Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1890)
- Date
- 1890-03-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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463 am Hergebrachten hält, weist natürlich keine Verschiedenheiten auf; wo aber die Reform zu arbeiten begonnen bat, da gewinnen wir den Eindruck, den uns etwa eine Landkarte des heiligen römischen Reiches deutscher Nation aus der vorkongreßlichen Zeit bietet. Da finden wir alle möglichen Abstufungen von der Ausmerzung des Jekum Purkan an bis zur radikalen Reform der Mannheimer Gebetordnnng, von der Weglassung einiger Strophen des Iieebo vaudi bis zu den deutschen Segenssprüchen der deutsch recitirten Haftara. Die Konfirmation findet nur laue Betheiligung, selbst in der Hochburg der Reformation, in Mannheim, betheiligen sich fast nur Mädchen an derselben, und die Zahl der Konfirmanden erreicht durchschnittlich die stattliche Zahl von zehn. In manchen Orten wird die Konfirmation nach Bedarf abgehalten, d. h. wenn Konfirmanden sich melden, was bisweilen in mehreren Jahren hintereinander nicht geschieht. In einigen Orten hörte die Konfirmation aus Mangel an Betheiligung auf, nichtsdestoweniger erklären diese Gemeinden eine Wiedereinführung als „wünschenswerth". Wie dies ohne Zwang möglich sein soll, können wir nicht einsehen. Herr Dr. Mayer kommt nun in seinem Nachwort im Interesse eines einheitlichen Gottesdienstes im ganzen Lande zu einem Vorschlag, der allerdings den Reiz der Neuheit für sich hat, sich aber wohl mehr für das gesegnete Land Utopien eignen möchte, als für ernste und reale Verhältnisse. Es soll ein Wechselcötus zwischen orthodoxem und reformirtem Gottesdienst für die Sabbate eingerichtet werden, so daß an einem Sabbat die Reform, am andern die Orthodoxie zur Geltung kommen in steter Reihenfolge; dabei foll kein Zwang angewendet werden. Herr Dr. Mayer mag ein recht guter Jurist sein und es mit der Sache ernst meinen, auch ein Herz für die Sache haben, aber für die vorliegende religiöse Frage hat er nicht das richtige Verständniß bewiesen. — lieber die Schechita hat Herr A. Lev in im Thierschutzverein zu Sagan einen Vortrag gehalten, der unter dem Titel „Der Kriegszug gegen das Schächten" im Druck erschienen ist. (Sagan 1889. Schönborn.) Wir empfehlen diesen nach Form und Inhalt gleich schönen Vortrag allen sich für diese Frage Jnteressirenden. — Die „Populär-wissenschaftlichen Vorträge" von Rabb. Dr. M. H. Friedländer (Brünn 1889 Epstein u. Cte.) enthalten recht lesenswerthe Abhandlungen: 1. Die Talmudverfolgungen; 2. Die religiöse Erziehung der Jugend in der modernen Zeit; 3. Der letzte Repräsentant der spanischen Poetanim des sechszehnten Jahrhunderts" (Israel Negara); 4. Zur Geschichte des mährischen Landrabbinats. Die letztere Abhandlung hat ein aktuelles Interesse; sie zeigt uns, welche Anstrengungen der größere Theil der mährischen Gemeinden, an deren Spitze Brünn, machte, Rabbiner Hirsch nachdem er in Folge eines Rufes der neugegründeten Jsr. Religionsgesellschaft, seine Entlassung dort eingerichtet hatte, umzuftimmen und zum Verbleiben zu bewegen. An dieser Thatsache ändert das citirte Urtheil Wolf's, das von einer gewissen Einseitigkeit nicht frei ist, nichts. — In dem Trauerspiel „Jephtah" (München 1890. Meyerhoff) bekundet Theodor Sylvester ein schätzbares dramatisches Talent; ledoch will uns bedünken, daß das Stück an dramatischem Effekt gewonnen hätte, wenn der Vers, das Opfer der Tochter als Folge eines unüberlegten Gelübdes hätte erscheinen lassen, wie es die Bibel darstellt und nicht als Folge des innern Konflikts zwischen Herrschsucht und Entsagung. Willkürlichkeiten mit der Sprache, die über die Dichterfreiheit hinausgehen, sind bet neueren Dichtern nichts Seltenes; auf solche aufmerksam zu machen, ist im Interesse der Sprache und des Dichters Pflicht des Rezensenten, wenn es auch nur wenige sind; wir merken deßhalb an: „Sein Kampfesmuth entfeuert jedes Blut", „So mürbt im Wechselzug der Grenzwacht sich die Kraft mir a b", und „Mein Arm umschlang Deborahs zitternd Herz", das Herz läßt sich nicht umschlingen. Von der Levirathsehe bekundet der Vers, eine falsche Auffassung. — Für die jüdischen Schulen, vornehmlich Palästinas, hat Herr David Pellin, ein tüchtiger Kenner des Hebräischen und Arab'schen, ein treffliches Lesebuch topo (Jerusalem 4549 a. M.) herausgegeben. Dasselbe enthält Biographien jüd. Größen, Parabeln, Sinnsprüche, den Sprüchen Salomonis, Koheleth und Sirach entnommen, und im Anhänge eine Geographie Palästina's. Der Vorzug dieses Buches ist die biblische Sprache, sowohl in Kürze als auch im Ausdruck; es ist hier nicht die längere Periode des Neuhebrätschen angewendet, sondern die kurze Versform, wie sie die Bibel kennt. Herr Aellin, der auch am jüdischen Waisenhause in Jerusalem unterrichtet, ist uns als guter Pädagoge bekannt. — Für das Peßachfest bringt uns Herr Rabbiner Chajim Kn oller in Przmysl eine neue Auflage des B'Tffn *w mit den Erklärungen Raschi's, Toldoth Aharon, Mezudoth David, Mezudoth Zion, vollständiger Erklärung Alscheichs und dem eigenen Kommentar des Herausgebers Peri chadasch. Wir empfehlen das schön ausgestattete Werk.