Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1890)
- Date
- 1890-03-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom geitymtfte des Amtsantrittes des Herrn Oberrabbiners wird dem Herrn Dr. Tauber die Jnspecrion des Religionsunterrichtes über einen von der Repräsentanz zu bestimmenden Theil der Volks¬ und Bürgerschulen übertragen und in dieser Eigenschaft der Titel Oberrabbinats-Stellvertreter verliehen. Zur Vermeidung von Mißdeutungen möge in dem Sitzungs-Protokolle ausdrücklich constatirt werden, daß durch den Titel Oberrabbiner-Stellvertreter weitere Funktionen des Gemeinde-Rabbinats als das bereits eingeräumte Trauungsrecht und die vorstehend übertragene Schulinspection nicht begründet werden. Italien. I Florenz. Signor Augusto Franchetti, einer der ersten jüdischen Gelehrten in Italien, ist zum Mitglied der ^eaäemie della Crusa in Florenz, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die ein Gelehrter im Königreich erlangen kann, ernannt worden. Zu derselben Zeit ist Professor Arthur Issel, der hervorragende Geologe, an der Universität Genua angestellt worden, und erhielt er zugleich das Ofsizierspatent des Ordens der Krone von Italien. Derselbe Orden ist dem Signor Elia Mondigliani, dem Erforscher von Australien, in Anerkennung seines Buches, das er über diesen Erdtheil geschrieben, verliehen worden. Dian glaubt, daß Signor Luzzati, der berühmte Nationalöconom, demnächst zum Senator ernannt werden wird. Frankreich. Paris, 25. März. Heute fand die Einsetzung des Großrabbiners von Frankreich Zadok Kahn unter großer Feierlichkeit im Beisein zahlreicher Rabbiner aus dem ganzen Lande, der angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde und der Behörden statt. Türkei. (x Konstantinopel. Lady White, Gemahlin des englischen Botschafters, hat den Vorsitz eines Comitö's übernommen, das einen großen Wohlthätigkeitsball plant. Der Ertrag desselben ist ausschließlich für den Fond des neu zu errichtenden jüdischen Hospitals „Or Hachayim“ in Konstantinopel bestimmt. P a l ä st i n a. Jerusalem. Das in London errichtete Comitä zur Wasserversorgung der S1 adtIeru- 472 s a l e m bestehend aus den Herren Oberst C. W. Wilson, Edm. A. H. Lechmere und Isidore Spielmann, veröffentlicht folgenden Bericht: Allgemein bekannt ist es, daß die Frage, in welcher Weise die Bewohner von Jerusalem mit einer verbesserten Zufuhr von Wasser, genügend zur Bestreitung ihres täglichen Bedarfes früher schon öffentlich besprochen worden ist, ohne irgend bestimmtes Resultat zu erzielen. Unter denen, die in der neueren Zeit versucht haben, der heiligen Stadt diesen Segen zu Theil wcrdeu zu lassen, muß die Baronin Burdett Coutts genannt werden, die vor einigen Jahren sich erboten, die Gesammtkosten der Wasserzufuhr zu tragen; aber einige Bedingungen, welche sie durchzusetzen versuchte, waren den Behörden unannehmbar, und ihre lobenswerthen Bemühungen blieben ohne Erfolg. Daß ein größeres Quantum von Trinkwasser für Jerusalem dringend nöthig wird, ist zweifellos. Der Mangel desselben wurde schon vor 20 Jahren von den Philantropen erkannt; heute, wo die Bevölkerung bedeutend zugenommen hat, ist es durchaus erforderlich, daß zur Beseitigung desselben etwas geschehe. Alle diejenigen, welche in neuerer Zeit Jerusalem besucht haben, bezeugen die Nothlage, in welche namentlich die jüdischen Armen in Folge dieses Wassermangels gerathen sind. Die Stadt wird jetzt hauptsächlich durch die zahlreichen Cisternen versorgt, in die das Regenwasser läuft; da aber auch das Wasser, das während der Regengüsse von Dezember bis März durch die Straßen läuft, aufgesammelt wird, so kann man sich die schlechte Qualität desselben vorstellen. Es kann nur ohne Nachtheil für die Gesundheit getrunken werden, wenn es vorher filtrirt und von den Insekten, die sich darin erzeugen, befreit worden ist. Die Leiden, Mühseligkeiten und die vergrößerte Sterblichkeit, namentlich unter'Kindern, hat hauptsächlich die Aufmerksamkeit aus diese Calamität gelenkt. Um zu ermitteln, wie diesem bestehenden Uebel abzuhelsen ist, hat sich ein Comitö gebildet, welches an Ort und Stelle eine sorgfältige Besichtigung durch einen tüchtigen Ingenieur vornehmen ließ. Der Bericht dieses Herrn ist jetzt eingegangen und das Comito hegt die Hoffnung, daß es in der Lage sein werde, Einrichtungen zu treffen, durch die der Bevölkerung per Kopf 21/2 Gallone reines und gutes Wasser zu verschaffen sei. Obgleich dies Quantum klein erscheint, so würde es doch als unberechenbarer Gewinn für Jerusalem anzusehen sein.