Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1890)
- Date
- 1890-03-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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435 habe das in der allerobjectivsteu Weise gethan. Das Judeuthum als Kollekrivum nicht als einzelne Person ist eine Gefahr für uns; das wird niemand bestreuen. Ich habe die jüdischen besonderen Vergehungen nicht berührt. Tie Herren werden aber immer gleich aufgeregt und machen sich dann einen Strohmann zurecht. Mir lag es daran, darauf hin;uweisen, daß bei einem Ueberwiegen des Judenthums ein nationaler Unterricht nicht mehr möglich ist. Tas als Hetzerei zu bezeichnen, ist eines politischen Mannes nicht würdig. Die Vertretung der Interessen des christlichen Volkes ist meine Aufgabe und wer das nicht versteht, den beneide ich um sein mangelndes Verstäudniß. Gerade als evangelischer Geistlicher habe ich die Pflicht, auf diese sittlich religiöse Frage hiuzuwirkeu. Gin Urtheil über diese Sache hat Herr K n ö r cf e nicht; er war ein evangelischer Geistlicher und muß sich wohl als solcher nicht wohl gefühlt haben, sonst wäre er es noch. Herr Rickert nannte meine Rede eine Hetzrede. Das ist die Taktik, welche die Juden und Sie, Sie und die Juden seit Jahren gegen mich verfolgen. (Zustimmung rechts.) Ich bin ein ganz besonnener und gemäßigter Anhänger dieser Frage. (Heiterkeit.) Manche Juden denken vielleicht heute schon, wenn sie meinen Rathschlägen von Anfang en nachgekommen wären, wäre es besser; dann wäre die Sache nicht weiter gegangen. Stahl und Neander, die zwei Juden, waren die größten Gegner der Juden; der erste der Juden als Richter und der letztere der jüdischen Lehrer. Das weiß Herr Rickert nicht und darum beruft er sich auf Stahl. (Heiterkeit.) Der alte Fritz dachte über die Judenfrage ganz wie ich. Als in Breslau zuviel Juden wurden, verbot er den Zuzug der Juden, damit aus Breslau nicht ein neues Jerusalem werde. (Heiterkeit.) Ich behaupte, daß eine Nation, die wir als Fremdlinge ausgenommen, als Gäste gepflegt haben, sich nicht herausuehmen darf, die Grundlagen des Staates zu untergraben. (Zustimmung.) Marx ist Dogmatiker und Lassalle der Agitator der Sozialdemokratie. Ohne diese Juden hätten wir die Sozialdemokratie gar nicht. In der Presse hat das Judenthum eine Macht sich geschaffen, um unser Volksleben zu verwüsten. Ich bedaure, daß Christen sich dazu hergebeu, die Werkzeuge dieses Judenthums zu sein. Ich werde so lange ein Blutstropfen in mir ist dieser Gefahr entgegentreten; darauf kann Herr Rickert sich verlassen. Berlin, 21. März. . Metzler (Frankfurt a. M.) constatirt den gestrigen Aeußerungen Stöckers gegenüber, daß in Frankfurt keine konfessionellen Gegensätze bestehen, daß die alte Kaiserstadt stolz sei auf ihren konfessionellen Frieden. Bachem (Gentrum) weist darauf hin, daß auch die Katholiken in Preußen als eine Minorität gedrückt seien. Rickert setzt die Polemik gegen Stöcker fort und erinnert an das königliche Wort, daß der Antisemitismus eine Schmach für die deutsche Nation sei. Der Knltusminister vertheidigt sich gegen Rickert, als habe er einseitig Stöckers Partei genommen. Er kenne keine Tendenz; er sei weder Semit noch Antisemit. In Frankfurt sei das Schulwesen, wenn auch nicht durchweg konfessionell, so doch getheilt. Wenn die Juden sich selbst scheiden, so ist auch die Forderung berechtigt, daß auch die Christen und Juden sich in Schulen scheiden. Bedenken Sie die Schwierigkeit eines gemischten Lehrerkollegiums in den konfeffionell gemischten Schulen. Diese