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Der Israelit · 1890-03-27 · Heft 25 (27.3.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 25 (27.3.1890)
Date
1890-03-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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451 Laufe des verflossenen Jahres Mk. 12.275 zurVertheilung gelangten. Unsere bisherigen Gönner bitten wir unter Bezeigung unseres herzlichen Dankes um die Fortdauer ihres Wohlwollens, damit unser gutes Werk weiter gedeihe und an Kraft und Ausdehnung gewinne! Frankreich. Paris. Monatsbericht Januar der „All. Jsr. Univ." (Israeliten Rußlands.) Aus dem Dezemberbericht konnte man ersehen, daß den isr. Advokaten große Einschränkungen auferlegt worden seien. Diese Dispositionen sind in etwas gemildert worden. Diejenigen jüngeren Advokaten, welche noch nicht selbst etablirt sind, sondern bei anderen Advokaten arbeiten oder selbst für dieselben plaidiren, dürfen mit einer, alle Jahre zu erneuernden Erlaubniß des Gerichtshofes diesen Beschäftigungen nachgehen. Der competertte Minister hat den jetzt bereits thätigen Assessoren das Recht zuertheilt, ihre Thätigkeit fortzusetzen ohne weitere Autorisation. (Israeliten Persiens.) Es gibt wenig Länder, in denen die Israeliten so unglücklich sind, wie in Persien. Die socialen Zustände dieses noch halb barbarischen Reiches, seine Entfernung von civilisirteu Centren, seine sehr primitive politische Organisation, der Fanatismus der Mohamcdaner, die Unwissenheit der Beamten sind schuld, daß die Israeliten häufigen Gewaltthaten, die fast niemals unterdrückt werden, ausgesetzt sind. Nur wegen ihrer großen Bescheidenheit, der Entbehrungen und Opfer, die sie sich auferlegen, werden sie von der Bevölkerung geduldet. Man erfährt in Europa nur selten von den ihnen zugefügten Mißhandlungen, den Angriffen, Mordthaten, denen sie zum Opfer fallen. Nur wenn ihre Lage ganz besonders unerträglich wird, wenden sie sich an ihre europäischen Glaubensgenossen, um Hilfe zu erbitten; auf diese Weise hat das Central-Comite kürzlich einen in hebräischer Sprache abgefaßten Brief ans Jspahan erhalten, mit dem Bericht eines Vorgangs, der sich in sder Nähe dieser Stadt zugetragen, und die ernsttesten Folgen für die Israeliten herbeiführte. In der Nähe von Jspahan, in einem Dorfe Namens Sangan, befindet sich ein von den Juden heilig gehaltener Platz, wo einstmals Serach, die Tochter des Patriarchen Ascher, erschienen sein soll; der Ort ist seit undenklichen Zeiten eine Wallfahrtsstätte für die persischen Israeliten. Am vorigen 10. August, einem Sabbat, kamen Muselmänner mit der Anklage gegen die Pilger, einen mohamedanischen Richter geschlagen, mit Steinen beworfen, i Wein und Branntwein in einer Moschee vergossen zu haben. Zweihundert Menschen warfen sich auf die Pilger, (von denen die Meisten aus Jspahan waren) schlugen dieselben, und ungefähr hundert Inden hatten zerbrochene Hände und Beine; alle anderen wurden verwundet. Wir flohen in der Nacht nach Jspahan, aber die Verleumdung verbreitete sich in der Stadt, und am nächsten Tage ßcrietli die Sladt in Aufruhr: mau schlug uns auf den Straßen und Plätzen. Auch am folgenden Tage fielen sie über uns her und mißhandelten uns; wir mußten uns verstecken, ohne selbst Nahrungsmittel herbciholen zu können. Zwei Juden, die cs wagten, sich zu zeigen, wurden todtgeschlagen; ihre Leichen wurden den ganzen Tag in der Stadt und im Judenviertel herumgeschleift, wo sie endlich verbrannt werden sollten; doch die Nacht kam herbei und man beschränkte sich darauf sie liegen zu lassen. Am nächsten Tage, neue Angriffe: jüdische Frauen wurden entehrt, und muselmännische Richter verfaßten eine Petition, die sie Unterzeichneten, und die dahin lautete, daß alle Juden ausgeroltet werden müßten. Sie brachten dieses Schriftstück dem Prinzen Zil- Sultan, Sohn des Schah's, doch weigerte sich derselbe die Petition anzunehmen; und nachdem er erfahren, was sich zugetragen hatte, ließ er drei der bedeutenderen Israeliten kommen, beschenkte sie mit Kleidungsstücken und ließ sie unter dem Schutz von Soldaten zurückgeleiten. Doch die Mißhandlungen dauerten fort. Christliche Priester haben sich große Mühe gegeben, uns beizustehen, und an ihrer Spitze Mirza Norolloh, der mehreren das Leben rettete und uns noch immer hilft. Am 5. Oktober 1889 schlug ein Muselmann einen Juden; es erfolgte ein Auflauf, und die Mohamedaner behaupteten, der Jude hätte ihren Glaubensgenossen geschlagen; alsbald verbreitete sich das Gerücht, ein Jude hätte einen Muselmann erschlagen; es erfolgte ein Volksausstand; viele Juden wurden erschlagen, ihre Häuser geplündert, und ohne die Hilfe des Sohnes Se. Majestät, der uns zu Hilfe kam, wären wir alle umgcbracht worden. Der Fürst begab sich nach Teheran, und wir legten ihm unsere Klagen an's Herz. Noch heute können wir uns nicht in Straßen und Plätze wagen und besonders nicht in die benachbarten Dörfer, ohne uns dem Tode auszusetzen. Lebten sie nicht in der Furcht, Zahlung leisten zu müssen für das vergossene Blut, würden sie uns wie die Hühner abschlachten. Wir flehen Sie an, von S. M. dem Schah zu erbitten, daß er uns gestattet, unsere Häuser zu verkaufen und in einer anderen Stadt uns nicderzulaffen. (Fortsetzung folgt.)

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