Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 25 (27.3.1890)
- Date
- 1890-03-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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446 anpassen, dem Geschmacke Derjenigen, die sich achtlos vom Geräusch lauter Phrasen und Schlagwörter zum Glauben an trügerischen, wenn auch schönen Phantome, bestimmen lassen, und dem entsprechend unser erbetenes Gutachten sormuliren, — so brauchten wir nicht in großem Sinnen und Nachhuten über die fraglicbe Antwort zu gerathen. Durch ein leichtfertiges Votum könnten wir viele Anhänger auch in jenen Kreisen gewinnen, die gegenwärtig, ohne uns zu verstehen, oder verstehen zu wollen, mit der abscheulichen Gehässigkeit, gegen den „Woschod" agilircn. Allein unser Gewissen hindert uns, mit dem Schicksal Derer zu spielen, die, an uns mit Anfragen sich wendend, uns ihr Vertrauen schenken, — deren zukünftiges Geschick und Wohlergehen also möglicherweise von unserem voreilig geäußerten Worte, abhängt und demnach sich gestalten möchte. Aber wir betrachten uns zugleich auch nicht als unfehlbar, als daß wir uns anmaßen sollten, im gegebenen Falle eine entschieden zutreffende Antwort geben zu können, umsomehr Letztere nicht für jeden Emigranten in sxa, irrelevant und gleichlautend sein kann. Es kommen hierbei in Betracht sowohl die äußeren Verhältnisse des Betreffenden, wie auch sein innerliches individuelles Wesen, so zu sagen, lein, Charakter und Temperament , denen die gebührliche würdige Beachtung und Berücksichtigung gezollt werden müssen. Und, indem wir die Differenz und Varietät der äußeren Umstände, wie auch der internen Momente, die Verschiedenartigkeit der gehegten Intentionen und vorgesteckten, verfolgten Ziele der emigratiouslustigen Leute in Erwägung ziehen, — können wir vorläufig nach Eingebung unseres Verstandes und Gewissens lediglich nachstehende Antwort geben: Diejenigen, die im Besitze von nicht allznbedentenden Mitteln sind und blos einen praktischen Zweck im Auge haben — sich ein erträgliches arbeitvolles Leben zu gründen, die ferner, ohne ihrer Verwirklichung fernstehenden Jllussionen nachznhängen, blos auf eine positive Hingabe der Landarbeit, um sich dadurch eine leidliche Existenz zu sichern, abseheu, die mögen sich nach Amerika begeben. Diejenigen aber, die ohne von praktischen Gesichtspunkten auszugehen, zunächst blos von einem platonischen Idealismus, einem, so zu sagen, frommen Herzenszuge nach den Schauplätzen einstmaligen Ruhm's und Größe der jüdischen Nation, — beseelt und geleitet werden, nebenbei aber auch mit den nöthigen materiellen Mitteln zur Befriedigung dieser ihrer, jedenfalls herrlichen und lobeuswerthen Gefühle versorgt sind — diese mögen nach Palästina gehen, und eine, so zu sagen, lebendige Kette mit unserer historischen glanzvollen Vergangenheit bilden. DaS vorläufig unser Dafürhalten und unsere Antwort ans die uns zugehenden Anfragen. Wir sagen „vorläufig", weil sich voraussichtlich, schon in nächster Zeit, ans den Spalten des „Woschod" die wahre Lage sowohl der jüdischen Colonien speziell, luic auch die palästincnsichen Angelegenheiten im Allgemeinen, durch die Berichte des von uns eigens dahin entsandten Mitarbeiters, eines sachverständigen Mannes, aufklüren wird, und wir dann im Stande sein werden, in stricterer Form über diesen Gegenstand zu sprecheu." Ter „Hameliz" bringt au leitender Stelle folgende Notiz: „Durch Fürsprache des Herrn Rcdacteurs Zederbanms ist dieser Tage seitens des Herrn Ministers des Innern die obrigkeitliche Genehmigung zur Gründung eines „Palästina -Vereiils" in Odessa erfolgt. Nach und nach macht sich die nachtheilige Wirkung geltend, die die Anfnahmebeschränkung jüdischer Schüler in den Lehranstalten, auf Letztere aiisüben. So wird d>r „Nowojc Wremja" aus Keusch geschrieben, daß, solange die jüdische Bevölkerung zur Schülersregnenz des dortigen Gymnasiums, ein erhebliches Eontingent stellte, konnte Letzteres noch Stand halten, seit jedoch diesem Einwohiierschaftselemente der Zutritt ins Gymnasium erschwert, oder gänzlich unmöglich gemacht wird, sing dasselbe ein vegetirendes Dasein zu fristen an, so daß es gegenwärteg äitßerst spärlich besucht wird mib einer baldigen Schließung gewärtig sein kann. — Man darf nicht vergessen, daß dies in der j u d e n fre sse nden „Now. Wremja" geschrieben wird, die in erheucheltem Patriotismus, stets nur immer für „Beschränkungen" der Israeliten, eine Lanze blicht. r i > m i i i ■ ,„11,1 ...i Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Nott. (,>-ortschu»g.; Sie begaben sich hinunter in das überaus freundlich eingerichtete Zimmer, wo durch den Glunmeraufsatz des Ofens ein Helles Feuer ihnen entgegenleuchtete, und alle Gegenstände des freundlichen, anheimelnden Raumes in mildem Scheine sichtbar wurden. Unwillkürlich wandte sich Wildau's Blick auf das Kanapee, auf dem ehedem die treue Ge-