Schwierigkeiten sind Hindernisse des Unterrichts und treten täglich praktisch hervor, und man braucht nicht gleich das hohe politische Gebiet zu betreten und die Frage des Antisemitismus aufzuwerfen, wenn man an praktische Abhilfe denkt. Cremer (wild): Nach der neuesten anthropologischen Forschung seien die Juden die konstanteste Rasse. Die frühe Geschlechtsreife der jüdischen Mädchen mache ein Znsammensein mit christlichen Mädchen in denselben Schulen höchst schäd- . lich. Wenn das Judenthum nicht die intoleranteste Rasse der Welt wäre, gäbe es längst keine Juden mehr. Die Emanzipation der Juden war ein Fehler und bedeutet den Abfall deS christl. Staates von sich selbst. Prof. Jäger behauptet, jeden Juden durch den Geruch heraussinden zu können. Die Judenfrage könne nur auf demBoden der Emancipation gelöst werden; aber vielleicht komme man dazu, in das Strafgesetzbuch, das jetzt mit christlich-germanijchem Geist erfüllt sei, den jüdischen Grundsatz einzuführen : „Auge um Auge, Beule um Beule, Blut um Blut." Deutschland bleibe christlich oder höre auf zu sein. Jeder Zoll, den mau dem Judeuthume abringe, müsse dem positiven Christenthume zurückgewonnen werden. Rickert verzichtet darauf, einem Manne, wie Eremer, zu antworten. Er bedauert, daß Goßler nicht rundweg die Forderungen Stöckers ablehne. Stöcker: Nicht ein Wechsel der Verhältnisse, sondern der Ausfall der Wahlen habe ihn und seine Fraktion bestimmt,! diese Dinge vorzubringen. Seit 12 Jahren verfolge ihn eine verlogene Presse und bewerfe ihn mit Schmutz. Noch nie sei es gelungen, ihm eine Unwahrheit nachzuweisen. (Stürmischer Beifall rechts.) Den Jrrthum eines Gerichts dürfe man ihm nicht zum Vorwurf machen; in juristischen Kreisen spreche man über den damaligen Gerichtsvorsitzenden in einer Weise, die ihn (Stöcker) gegen jeden Verdacht des Falscheidrs schütze. Virchow: Was wollen denn die Herren der Rechten, als ihrem Haffe in der Schmähung Ausdruck zu geben und Schmutz gegen die Juden zu werfen? (Ordnungsruf.) Sie sollen doch einen Antrag stellen, damit sich darüber sachlich reden ließe; vielleicht wie in der berühmten Petition, die den Ausschluß der Juden von autoritativen Aemtern verlangt. Räthselhaft sei der besondere Grund, der Stöcker mit seiner ganzen Fraktion zu neuen antisemitischen Thaten begeistere; das zu erfahren sei von politischem Interesse. Die Art, wie der Kultusminister die Sache auffaßt, habe ihn überrascht. Was soll die ganze Statistik? Die Juden sind da; wollen Sie sie vertreiben oder todtschlagen? Wir haben das Interesse, sie mit uns möglichst zu verschmelzen. (Zwischenruf.) Heirathen thun ja Conservative die Jüdinnen, wenn sie Geld haben. (Heiterkeit.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Leipzig. Ueber die noch immer beklagenswerthen Rechtsverhältnisse unserer Glaubensgenossen in Sachsen giebt neuerdings eine Beschwerde der jüdischen Referendare, welche gegen das königl. sächs. Justizministerium gerichtet ist, betrübende Kunde. Es wird darin mit Recht geklagt, daß die jungen Juristen sich seitens der obersten Behörde in höchst wichtigen Dingen zurückgesetzt sehen. Der Richtereid wird ihnen nicht gestattet, damit denn auch die richterliche Laufbahn unmöglich gemacht; selbst die jedem Referendar ch r istl i ch en Bekenntnisses gewährte und ein für allemal fest ge stellte Remuneration von M. 1200 p. a. aus Staatsmitteln wird ihnen verweigert. Daß hier eine tendenziöse Zurückdrängung vorliegt, ist offenbar. Urheber dieser Beschwerdeschrift, welche den Abgeordneten sämmtlich er Fraktionen der 2.