Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 25 (27.3.1890)
- Date
- 1890-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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430 wilden Jagd nach Erwerb und Genuß findet diesen Ruf immer unbegreiflicher und maßt sich an, in ihm eine «nberechtigte Zumuthung zu erblicken. Da gehört Muth dazu, unter diesen geräuschvoll austretenden und so selbstverständlich scheinenden Ansprüchen des täglichen Lebens, dem älteren Anspruch Gottes und Seines sanften Friedensboten nicht nur Gehör zu schenken, sondern ihm willigen, freudigen Gehorsani entgegenzubringen. Es gehört Muth dazu, treu und fest in seiner von den Vätern überkommenen Ueberzeugung auszuharren, wo dieselbe so schroff mit der ganzen Strömung contrastirt, und diese Ueberzeugung nun in der Erziehung der Kinder, in der Führung seines Geschäftes entschieden zum Ausdruck zu bringen. Wer dieses inat« na» r6iy, dieses Opfer, welches jeder Sabbat neu verlangt, freudig bringen will, der muß sich von den Götzen unserer Zeit emancipiren, der muß den Muth haben, sie nach dem leuchtenden Vorbild unserer Väter, Angesichts ihrer Verehrer zu binden, wenn er das große Wunder auch an sich erfahren will, dessen Gedächtniß der Sabbat Haggadol verewigt. Die Götzen, denen die alten Egypter huldigten, die Götter, denen die Kinder unserer Zeit alles hingeben, diese gerade opferte und opfert der Jude seinem Gotte. Freilich knirschten und knirschen die Priester und Verehrer aller Götzen hierüber die Zähne, aber sie bekunden damit nur ihre Machtlosigkeit und die ihrer Idole. Erst wenn diese Götter überwunden sind, wird Ruhe und Friede im Kreise der Menschen heimisch werden. Dieses tröstliche Bewußtsein veranschaulichten unsere Ahnen, indem sie das Opfer, das sie Gott mit den gefesselten Götzen ihrer Zeit brachten, an ihre Ruhestätte banden. Die entfesselten Götter verwandeln unsere Rnhestätten in ein Pfühl voll Unruhe und Sorgen, aber daß unsere Lagerstätten uns wirklich Ruhe und Befriedigung bringen, dafür gibt es keine bessere Garantie, als die Fesseln, die wir den Dämonen der Habsucht und Genußsucht anlegen. Das war das große Wunder des Sabbat Haggadol. — Diese Gesinnung und diese That, machten den Sabbat groß, der sie zum ersten Male lehrte, und stellen noch heute diejenigen, die sich von ihr durchdrungen wissen, hoch über das niedere Weltgetriebe, das keine höheren Ziele als Erwerb und Genuß kennt. Mit diesem Geist möchte uns der sinnige Brauch der Väter ausrüsten, wenn er uns alljährlich erinnert, daß nur er zum Feste unserer Freiheit führt, daß erst der Sabbat Haggadol vorangegangen sein muß, wenn Pesach folgen soll. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin. Zur Interpellation des Abgeordneten Zell über die Fernhaltung jüdischer Mitbürger vom Schöffen- und Geschworenenamte gehen dem „Berl. Tgbl." aus den verschiedensten Theilen des Landes Mitteilungen zu, welche die Beschwerde des freisinnigen Abgeordneten bestätigen, so aus Flatow in Westpreußen, aus dem ostpreußischen Kreise Braunsberg, aus Kattowitz in Oberschlesien, aus Oberglogau, Arnswalde, Eisleben und anderen Orten, wo die Uebergehung der jüdischen Bürger bei der Besetzung der bezeichneten Aemter seit langen Jahren aufgefallen sein soll. Graudenz. In diesem Jahre feierte der hiesige israelitische Frauenverein sein 25jähriges Bestehen. Die erfreulichen Resultate, die der Verein in dem Vierteljahrhundert erzielte, verdankt er dem gemeinschaftlichen Zusammenwirken seiner Mitglieder, und alle die ihm Unterstützung angedeihen lassen, sind mit der Befriedigung erfüllt, daß durch diesen Verein schon manche Thräne getrocknet, manches Elend gelindert wurde. Zum Besten des Vereins wurde eine Verloosung veranstaltet, die der Cafse wohl einen Ueberschuß von 700 Mark zuführen konnte. Prachtvolle Gewinne wurden von den Mitgliedern dem Vereine zur Verfügung gestellt. Frankfurt a. M., 25. März. Man schreibt uns: Gestatten Sie, geehrter Herr Redacteur, einige sachliche Bemerkungen zu dem Artikel „Die Bruderschaft der Gomle Chassadim in Frankfurt a. M." in Nr. 23 Ihres geschätzten Blattes. Ihr Herr Recensent des darin besprochenen neuen Werkes scheint kein Mitglied dieser Bruderschaft zu sein und deßhalb mußte ihm manches entgehen. Zunächst die Mittheilung, daß das besprochene Werk keineswegs die correcten Statuten genannter Bruderschaft enthält, vielmehr diejenigen Paragraphen, welche bei der Durchberathung eine Abstimmung nothwendig machten, in der von der Majorität verworfenen Fassung wiedergibt. Auch ist diese Statutensammlung nicht von der Bruderschaft herausgegeben, sondern reines Privatunternehmen eines jungen Mitglieds, welches bei der 1887 stattgehabten Berathung der im Jahre 1884 von der erwähnten Commission aufgestellten Statuten der Bruderschaft noch nicht angehörte. Welche Zwecke gedachtes Mitglied mit Herausgabe dieser unapprobirten Statuten verfolgt, ist eine Frage, deren Erörterung hier nicht angebracht ist.