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Der Israelit · 1890-03-27 · Heft 25 (27.3.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 25 (27.3.1890)
Date
1890-03-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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445 Jahre als Retter und Erlöser vergötterten. Und darum braucht die gute Sache auch den vollkommenen Sieg dieser Partei nicht zu scheuen. Was ihren Gegnern trotz des Aufgebotes aller Kräfte nicht gelang: die Zertrümmerung dieser das öffentliche Leben vergiftenden Partei, das werden sie selbst dann pünktlich besorgen. Wie cs Brände gibt, bei welchen die Losung: „Ausbrennen lassen: die allein mögliche ist, so scheint es auch in diesem Falle. Ohne Schaden und Wunden ist das Mittel allerdings nicht anzuwenden, doch die Wählerschaft hat kein Recht, darüber zu klagen, sie hat es so gewollt. Wien. Der berühmte Pädagoge Di'. Dittes äußerte sich am 6. d. M. in einer Wählerversammlung im 3. Bezirke über den Antisemitismus in folgender Weise: „Ich bin der Meinung, daß derselbe nichts anderes bedeutet, als die grundsätzliche Mißgunst und den grundsätzlichen Hatz gegen die Juden aus Gründen der Coufessioualität und der Nationalität. Von diesem Standpunkte sei er ein entschiedener Gegner des Antisemitismus, der allen Forderungen der Vernunft und allen Forderungen des unverdorbenen Herzens zuwiderlaufe. Er sei weder Judenknecht noch Judenfeind, doch wenn er sich die Geschichte vor Auge halte, dann begreife er Alles, und Alles begreifen heißt Alles verzeihen. Jetzt, gelegentlich der Wahlen, lassen einzelne der Antisemiten von ihrem Antisemitismus tropfenweise etwas ab und sagen, dem kleinen Inden, dem wollen sie nichts anthun, sie seien nur gegen die großen Juden. Dem gegenüber, meint der Redner, sei es Pflicht, einzutreten für die kleinen Christen wie für die kleinen Juden, auszutreten gegen die großen Christen wie gegen die großen Juden. Warum sprechen die Herren immer von den großen Juden, warum nicht von der „tobten Hand", von den Feudalherren, die doch auch viel Geld besitzen, das ebenfalls aus dem Volk erworben wurdet Gleiches Recht für Alle — dieses Prinzip habe obenan zu stehen. Dies sei sein Programm, und wenn die Wählerschaft diesem zustimme, dann bitte er um ihre Stimmen. Budapest. In der letzten Sitzung der 2. Classe der Akademie machte nach Schluß der Vorträge der Akademie-Präsident Baron Roland Eötvös die Mittheilung, daß Herr Sigmund Schosberger de Toruya der ungarischen Akademie der Wissenschaften ein Capital von fl. 10.000 ö. W. zu dem Zwecke gegeben, daß die jährlichen Zinsen desselben zur Herausgabe von Werken bedeutender nationalökonomischer Schriftsteller des Auslandes in unga-; rischer Sprache verwendet werden. Die Bersami vielten brachen in begeisterte -Eljenrufe aus. Die nächste Plenarsitzung wird dem hochherzigen Spen-! der den Dank der Akademie votiren. Rußland. J-a. B-l. Lt. Petersburg. In einer seiner jüngsten Leitartikel nimmt der „Woschod" zu der in Fluß befindlichen Frage Stellung, welcher Staat für die Maffenemigrarion der russischen Juden wohl am geeignetsten sei? Angesichts des weitgehenden Interesses des bercgtcn Themas, erachten wir es für angezeigt, besagten Artikel vollinhaltlich zu reprodnciren. „Immer häufiger und häufiger", schreibt der „Woschod", „wird an uns die Frage gerichtet: ob überhaupt, speziell aber wohin, zu emigriren sei? nach Palästina, oder Amerika? Derartige Anfragen lausen bei uns fasttagtäglich ein, und wir brauchen wohl kaum zu erörtern, welche Gefühle uns bei deren Lektüre anwandeln. Ist nicht wahrlich höchst seltsam die Erscheinung, daß Leute, welche gewillt sind, ihre Kräfte der praktischen Landarbeit zu widmen, ja sogar mit hinlänglichen Mitteln zum Erwerbe des erforderlichen Bodens, ausgestattet sind, infolge eines geradezu unfaßbaren fatalen Mißverständnisses genöthigt sind, dem heimathlichen Boden Valet zu sagen nnd in die Fremde zu gehen, während diese Heimath selbst noch sehr colonisatiousbedürftig ist, und so kolossale Strecken von wüsten, jungfräulichen Ländereien aufzuweisen hat, die der Urbarmachung durch die Hand des Pflügers harren." Am Bedauerlichsten aber ist, daß vorderhand nicht mehr die Frage bezüglich der Rathsamkeit der Auswanderung, aufgeworfen wird, über deren Nothwendiakeit und Unvermeidlichkeit, bei den Interessenten, sichtbar nicht der leiseste Zweifel obwaltet, man informirt sich blos, welche Richtung die nunmehr unumgängliche Emigration einschlagen solle, wohin sie ihren Weg zu nehmen habe? Das will sagen, — die Leute haben jede Hoffnung aus ein leidliches Unterkommen im Vaterlande als aussichtslos aufgegeben, — und eben diese Thatsache ist angethan, eine höchst traurige Gemüthsstimmung bei Jedermann hervorznrufen. Ja, immer öfter und öfter wird die Frage laut: hie Amerika, hie Argentinien, hie Afrika, hie Palästina, — wie sich in dieser Alternative zurechtfinden, wohin emigriren? Vorherrschend jedoch bewegt sich die Frage um Amerika und Palästina. Welche Antwort können wir darauf ertheilen? Freilich, wollten wir uns dem Geschmacke der Masse

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