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Der Israelit · 1890-03-27 · Heft 25 (27.3.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 25 (27.3.1890)
Date
1890-03-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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450 Werden und verschweigt, daß an Schulen, welche von 300 jüdischen Schülern besucht werden, kein einziger jüdischer Lehrer angestellt ist, daß der jüdische Religionslehrer nur geduldet wird, daß der jüdische Religionsunterricht nur facultativ ist, und daß aus die jüdischen Schüler, ihre Sabbate und Feiertage gar keine Rücksicht genommen wird. Ja wir dürfen kühn behaupten, daß die Partei des Agitators die Religonslosigkeit eines großen Theiles der jüdischen Jugend auf dem Gewissen hat. Sie ist es, welche ans den gutgesinnten christlichen Lehrer einen moralischen Zwang ausübt und ihn zu dieser unchristlichen Intoleranz den jüdischen Schülern gegenüber treibt, sie allein verschuldet den „frivolen Ton", wenn ein solcher vorhanden ist.— Bezüglich der „verhängnißvollcn Rolle", die einzelne Juden spielen sollen, müssen wir offen und ehrlich wiederholt bekennen, daß wir als Bekenntnißgemeinschaft für die Thorheiten des Einzelnen keine Verantwortung tragen. Wir weisen jeden Vorwurf, der uns um einzelner Heißsporne willen, die mit dem jüdischen Bekenntnisse vollends gebrochen haben, mit aller Entschiedenheit zurück. Wir würden beispielsweise einen öffentlichen Beamten, einen Diener unseres Cnltus, ganz besonders aber einen Geistlichen kerne Stunde in seinen Funktionen belassen, wenn derselbe sich erdreisten würde, eine solche kühne Sprache gegen die Beamten seiner Majestät zu führen, wie cs ein wohlgekannter protestantischer Geistlicher des öftern gewagt. Wir Diener der jüdischen Religion arbeiten mit derselben Gluth und derselben Begeisterung um ein junges Geschlecht heranzubilden, das für König und Vaterland seinen letzten Blutstropfen hingeben soll, wie der reichdotirte protestantische Hofprediger und werden in diesem Streben und diesem Eifer nicht erlahmen, selbst wenn die Brandreden sich noch öfter wiederholen und der dröhnende Beifallssturm der Conservativen nicht verstummen wird. Unsere Liebe zur Wahrheit und unser treues Stehen zum Vaterlande wurzelt in unserem heiligen Bekenntnisse und wird unsere Hasser und deren Wahn überdauern. AV. Berlin, 25. März. Der bekannte Geschichts- und Portraitmaler Heinrich B urck hat von Sr. Majestät dem Kaiser den Auftrag erhalten allerhöchstdessen Bildniß für das „K. Sächsische II. Grenadier-Regiment Nr. 101 Kaiser Wilhelm I., König von Preußen, zu malen. W. Berlin, 25. März. Von der Toleranz und dem Gerechtigkeitssinn unseres jungen Kaisers macht in militärischen Kreisen eine jüngst gefallene Aeußerung Allerhöchstdesselben viel von sich reden. Dem Kaiser fielen bei einer Besichtigung des Militärs und zwar bei einem Vorbeimarsch zwei Einjährige durch ihre vorzügliche Haltung auf. Plötzlich ries er den Vorgesetzten zu sich heran und srug wie lange dieselben schon dienen; acht Monate, war die Antwort, die der Kaiser erhielt. Warum frng derselbe weiter, haben dieselben „die Knöpfe" nicht erhalten? „Es sind Juden, Majestät." Entrüstet entgegnete der Kaiser: „Ich kenne keine Juden in meiner Armee, ich kenne nur Soldaten!" Frankfurt a. M. Dem Bericht zur Feier des fünsnndzwanzigjührigeu Jubelfestes, zugleich Rechenschaftsbericht für dasJahr 1889, der „Achawa", Verein zur Ur.terstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und-Waisen in Deutschland entnehmen wir: Das erste Vierteljahrhundert des Bestehens unserer Achawa liegt hinter uns; ein Rückblick aus das Ergebniß unserer sünfundzwanzigjährigen Thätigkeit darf ein Gefühl der Zufriedenheit in uns wachrufen. Aus kleinem und unbedeutendem Anfänge ist unsere Achawa zu einer achtunggebietenden Stellung emporgewachscn. Wir sind dem Ziele unserer Ausgabe näher gekommen und blicken mit Befriedigung ans unser trotz mannigfacher Hemmnisse allmählich zur Blüthe gelangtes Werk. Die Leistungen der Achawa in dem abgelanfeuen ersten Vierteljahrhundert sind ganz bedeutend. An Unterstützungen sind 152.878 Mark verausgabt worden. Ziehen wir ferner in Betracht, daß sich unser Vereinsvermögeu nach der Nennwerthberechnung am Schluffe dieses Jahres auf nahezu M. 164.000 belaufen lvird, so haben wir gewiß allen Grund, den Bestand unserer Achawa für gesichert halten zu dürfen und mit Vertrauen und Zuversicht auf deren ferneres segensvollcs Wirken in die Zukunft zu blicken. Die Zahl der activen Mitglieder belief sich am Ende des Jahres 1888 auf 278. Durch den Tod verloren wir 6, ferner 2 durch freiwilligen Austritt. Durch den Eintritt von 22 neuen Mitgliedern wuchs die Zahl der activen Mitglieder bei Beginn dieses Jahres auf 292. Durch den Beitritt einer größeren Zahl von Ehrenmitgliedern in den Städten Alzey, Augsburg, Cassel, Fürth, Hamburg und Hannover hob sich die Anzahl derselben auf 929. Ans dem Reservefond verabreichten wir in 30 Fällen zusammen Mk. 1950; die Summe der Jahresuuterstützungen betrug Mk. 10.325, sodaß im

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