahams Blick zu den zahllosen Sternen des Himmels mit den Worten: „So wird deine Nachkommenschaft sein!" Dieses Hinausführen ins Freie, erklären die Weisen als ein Hinaustrcten aus der Befangenheit gewöhnlicher menschlicher Berechnungen. Nach diesen wird allerdings ein Knecht der Fortträger des 2) T!'3 p£'D p ist Elieser als Verbündeter des Abrahamhauses. ptrc von pvn wie nmriN Pn riL'tt (Jecheskel 3, 13) und im Talmud Bezah 17. □’£ s'p>L7!2. Auch “)*y’7N wird von den Weisen, Joma, Fol. 28 nicht als Elieser aus Damaskus auigefaßt, sondern als npi^D'l nPn D'TiNP rmno, was nach dem Zusammenhang der ganzen Stelle gerade hier nngemein bezeichnend ist. —'Elieser aus Damaskus müßte übrigens pE'ß“]E ITypN heißen, wie Pwra .DIN Abrahamerbes sein. Wohl, lautet dagegen die Gottesverheißung, sollen Knechte die Herolde des von Abraham erkannten Gottes werden — Drnyi DniN uyi — aber nicht dieser, sondern Abrahams Fleisch und Blut, seine eigenen Kinder, sollen in drückender Knechtschaft in fremdem Lande, das Vorhandensein Gottes in einer Weise manifestiren, die der ganzen Menschheit in ihrem am meisten entwickelten Kulturstaat die Anerkennung des „Gottes- Fingers" abringt. Diese Erleuchtung der die Geister umnachtenden Finsterniß ist es, die seine Nachkommen den Sternen in der Nacht gleichen läßt. Trotz dieser tröstlichen Zusicherung setzt aber Abraham seine Zuversicht nicht in sich und das von ihm geleistete, sondern in Gott. Er sieht diese alle Zeiten umfassende Bedeutsamkeit nicht als Lohn für die Hingebung seines ganzen Lebens an, sondern als eine W o h l t h a t Gottes, deren Größe in keinem Verhältniß zu seinem Thun steht. j'DNro .np“n* fr mwi-pi rrn Die Unabhängigkeit des ungemessenen, alle Zeiten umfassenden Lohnes, von dem was Abraham persönlich für die Gottessache gewirkt, wird besonders durch den Hinweis betont, daß der Boden, auf dem sich das Gott verherrlichende und sein Gesetz verwirklichende Volksleben seiner Nachkommen einst entfalten soll, Abraham schon als Erbtheil verheißen worden war, als er noch am Anfang seiner Sendung stand, als ihn Gott aus Ur-Kasdim führte. -\b nrfr DHEß und TnN3in -,wN 'n 'JN vVn idn'i .nnttn5? nwn jhnh rw Während jedoch die frühere Verheißung lautete, daß Gott seinen Nachkommen dieses Land geben werde, — nun pNn nN ]nx "jjn6 — wird in dieser neuen Verkündung das Land als ein neu zu erbendes Besitzthum bezeichnet. Ein Erbthum setzt jedoch stillschweigend einen früheren Besitzer voraus und dieses ist die bedeutsame neue Wahrheit, die durch diese Mittheilung Abraham eröffnet wird. Geht das Land von einem früheren Besitzer als Erbe in den Besitz der Nachkommen Abrahams über, so muß sich Abraham über die Rechtsmäßigkeit dieses Erbbesitzes auch der Welt gegenüber legitimiren können. Die Frage rutsn’N »a jhn non fragt nach der alle Welt überzeugenden Urkunde, durch welche Abraham sein Erbrecht documentiren könne, sie enthält die Bitte um eine laute, der ganzen Menschheit zugängliche Offenbarung in diesem Sinne, oder geradezu den Wunsch nach Offenbarung der Thora.3 *) 3) JHN nD3 würde dann in dem Sinne von jiHIN HDD zn fassen sein. R. Elieser Aschkenasi, an dessen Ausführungen diese Darstellung anlehnt, verweist in seinem 7| DL^yD D auf