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Der Israelit · 1890-03-27 · Heft 25 (27.3.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 25 (27.3.1890)
Date
1890-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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442 Maßstab für die beglückende Freude, die einen Moses erfüllt haben mag, als später die steinernen Bundestafeln die Heilighaltung des Sabbat als Gott gebotene Pflicht enthielten. Diesen Gedanken sprechen in unserem Sabbatgebete die Worte aus: 'b n>np pw nay o ip^n hipd noir mrfc »Jtri '2'v -n by "yjsV ntsya nn: ltwna m*«n imina aina pi iw rrvotf Dm airai n-a tun „Freuen mochte sich Moscheh mit dem ihm verliehenen Antheil, denn einen treuen Diener hast Du ihn genannts, als er vor Dir auf dem Berge Sinai stand und in seiner Hand die zwei steinernen Tafeln herabbrachte, auf welchen die Hut des Sabbat geschrieben stand, und so ist es in Deiner Thora geschrieben." Freilich konnte der egyptische Sabbat, als bloßer Ruhetag, noch nicht das göttliche Sabbat- Zdeal verwirklichen, welches die von ihm Durchdrungenen zum Zeugen Gottes als Schöpfer von Himmel und Erde weiht. Unter dem egyptischen Druck konnte der Sabbat nur ein nmjo dv, ein Lag der Ruhe, aber nicht ein namp dv, e i n Tag der Heiligkeit sein, welche ihm Gott allein verleihen konnte. Der Segen und die Heiligkeit, mit welcher Gott seinen Sabbat ausgeftattet hat, wird erst Denjenigen zu Theil, die ihn nicht aus Erholungsbedürfniß feiern, sondern die ihn als das Zeichen hüten und ehren, als welches ihn Gott zwischen Sich und sein Volk gestellt hat. Der sorgende, ringende und den Kampf ums Dasein kämpfende Mensch, der sich für seine und der Seinen Erhaltung auf seine Sorge und Arbeit angewiesen sieht, ist nur allzuleicht geneigt seine Thätigkeit und seine Intelligenz als die Schöpfer seiner Welt zu vergöttern und darüber zu vergessen, daß Gott der Schöpfer und Erhalter svon Himmel und Erde und der auf ihr lebenden Meuschenwelt ist. Deßhalb gebietet der Sabbat dem arbeitenden, ringenden Menschen in Gottes Namen Halt, zieht seine Hand von aller gestaltenden, producirenden Thätigkeit zurück und lenkt den Blick auf Gott als Erhalter von Himmel und Erde. Der jüdische Mensch, der diesem Rufe folgt, der sechs Tage emsig gearbeitet und mit Eintritt des siebenten die schaffende Hand sinken, den eilenden Fuß rasten läßt, nicht um zu ruhen und sich zu erholen, sondern um seine Anerkennung Gottes als Schöpfer und Meister der Natur und Menschenwelt durch die That, durch die Sabbatfeier zu besiegeln, erst dieser wird des Segens und der Heiligkeit theilhaftig, die aus der treuen Beobachtung des Sabbat fließen. Bei einem Sabbat, wie er in Egypten von unseren Vätern nur gefeiert werden konnte, war jedoch alles ausgeschlossen, was der Sabbatfeier den Charakter einer Gotteshuldigung verleihen konnte. Eine solche hätte auch Pharao nie zugegeben und scheint auch bei dem schweren Druck, der auf dem Volke lastete, von vornherein ansgeschloffen. Aber am letzten Sabbat, den sie in Egypten verlebten, sollten sie mit ihrem Opferlamm sich den Geist und die Gesinnung aneigr.en, die unerläßlich ist, nm einst den Sabbat, der ihnen ja nicht erst am Sinai, der ihnen schon in Mara geboten wurde, voll und ganz zu feiern. Was ist es denn, das die Gotteshuldigung des Sabbat zu einer so schweren Prüfung macht, daß sie so viele nicht bestehend Verdienen, erwerben, genießen ist die Parole, Verdienst, Erwerb und Genuß sind die Götzen des Tages, denen alle und alles huldigen. Das Kind wird in die Schule geschickt, um etwas zu lernen, um sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, damit es später einmal selbst etwas verdienen und erwerben, und dann genießen kann. Alle Wissenschaft und alle Kunst, alle Industrie, alles Denken und Wissen zielt darauf hin. Alle Ideale werden in den Dienst dieser Idole gejocht und müssen ihre Nützlichkeit Nachweisen, wenn sie nicht als Ueberspanntheit verlacht und verfehmt werden sollen. Je mehr daher Jemand verdient, desto mehr besitzt er, je mehr er besitzt desto geachteter ist er. So entsteht der mörderische Ringkampf, den man beschönigend freie Csncurrenz nennt, in dem der Freund nicht mehr den Freund, der Bruder nicht mehr den Bruder kennt, und der Refrain, der aus diesem Getümmel in allen Variationen herausklingt, lautet: Erwirb und verdiene', ruhe nicht und raste nicht, bis Du so viel an Dich gerissen hast, daß Du als reich giltst, dann bist Du geehrt und geachtet und kannst sorglos genießen! Mitten in diesen heißen Kampf aller gegen alle, tritt der Friedensbote, der von Gott gesandte Sabbat. Er will den Kämpfenden den Schweiß vom göttlichen Antlitz trocknen, die Furchen in der Stirne glätten, ihnen Ruhe und Frieden bringen, indem er auf Gott, der ihn gesandt, hinweist, in dessen mächtiger Vaterhand doch allein Leben und Tod, Reichthum und Armuth ruht. Er verlangt Einstellung aller Thätigkeit, während die Zeit laut die rastlose Anspornung aller Kräfte fordert. Er weist den Menschen von der Beherrschung der Natur, nachdem er sie sechs Tage sich untergeordnet hatte, zurück und verlangt durch Einstellung jeder producirenden Thätigkeit in Gottes Welt die Anerkennung Gottes als Schöpfer und Eigner von Himmel und Erde. Aber die Gegenwart in ihrer

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